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Alte Hochkulturen

Maya waren zu perfekt organisiert

Ein nachhaltiges Hochleistungssystem erlaubte es den Maya, an ungemütlichen Orten sogar Hauptstädte zu unterhalten. Aber Spezialisierung hat ihren Preis.
Tikal

Die Maya-Hauptstadt Tikal – nicht nur vielen Touristen als imposante Ruinenstätte bekannt – war einst so gut organisiert und in ihre Umweltbedingungen eingepasst, dass sie einer vielköpfigen Bevölkerung in widriger Lage ein gutes Leben ermöglichte. Allerdings wandelte sie eben wegen dieser Spezialisierung auf einem schmalen Grat. Vielleicht genau deshalb musste sie am Ende fallen und untergehen, als ein Klima die Bedingungen veränderte, meint nun ein Archäologen-Team um David Lentz von der University of Cincinatti.

Tempel der Maya-Stadt Tikal
Tempel der Maya-Stadt Tikal | Das alte Tikal im nördlichen Guatemala war eine der Hauptstädte der klassischen Maya-Periode vom 3. bis 9. Jahrhundert. Anschließend nahm die Bedeutung immer mehr ab – bis die Stadt dann im 10. Jahrhundert vollständig verlassen war.

Zu diesem Schluss kommen die Forscher, indem sie der gängigsten Theorie für die Ursache des Niedergangs – einer Klimaveränderung – mit neuen, umfassender Daten nachforschten. Dabei zeigten Analysen von Mineralablagerungen in lokalen Höhlen zunächst, dass tatsächlich fatale Dürren zu eben der Zeit auftraten, als das letzte größere Gebäude in Tikal um 869 errichtet wurde. Danach analysierten die Wissenschaftler, warum die gut organisierten Maya diese Krise nicht bewältigen konnte.

Überforderte Systeme: Der Untergang von Tikal

Dazu trugen sie mit verschiedensten Methoden etwa der Bodenerkundung Daten über die Organisation der Maya-Stadt in der klassischen und späten Phase zusammen. Der Überblick zeigte ein verblüffend hochentwickeltes System, so die Forscher: Die Kultur hatte ein verzahntes System nachhaltiger Forst- und Agrarwirtschaft inklusive dezentraler Kleingartenanlagen geschaffen, das auf ausgefeilten Bewässerungs- und Wasserspeichersystemen basierte. Diese Einrichtungen waren über Jahrhunderte perfektioniert worden und ermöglichten es bis zum Ende eine große, aber verstreut lebende Bevölkerung in einem eigentlich wenig geeigneten Umfeld inmitten des Dschungels zu versorgen.

Die immer ausgefeiltere System hatte allerdings wohl den Preis, auf größere Veränderungen wie die fatalen Dürren nicht mehr reagieren zu können, schlussfolgern die Forscher. Weil das gesamte System etwa auf regelmäßigen Regenfällen beruhte, wäre statt einer flexiblen Anpassung und Optimierung wohl ein völliger Neuanfang mit neuen Systemen nötig gewesen – ein Neuanfang, der die Maya allerdings wohl letztlich überfordert hat. Womöglich ist dies den Architekten der so lange so gut funktionierenden Versorgungssysteme aber auch klar geworden und war ein Grund dafür, die großen Siedlungen aufzugeben.

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