Den Weg nach Hause schaffen die ungemein navigationsstarken Tauben auch mit einem verbundenen Auge – und damit nur dem halben Gehirn, berichten Vogelforscher. Verbindet man anschließend das andere Auge, müssen die Tiere einen zuvor vertrauten Weg wieder neu lernen: Ein Informationsaustausch zwischen den zwei Hirnhemisphären, in denen die optischen Signale der Augen separat einlaufen, ist für die Vögel viel schwieriger als für uns Menschen, berichten Vogelforscher um Antone Martinho von der University of Oxford.

Halb blinde Taube
© Antone Martinho, University of Oxford
(Ausschnitt)
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Die Forscher hatten die Bedeutung der verschiedenen Hirnhemisphären bei der Orientierung von zwölf einzelnen Tieren beim Überlandflug untersucht. Man wusste bereits, dass Vögel visuelle Signale – etwa Bahnstrecken, Hügel oder Vegetation – neben anderen Navigationsreizen wie dem Magnetfeld und dem Geruch als Orientierungsmarken nutzen, um ihren Weg zu finden. Die Versuche mit den mal links, mal rechts erblindeten Tauben – die insgesamt 18-mal hintereinander eine Strecke abflogen – zeigten nun, dass ein gelernter Weg nicht etwa im gesamten Gehirn, sondern nur in der jeweils von einem Auge mit Informationen versorgten Hirnhälfte abgelegt wird. Auf diese einseitige Information kann später aber nicht zugegriffen werden, wenn der aktuelle Input von Sehreizen aus der anderen Seite eingespeist wird: Ein Abgleich mit den zuvor schon abgelegten Karteninformation ist nicht möglich, und der Weg muss neu gelernt werden, wie GPS-Aufzeichnungen der Flüge zeigen.

Dies belegt die Bedeutung visueller Reize für die Wegführung endgültig, freuen sich die Forscher, informiert aber vor allem auch über die besondere Funktionsweise des Vogelhirns. Beim Menschen und anderen Wirbeltieren sind die Hirnhemisphären über das Corpus callosum eng miteinander koordiniert – diese Struktur fehlt Vögeln jedoch. Daher sind für sie autonom nur in einer Hirnhälfte lokalisierte Hirnprozesse typisch, etwa die Magnetfeldorientierung bei Rotkehlchen.