Wann begann die Menschheit, die Erde in ihrem Sinne nachhaltig umzugestalten: schon vor mehreren tausend Jahren, mit dem Beginn des Industriezeitalters im 19. Jahrhundert – oder doch erst später? 1945 lautet jetzt die Antwort von Geowissenschaftlern um Jan Zalasiewicz von der University of Leicester. Um genau zu sein, begann das so genannte Anthropozän, das geologische Zeitalter der Menschen, am 16. Juli dieses Jahres, als das US-Militär in Alamogordo in New Mexico die erste Kernwaffe zu Testzwecken zündete. Bis 1988 folgte dann etwa alle zehn Tage ein weiterer Atombombentest, deren radioaktiver Fallout weltweit in den entsprechenden Bodenschichten nachweisbar ist. Anthropozäne Ablagerungen sind demnach durch entsprechende Radionuklide gekennzeichnet, was sie von älteren geologischen Schichten unterscheide, so die Wissenschaftler.

Den Terminus "Anthropozän" hatte der Chemienobelpreisträger Paul Crutzen vor 15 Jahren erstmals diskutiert, um zu zeigen, wie umfassend und bis in den letzten Winkel wir mittlerweile den Planeten umformen. Unter anderem umstritten war allerdings die zeitliche Abgrenzung etwa zum Holozän, dem bislang aktuellen Erdzeitalter. Neben den Rückständen der Kernwaffentests führen Zalasiewicz und Co noch weitere Begründungen für den Beginn in der Mitte des letzten Jahrhunderts an: Seitdem hat sich das Wachstum der Menschheit extrem beschleunigt, was gleichzeitig den Ressourcenverbrauch vervielfachte. Gleichzeitig verfrachten wir seitdem immer mehr Tier- und Pflanzenarten rund um die Erde, die dadurch neue Lebensräume erobern können. Wir produzieren zunehmend mehr nur schwer abbaubare oder dauerhaft haltbare Gegenstände aus Kunststoffen oder Metallen, die ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Und wir formen komplette Ökosysteme zu unseren Gunsten um oder zerstören sie in einem Ausmaß, wie es sonst nur durch große kosmische oder klimatische Katastrophen in der Erdgeschichte der Fall war.