In den nächsten Tagen lohnt ein Blick zum Himmel – nicht nur wegen des Silvesterfeuerwerks, sondern auch weil Komet C/2016 U1 die Erde passiert. Sollten die Wetterbedingungen mitspielen, lässt sich der kosmische Brocken mit einem guten Fernglas und bis Mitte Januar vielleicht sogar mit bloßem Auge verfolgen. C/2016 U1 erreicht gegenwärtig eine scheinbare Helligkeit von 10 mag (Magnitude) und könnte sich bis zum 14. Januar auf eine Stärke von 6 mag steigern. Zum Vergleich: Der Vollmond erreicht minus 12,7 mag, der Polarstern etwas weniger als 2 mag.

Wer den Kometen beobachten möchte, muss allerdings früh aufstehen, denn er ist am besten kurz vor der Morgendämmerung zu sehen, wenn man Richtung Südosten blickt. C/2016 U1 passierte die Erde am 13. Dezember in einem Abstand von 106 Millionen Kilometern und entfernt sich gerade von uns in Richtung Sonne. Die dichteste Annäherung an unser Zentralgestirn findet am 14. Januar statt, während der Komet die Umlaufbahn von Merkur durchquert. Danach entfernt sich C/2016 U1 wieder. Noch wissen die Beobachter der NEOWISE-Mission, die den Kometen entdeckt haben, wenig über das neue Objekt. Sie vermuten, dass er die Sonne in einem Orbit umläuft, der mehrere Millionen Jahre umfasst. Jetzt besteht also die einmalige Gelegenheit, ihn selbst zu betrachten. Noch ist das Erscheinen des Kometen mit Unsicherheiten verbunden, denn diese Geschosse aus Eis, Staub und Fels können sich unerwartet verhalten und beispielsweise zerbrechen oder weniger stark bei der Sonnenannäherung schmelzen. Ihre Helligkeit ist daher schlecht vorhersagbar.

Neben C/2016 U1 verkündeten die Wissenschaftler auch die Entdeckung eines weiteren Objekts namens 2016 WF9. Sein Orbit umfasst unser Sonnensystem. Den sonnenfernsten Punkt erreicht es am Jupiter, dann begibt sich der Asteroid mit einem Durchmesser von bis zu einem Kilometer auf eine 4,9 Jahre lange Reise Richtung Mars, bevor er unsere Umlaufbahn durchquert und wieder Richtung äußeres Sonnensystem fliegt. Dieser "Wendepunkt" findet demnächst statt: Am 25. Februar passiert 2016 WF9 die Erde in einem Abstand von 51 Millionen Kilometern. Zu sehen ist er allerdings nur mit technischer Hilfe, er reflektiert kaum Sonnenlicht, denn er ist "dunkler als frischer Asphalt auf der Straße", so der NEOWISE-Mitarbeiter Joseph Masiero. Da er praktisch keinen Schweif aus Gas und Staub aufweist, definieren ihn die Forscher als Asteroiden, nicht als Kometen.