Mehrere hundert Menschen sollen im Nordwesten Indiens inzwischen an der rekordverdächtigen Hitzewelle gestorben sein, die das Land gegenwärtig im Griff hat. Seit Wochen herrschen hier tagsüber Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius. Und in der Wüstenstadt Phalodi im Bundesstaat Rajasthan maßen Meteorologen mittlerweile einen Spitzenwert von 51 Grad Celsius – ein neuer Rekordwert seit Beginn der Aufzeichnungen, so die Wetterbehörde. Bislang stand die Höchstmarke bei 50,6 Grad Celsius aus dem Jahr 1956. In den nächsten Tagen erwarten die Experten zudem kaum Linderung, die Hitze soll weiterhin anhalten.

Indiens Nordwesten wird seit Tagen von einer Hitzewelle heimgesucht, deren Tageswerte großflächig 45 Grad Celsius überschreiten.
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Indiens Nordwesten wird seit Tagen von einer Hitzewelle heimgesucht, deren Tageswerte großflächig 45 Grad Celsius überschreiten.

Indien wird regelmäßig von starken Hitzewellen heimgesucht, bevor der Monsun einsetzt. Besonders betroffen ist meist der wüstenhafte Nordwesten des Landes, wo Bodentrockenheit die Situation verschärft, weil sich das Land stark aufheizen kann. Die Aufheizung der indischen Landmasse bildet allerdings auch die Grundlage für die Entstehung des Monsuns: Es entwickelt sich ein Hitzetief über dem Norden des Subkontinents, das letztlich die feuchten Luftmassen vom Indischen Ozean "ansaugt". Die gegenwärtige Hitzewelle fügt sich nahtlos in die globalen Zusammenhänge ein: Der April 2016 war der weltweit wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1880; das gesamte Jahr 2016 liegt bislang 1,4 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel und übertrumpft sogar noch 2015, das unter anderem wegen El Niño deutlich zu warm ausfiel.