Gott scheine eine Vorliebe für Käfer gehabt zu haben, äußerte einst angeblich der Biologe John Haldane angesichts der ungeheuren Artenvielfalt der Käfer. Zumindest Letzteres können auch Forscher um Alexander Riedel vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe bestätigen – schließlich beschrieben sie gerade 98 neue Rüsselkäferarten aus der Gattung Trigonopterus, die sie in den verbliebenen Regenwälder verschiedener indonesischer Inseln aufgespürt hatten. Diese meist nur millimetergroßen Tiere leben vor allem in der Laubstreu der Wälder, wo man sie wegen ihrer braunen Färbung kaum ausmachen kann. Dennoch sammelten die Biologen mehr als 4000 Exemplare und bestimmten sie anschließend mit Hilfe leistungsfähiger DNA-Analysemethoden: Sie reduzierten den Bestimmungsaufwand beträchtlich.

Alle Rüsselkäfer auf einen Blick
© Alexander Riedel, Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe (SMNK)
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Die taxonomische Feinarbeit erfolgte danach allerdings mit altbewährter Handarbeit, Lupe, Mikroskop und detaillierter Beschreibung, die 98 bislang unbeschriebene Arten hervorbrachte, deren Namensgebung Riedel und Co vor die nächste Herausforderung stellte: Eine Art benannten sie nach dem britischen Naturfilmer Sir David Attenborough Trigonopterus attenboroughi, andere erhielten schlicht indonesische Zahlbegriffe als Artnamen und eine dritte Gruppe trägt nun ihren Lebensraum als Titel. Viele der gefundenen Käferspezies leben nur in sehr kleinen Gebieten, die teilweise stark durch Landwirtschaft oder Tourismus bedroht sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Käfern sind diese Rüsselkäfer nur wenig mobil: Sie besitzen keine Flügel und sind daher ortsgebunden – was sie anfällig für Lebensraumzerstörung macht. Beeindruckt waren die Wissenschaftler zudem von der lokalen Biodiversität: An manchen Standorten zählten sie mehr als 50 verschiedene Rüsselkäferarten.