Nachdem im letzten Sommer eine Debatte um mutmaßlich frauenfeindliche Äußerungen eines Nobelpreisträgers hochgekocht war, zeigt sich: Nicht nur Frauen haben es im Labor unter Umständen schwer. Auch Angehörige sexueller Minderheiten – oft unter dem Kürzel LGBT für Lesbisch-Schwul-Bisexuell-Transgender zusammengefasst – erleben in der Wissenschaft Diskriminierung.

Wie das Magazin "Physics World" berichtet, kommt es am Teilchenbeschleuniger CERN in Genf immer wieder zu Vandalismus gegen Plakate einer LGBT-Gruppe. Veranstaltungshinweise werden beschmiert, abgerissen oder durch Beleidigungen verunstaltet. In einem Fall hat jemand das Wort "SCHWEIN!" in deutscher Sprache auf ein Plakat gekritzelt. In einem anderen war ein ausgedrucktes Bibelzitat, das die Todesstrafe für Homosexuelle verlangt, über ein LGBT-Plakat geklebt worden. Gegen mindestens eine Person hat das CERN wegen solcher Verschandelungen Disziplinarmaßnahmen ergriffen.

Die LGBT-Gruppe, die seit 2010 besteht, beschwert sich zudem darüber, von der Leitung der Forschungsinstitution bisher nicht als einer der offiziellen Klubs für Freizeit-, Sport- oder Kulturaktivitäten anerkannt worden zu sein. Die Pressestelle und die Gleichstellungsbeauftragte des CERN erklären, Klubs seien allen Personen offen, um ein gemeinsames Interesse zu verfolgen. Die LGBT-Gruppe dagegen gilt mittlerweile als so genanntes informelles Netzwerk, genau wie Zusammenschlüsse von Menschen mit Behinderungen oder bestimmter Nationalität. In diesen informellen Netzwerken könne man sich auf Grund gemeinsamer "individueller Eigenschaften" zusammenschließen. Man wolle durch die Unterscheidung die politische Neutralität der Klubs gewährleisten. Dennoch, sagen Vertreter der LGBT-Gruppe, sei insgesamt eine positive Entwicklung spürbar.

Doch auch im weiteren Bereich der Physik-Community machen nichtheterosexuelle Menschen auf Grund ihrer sexuellen Orientierung oder Identität negative Erfahrungen. So zeigt eine Befragung des LGBT-Komitees in der American Physical Society (APS) mit mehr als 300 Teilnehmern, dass viele Zeuge von Belästigungen wurden oder selbst erlebt haben. Insbesondere Menschen, die sich nicht oder nicht eindeutig mit dem Geschlecht, das man ihnen bei der Geburt zugeschrieben hat, identifizieren, nehmen Diskriminierung wahr. Viele Menschen aus dem LGBT-Spektrum passen ihr Verhalten an die vermeintlichen Erwartungen ihrer Umgebung an. Häufig fühlen sie sich in ihrem beruflichen Umfeld isoliert und einsam. Die APS hat im Rahmen der Studie Richtlinien verfasst, um diese Missstände anzupacken. Beispielsweise soll es einfacher werden, den Namen zu ändern, ohne dass es sich nachteilig auf die Auffindbarkeit von Publikationen vor und nach der Namensänderung auswirkt.