Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Objektbezogene Empathie Wurzel der Religion?

    25.10.2008, Holger Schoening, Jena
    Könnte es sein, dass der Glaube an das Übernatürliche entstanden ist durch die Notwendigkeit, das Handeln der anderen zu verstehen?
    Evolutionär gesehen hatte derjenige in einer entstehenden sozialen Gemeinschaft Vorteile, der sich fragte, welche Gründe andere für ihr Handeln hatten. Wer also einen Hang dazu hatte, nach menschlichen Gründen für "alles", was geschah, zu suchen, hatte einen evolutionären Vorteil. So fragt er sich auch, warum ein Baum im Sturm umfällt oder vom Blitz getroffen wird. Der Vorteil dieser Tendenz, Menschen zu hinterfragen, muss größer gewesen sein als der "Nachteil", auch in allem anderen, was geschah, menschliche Motive zu suchen.

    Nur so ein kleiner Gedanke zum Thema.
  • Unwiederbringlich

    24.10.2008, Liane Mayer, Wien
    Hat schon einmal jemand ausgerechnet, für wie viele Starts oder auch wie viele "Mannjahre" auf dem Mond das Wasser voraussichtlich reichen könnte? Wie sicher können wir sein, dass nicht Unwiederbringliches verloren geht, wenn das durch Milliarden Jahre erhalten gebliebene (oder aufgesammelte) Wasser einfach so drauflos verbraucht wird? Sicher können wir das von der Erde gewohnte Wassermanagement, das prinzipiell meist von einem Überfluss ausgeht, nicht eins zu eins auf den Mond übertragen, wo Wasser eine kostbare Seltenheit ist! Und wie steht es mit Recycling - Möglichkeiten? Insbesondere wenn Wasser als Treibstoff verwendet wird, scheint mir das nicht selbstverständlich zu sein!
  • Bild des Monats eine Fälschung

    17.10.2008, Prof. Dr. Franz-Josef Lübken und Dr. Gerd Baumgarten, Kühlungsborn
    Wir haben uns gefreut, in Ihrer Septemberausgabe als "Bild des Monats" eine leuchtende Nachtwolke zu sehen. Unser Institut beschäftigt sich seit seiner Gründung (1992) mit der wissenschaftlichen Erforschung dieses Phänomens. Leider mussten wir feststellen, dass das abgebildete Foto eine Fälschung ist: Die Wolken stammen in Wahrheit aus einer Aufnahme in Süd-Schweden (siehe http://www.spaceweather.com/nlcs/images2007/30jul07/Hed%E9n1.jpg).
    Auch in dem Bild selbst gibt es Hinweise auf eine Fälschung. Zum Beispiel sind Wasserwellen bei den hohen Belichtungszeiten, die zur Aufnahme solcher Wolken erforderlich sind, praktisch nicht erkennbar.
    Immer wieder wird suggeriert, dass sich nachtleuchtende Wolken in den letzten Jahren weiter nach Süden ausgebreitet hätten, so auch in der Originalquelle Ihres Fotos (www.spaceweather.com). Tatsächlich gibt es dafür keinerlei wissenschaftlich fundierte Indizien. Aus unseren Messungen lässt sich auch keine systematische Zunahme der Häufigkeit solcher Wolken ableiten, wie in Ihrer Bildunterschrift angedeutet wird. Wir wissen noch zu wenig über die natürlichen Variabilitäten der leuchtenden Nachtwolken, um anthropogene Einflüsse herausfiltern zu können.
    Prof. Dr. Franz-Josef Lübken
    Dr. Gerd Baumgarten
    Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik, Kühlungsborn

  • Vereinfachung hat Grenzen

    06.10.2008, Rüdiger Kuhnke, München
    Dass in der Rubrik "Wissenschaft im Alltag" keine wissenschaftlichen Fachaufsätze stehen, ist klar. Klar ist auch, dass dort Sachverhalte vereinfacht dargestellt werden können oder müssen.
    Das rechtfertigt aber keine Aussagen wie "Wärme steigt nach oben". Wer diesen Satz verinnerlicht, hat kaum noch eine Chance, zu verstehen, daß Wärme dahin geht, wo weniger Wärme ist - vereinfacht ausgedrückt.
    Lassen Sie also die heiße Luft lieber nach oben steigen, statt sie in Schriftform zu gießen.
  • Myelinisierung der Großhirnbereiche

    06.10.2008, Georg Weitzsch, Achberg
    Auf Seite 46/47 wird eine Bildserie in verschiedenen Farbtönen dargestellt, bei der laut Farbskala blau und violett die am stärksten myelinisierten Großhirnbereiche darstellen sollen. Der dazugehörige Text besagt, dass die Zonen für die Selbstkontrolle zuletzt myelinisiert werden. Dies sind, wie bekannt und wie auch der Autor auf Seite 43 andeutet, unter anderem Bereiche des Stirnlappens. Folgt man der Bildserie, sind ausgerechnet diese vom vorderen Teil her schon im Alter von vier Jahren am stärksten myelinisiert. Im Bildtext wird davon gesprochen, dass die Dichte der Neuronen gemessen wurde und es wird ein Rückschluss auf die Myelinmenge mit dem einschränkenden Wort "wohl" gezogen. Das gibt dann diese Darstellung wohl nicht her. Könnte man das bitte aufklären?


    Auch sollte man, um nicht vorschnelle Schlüsse zu fördern, allgemein bei solchen Bildern nicht von "Aufnahmen", sondern von "Berechnungen auf der Basis von MRT-Messungen" o.ä. sprechen. Weiterhin wäre hier zur Bewertung der Relevanz eine Angabe interessant, ob es sich um die Messserie einer Person handelt oder um Durchschnittsberechnungen an mehreren Personen.

    Antwort der Redaktion:
    Einige Teile des Stirnhirns sind in dem Bild bei Vierjährigen tatsächlich schon blau dargestellt. Aber der präfrontale Kortex, in dem sich ja höhere kognitive Funktionen abspielen, ist beim Menschen tatsächlich sehr viel größer.

    Die Myelinisierung von oben und weiter hinten liegenden Hirnregionen sieht man auf den Bildern leider nicht so gut.
    Diese Bilder stammen aus einer Veröffentlichung des in der Bildquelle zitierten Forschers. Er ermittelte die Dichte der Neuronen – und schloss, dass die gemessenen Unterschiede mehrere Ursachen haben dürften. Eine davon könnte sein, dass die Myelinisierung zugenommen hat, so postuliert er.

    Nach meiner Erinnerung handelt es sich bei den Darstellungen um "Durchschnittsbilder" jeweils von mehreren Kindern derselben Altersgruppe.
    Dr. A. Stahnke
  • Unbewiesen? - Unbeweisbar!

    05.10.2008, Roman Rucker, Dornhan
    Trotz verzweifelter Versuche hat Georg Cantor die Kontinuumshypothese nicht beweisen können. Sie war noch 1900 die Nummer 1 auf Hilberts berühmter Liste ungelöster mathematischer Probleme. Sie widerstand auch Hilberts eigenen Attacken im nächsten Vierteljahrhundert. Dennoch blieb er von ihrer Beweisbarkeit überzeugt. Andere Mathematiker haben vielleicht auch an ihre Widerlegbarkeit geglaubt.

    Nun ist in der Rezension zu lesen, dass selbst heute die Kontinuumshypothese weder bewiesen noch widerlegt ist, eine Feststellung, die vermutlich der meisterhaft tiefgründigen Prosa von D. F. Wallace geschuldet ist und nach „Tertium non datur“ riecht.

    Die Beweismethoden der Mengenlehre haben sich jedoch schon seinerzeit zügig weiter entwickelt, sodass sich nach Ergebnissen von Gödel (1938) und Cohen (1968) folgende Situation ergab:

    Die Kontinuumshypothese ist auf der Basis gängiger mengentheoretischer Axiomensysteme weder beweisbar noch widerlegbar. Ihre Aussage (die hier so formuliert sei: Jede überabzählbare Menge reeller Zahlen ist gleichmächtig mit der Menge aller reellen Zahlen) hat also mit gebräuchlichen Axiomen der Mengenlehre logisch nichts zu tun, sie ist davon unabhängig.

    Beweisen (oder widerlegen) lässt sich die Kontinuumshypothese also nur noch von Kreisquadrateuren und Winkeldrittlern. Bedacht sei jedoch: Etwas Unbeweisbares zu beweisen, ist schwieriger, als etwas Unbrennbares anzuzünden.

    Zu Rate gezogen:

    Ebbinghaus, H.-D., u.a.: Zahlen
    Halmos, P. R.: Naive Mengenlehre
    Schmidt, J.: Mengenlehre, Grundbegriffe
  • Einfach köstlich

    03.10.2008, Egbert Scheunemann, Hamburg
    Als ich im Inhaltsverzeichnis Ihres neuesten Heftes (Spektrum... 10/2008, S. 4) folgenden Satz las, bin ich fast vom Hocker gefallen: "Die weiße Hirnmasse kann mehr als gedacht." Köstlich, einfach köstlich!
  • Bedeutung der Gliazellen

    02.10.2008, Prof. Dr. Manfred Blank
    Bereits A.E. Kormüller hat in den 50er Jahren auf die enorme neurophysiologische und neurobiochemische Bedeutung der Gliazellen hingewiesen und mit Hife von elektroschockbehandelten Kaninchen aus deren Extrakten Krampfpotenziale nach Flickerreizstimulation erheblich dämpfen können. Desgleichen wurden mittels gekreuzter Kreisläufe bei einem Tier mittels Tiefenelektroden im Hypothalamus induzierter Schlaf im angeschlossenen Versuchstier im EEG Schlafspindeln nachgewiesen und eine Verminderung von Betawellen registriert.
  • Vorkommen von Verletzungs-Transfektionen

    02.10.2008, Dr. Frank Subke, Mehlingen
    Frau J.L. Nelson demonstriert eindringlich den diaplazentaren Zellaustausch zwischen Mutter und Kind, was jeweils zu einem Chimärismus heterologer Zellen führt. Erstaunlich ist dabei die plazentare Passage, bei der eigentlich selbst größere Moleküle zurückgehalten werden sollten und die sich möglicherweise auf Mikroläsionen (arterielle Hypertonie, mechanische Einflüsse etc.) gründet, wie auch die immunologische Resistenz dieser mitunter langlebigen Fremdzellen mit ihren beschriebenen autoimmunologischen Konsequenzen.

    Ein wichtiger Aspekt bezüglich eines inter-individuellen Zellaustausches (neben dem des iatrogenen Mikrochimärismus) wäre demnach die Frage nach dem generellen Vorkommen von Verletzungs-Transfektionen, wie es sich bei einigen Krebsarten zu offenbaren scheint. So wird beim epidemiologischen Gesichtskrebs des tasmanischen Beuteteufels (Sarcophilus harrisii) die Möglichkeit einer Übertragung durch Krebszellen auf Verletzungen im Gesicht diskutiert, die durch innerartliche Kämpfe zugefügt werden. Dieser “Devil Facial Tumor Disease" (DFTD) verhält sich ähnlich dem sexuell übertragbaren Sticker-Sarkom bei Hunden („Canine transmissible venereal tumor“).

    Ein anderer Aspekt eines Zelltransfers wäre die autologe, dystopische Versprengung von Zellen, wie sie bei der Endometriose (adulte Stammzellen?) auftritt, also der pathologischen Versprengung von Gebärmutterschleimhaut außerhalb des Uterus.
  • Die Jagd zum Nordpol

    01.10.2008, Erhard Oeser
    Alle Zitate in diesem Buch ebenso wie die Abbildungen stammen aus den Originalwerken und sind nach der heute in der Wissenschaft üblichen Zitierungsweise mit genauer Angabe der Seite in den im Literaturverzeichnis angeführten Originalwerken nachgewiesen. Die Bebilderung ist also keineswegs mit "einem Jugendbuch aus der Karl-May-Schule" zu vergleichen.
  • Wer hat Angst vorm Schwarzen Loch?

    01.10.2008, Eva Stupar
    Die Durchführung höchst umstrittener, riskanter und unethischer Versuchsreihen am Teilchenbeschleuniger LHC in Genf steht kurz bevor.
    Kritische Stimmen – besonders jene renommierter Wissenschaftler – verhallen beinahe ungehört. Warum wurde bislang keine entsprechende Expertenkonferenz einberufen? Verkommt die Physik zum Glücksspiel, zur Religion? Sollen wir beten? Beten, dass jene Physik-Propheten Recht behalten, die die Entstehung stabiler und semi-stabiler Schwarzer Löcher im Zuge dieser Versuche - und ihrer eigenen nuklearphysikalischen Wahrsagerei folgend - für ausgeschlossen halten?
  • Was ist uns die Grundlagenforschung wert?

    01.10.2008, S. Kiefer
    Erschreckend welche Mischung von Gutgläubigkeit und Desinteresse bezüglich der "Weltmaschine" in meinem Umfeld kursiert:

    Ingenieure sagen: "Die Physiker wissen schon, was sie tun."

    Nicht-Wissenschaftler entgegnen: "Schwarze Löcher auf der Erde - so was gibt es doch nur im Science-Fiction!"

    Von Physikern höre ich gedankenlose Phrasen wie: "Dass mini black holes zu einer Gefahr werden, ist nur EIN Szenario unter vielen möglichen. Es ist rein spekulativ." Mit dem zynischen Nachsatz: "Und wenn doch schwarze Löcher entstehen, die Materie akkumulieren und die Erde verschlingen - dann kann man wenigstens niemanden zur Verantwortung ziehen."

    Bei so viel Dummheit und Verantwortungslosigkeit tun sich vor mir Abgründe auf!

    Die Physiker wissen in diesem Fall NICHT, was passiert - sonst bräuchten sie kein Experiment durchzuführen.

    Und bezüglich der Hypothesen: Diese implizieren die Möglichkeit einer Entstehung der mini-schwarzen-Löcher, sofern Extra-Dimensionen existieren. Das Auftreten von schwarzen Löchern ist zwar spekulativ, aber dennoch möglich.

    Wie Jonathan Ellis (LSAG, i.e. LHC Safety Assessment Group) suggestiv in die Zuhörermenge hineinfragte: "Hands up, those who really believe in extra-dimensions?", so möchte ich hier fragen: "Hand hoch, wer möchte sein Leben für ein Grundlagenexperiment zur Erforschung der Materie hergeben?"
  • Statistischer Test nicht überzeugend

    30.09.2008, Dominik Grathwohl, Vevey, Schweiz
    Ich stimme mit dem Autor voll überein, dass die Haut des rechten Unterarms einen anderen Bakterienartenmix beherbergt als die Haut des linken Unterarms. Jedoch bin ich der Überzeugung, dass die Ursache eine reine Zufallsschwankung ist und nicht darin zu begründen ist, weil es sich um den rechten oder linken Arm handelt. Die Datenbasis für die Behauptung des Autors ist zu schwach. Die Anzahl und die Variation der verschiedenen Bakterienabteilungen ist zu groß, um aus einer Anzahl von 6 Versuchspersonen auf einen systematischen Unterschied zwischen dem linken und rechten Arm schließen zu können. Außerdem fehlt es auch an einer biologischen Erklärung. Der Autor oder die Autoren, deren Daten in dem Balkendiagramm auf Seite 64 vorgestellt sind, sollten einen Statistiker zu Rate ziehen, bevor sie mit solchen Behauptungen an die Öffentlichkeit gehen.

    Technischer Anhang

    Ein statistischer Test, der eine Aussage zwischen dem rechten und linken Unterarm testen soll, ist ein Test für gepaarte Daten. Eine Analyse der Bakterienabteilung als qualitatives Merkmal würde nur dann einen signifikanten Effekt ergeben, wenn im rechten Unterarm alle Versuchspersonen eine bestimmte Bakterienabteilung hätten und im linken wären diese nicht nachweisbar. Das ist aber nicht der Fall, wie man den Balkendiagrammen entnehmen kann. Eine Analyse der Bakterienabteilung als quantitatives Merkmale würde nur dann einen signifikanten Effekt ergeben, wenn für die Differenz zwischen dem rechten und linken Unterarm das Verhältnis vom Mittelwert dieser Differenz zur Standardabweichung dieser Differenz größer als 2.6 ist. Das mag vielleicht für eine Bakterienabteilung der Fall sein, aber sicher nicht für alle. Und falls das für eine Bakterienabteilung der Fall sein sollte, dann hätten die Autoren diesen Effekt für diese Bakterienabteilung voraussagen sollen, bevor das Experiment durchgeführt wurde und nicht, wie es leider nur zu oft der Fall ist, nachdem das Experiment durchgeführt war, diesen Effekt „entdeckt“ aus der Vielzahl von Bakterienabteilungen. Dann nämlich ist der Effekt mit großer Wahrscheinlichkeit falschpositiv.
  • ... ist doch sein Tod!

    30.09.2008, Dr.-Ing. Johannes Tille
    Bedauerlich, dass jetzt auch in "Spektrum" der Dativ dem Genitiv sein Tod ist. Wie soll man da dem Kohlendioxid in der Atmosphäre Herr werden?
    Antwort der Redaktion:
    Sie haben Recht. (Mit leisem Bedauern möchte man hinzufügen: bis auf Weiteres zumindest. Des verschwindenden Genitivs gedachte auch schon der "Zwiebelfisch".)
  • Warum schockierend?

    29.09.2008, Dr. Rolf Froböse
    Sehr geehrter Herr Greiner,

    Sie dürfen durchaus der Auffassung sein, dass es keine paranormalen Phänomene gibt. Das ist Ihre persönliche Meinung, die ich als Autor des rezensierten Buches gerne zur Kenntnis nehme und respektiere. Die Anzahl der dokumentierten Fälle spricht aber eine andere Sprache, und ich finde es begrüßenswert, dass sich die moderne Physik dieser Thematik öffnet. Die Geschichte der Naturwissenschaften beweist, dass die wichtigsten Impulse oftmals von so genannten Querdenkern kamen. Insofern wäre ich etwas zurückhaltender und würde die Aktivitäten internationaler Forscher nicht von vornherein als Humbug bezeichnen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Rolf Froböse