Keine Tiergruppe ist vielfältiger als die der Insekten. Wo die einen sich in ihrer Umgebung aufzulösen scheinen, geht es den anderen nur um das eine: aufzufallen mit aller Macht!

10 Große Teufelsblume – Der Transformer unter den Insekten
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Idolomantis diabolica ist auf den ersten Blick, falls dann überhaupt erkennbar, ein unscheinbarer Zeitgenosse. Ähnlich dem Wandelnden Blatt ist auch diese Mantidenart an ein Versteckspiel in der Natur angepasst. Die grüne bis braune Färbung sowie die Oberflächenstruktur des Körpers imitieren Blätter perfekt und helfen so bei Jagd und Tarnung gleichermaßen. Die Große Teufelsblume lebt aber nicht nur im Verborgenen: Wird sie entdeckt und ernsthaft bedroht, nimmt ein ganz und gar nicht unauffälliges Spektakel seinen Lauf. Wie auch andere Gottesanbeterinnen verfügt Idolomantis diabolica über die charakteristische Drohhaltung. In ihrem Fall aber ist der Kontrast am größten. Die unscheinbare, welke Erscheinung verschwindet komplett, zeigt die Große Teufelsblume erst einmal die Innenseite ihrer großen, blattförmigen Auswüchse am vorderen Beinpaar. In aufrechter Haltung mit weit gespreizten Gliedmaßen steht sie dann vor ihrem Feind und gibt, dank der nun sichtbaren Färbung, ein bedrohliches Bild ab. Den Namen erhielt sie durch die frühere Annahme, sie lege sich aufgerichtet auf die Lauer und locke so ihre Opfer an. Insekten sollen sie hierbei für eine Blume halten und sich unbedarft der Jägerin nähern. Mittlerweile gehen die Forscher, trotz unbestreitbarer Ähnlichkeit zu einer Pflanze, davon aus, dass die Form- und Farbgebung des Tiers vor allem der Tarnung dient. Der Name schmeichelt dem zierlichen Tier dennoch ungemein.
9 Brahmaspinner – die Außerirdischen unter uns
© Josef Hlasek (www.hlasek.com)
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Alieninvasionen sind fester Teil der Sciencefiction, und schon länger spekulieren Verschwörungstheoretiker, ob die extraterrestrischen Eindringlinge nicht längst mitten unter uns leben. Beim Anblick der seltsam anmutenden Raupe der Gattung Brahmaea kann man es ihnen kaum verdenken: Lange dornige Fühler stehen vorne und hinten vom Leib ab, über den gesamten Rücken ziehen sich dornige Fortsätze, und die auffallend bunte Färbung scheint ebenfalls nicht von dieser Welt. Alle Raupen der Brahmaspinner haben jenes charakteristische, bizarre Aussehen. Ihr Lebensraum konzentriert sich zumeist auf asiatische Gebiete: Zum Beispiel leben B. certhia und B. tancrei in China, Korea, teilweise in Indonesien sowie in den östlichen Teilen Russlands, B. europaea ist allerdings hauptsächlich in Italien anzutreffen. Aus den Raupen entstehen nach der Verpuppung stark behaarte nachtaktive Falter, die im Vergleich zum vorherigen Aussehen unscheinbarer wirken. Die monströsesten Dornen finden sich bei B. certhia, eine gespenstische Aura verbreiten sie aber allesamt.
8 Brasilianische Buckelzikade – Eine Laune der Natur
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Sieht man zum ersten Mal ein Bild von Bocydium globulare, hält man es für einen schlechten Scherz. Welcher Käfer hat denn bitte eine Antennenvorrichtung mit Kugeln auf dem Kopf? Der Einzelgänger hängt zumeist an der Unterseite von Blättern und tut sich an diesen gütlich, sonderlich hoch über dem Erdboden bewegt er sich nicht. Rein von seinem Lebensstil ergeben sich keine Antworten auf die Frage nach dem Warum. Umso mehr haben Forscher versucht, den Sinn der kleinen Chitinkügelchen auf dem Auswuchs des Kopfes zu ergründen – mehr als Theorien sind allerdings noch nicht zu Stande gekommen. Die Möglichkeit, es handle sich um ein attraktivitätssteigerndes Merkmal bei der Balz, wurde schon bald als unwahrscheinlich verworfen, denn nicht nur Männchen, sondern auch Weibchen bilden die Kugelantenne aus. Weiterhin könnten Fressfeine abgeschreckt oder beim Verzehr behindert werden, doch auch eine Detektorfunktion wäre denkbar. Durch das vergrößerte Halsschild nimmt auch die Oberfläche zu, und mehr Sinneshärchen haben Platz. Somit kann das Tier Pheromone leichter ausschütten und wahrnehmen. Die Erscheinung gibt noch immer Rätsel auf. Interessant anzusehen ist die Zikade aber allemal.
7 Mondvogel – Auf keinen grünen Zweig
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Einer der sichersten Überlebenstricks ist eine gute Tarnung. Phalera bucephala, der Mondvogel, ist darin ein Meister: Unbeweglich sitzt er auf einem Zweig im Baum, die Maserung seiner Flügel ist perfekt an die Umgebung angepasst. Der weit verbreitete Nachtfalter, der sich im Übrigen auch in Europa heimisch fühlt, ist demnach nicht der geselligste Zeitgenosse, auch wenn er vor seiner Verpuppung in der Erde in Gruppen aus einigen Raupen lebt. Diese sind im Vergleich zu dem ausgewachsenen, bräunlich grauen Tier dank hervorstechender gelber Muster auf ihren schwarzen Körpern sehr auffällig. Die Haare der Raupen können bei Kontakt Hautirritationen auslösen, ein ausgewachsenes Tier kann man aber ungefährdet anfassen. Den alternativen Namen Mondfleck erhielt er durch den auffälligen hellbraunen Fleck an der Flügelspitze.
4 Cyphonia clavata – Nachahmung in Perfektion
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Ein Preis für eine der spezifischsten Tarnungsstrategien ist dieser Buckelzikadenart sicher. C. clavata hat im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern der Familie Membracidae ihren Auswuchs am Hals nicht etwa zur Verteidigung, vielmehr stellt dieser eine nahezu perfekte Abbildung einer Ameise dar. Der restliche Körper, welcher je nach Exemplar eine grünlich-bräunliche Färbung besitzt, verschwindet auf dem Untergrund, sichtbar bleibt einzig das clevere Gebilde der Ameisenimitation. Zwar ist es im Tierreich recht verbreitet, Ameisenmerkmale oder deren Fähigkeiten zu übernehmen, zu solch extremen Mitteln der Mimikry greifen aber die wenigsten Insekten. Somit ist C. clavata ein einzigartiges und bizarres Wunder der Evolution. Doch nicht nur das: Weiterhin fällt auf, dass der Hinterleib der angeblichen Ameise sich am Kopf des raffinierten Tricksers befindet. Im Fall einer Bedrohung ist es üblich für Ameisen, rückwärts zu laufen und sich aufzurichten. Als perfekter Schauspieler stiehlt sich also die Buckelzikade davon, den Gegner lässt sie verwirrt und eingeschüchtert zurück und liefert uns ein wunderbares Beispiel für das Zusammenspiel verschiedener Spezies in der Natur.