"Das ist alles Kopfsache!", bekommt man mitunter zu hören, wenn man monate- oder gar jahrelang unter chronischen Schmerzen leidet. In gewisser Weise stimmt das natürlich: Jede Schmerzempfindung entsteht im Gehirn. Es hängt jedoch von vielen Faktoren ab, ob sie dort bleibt oder wieder verschwindet: Was löste den Schmerz ursächlich aus? In welchem Kontext tritt er auf? Welche Persönlichkeitseigenschaften besitzt der Betroffene? All das wirkt hier mit. Und wir sind noch lange nicht in der Lage, diese Faktoren zu beherrschen. Aber neue Methoden der Psychotherapie können chronische Schmerzen lindern – also solche, die sich jeder anderen Behandlung widersetzen.

Die Stärke des körperlichen Leids verhält sich keineswegs proportional zur Schwere einer erlittenen Verletzung. Warzen zum Beispiel tun nicht weh. Kopfschmerzen dagegen, die sich manchmal bei Müdigkeit einstellen, treten ganz ohne Verletzung auf. Beim Schmerz handelt es sich eben nicht nur um eine sensorische Empfindung, sondern auch um eine Emotion, die in einem bestimmten Kontext entsteht und mit einer bestimmten Bedeutung verknüpft ist. Wir erleben ihn ganz unterschiedlich: Durch einen Tumor ausgelöste Qual ist etwas ganz anderes als etwa Prüfungsstress. Und auch individuell unterscheiden sich die Menschen bei der Schmerzwahrnehmung. Eine wichtige Rolle spielen hierbei Erwartungen, Stress und Angst.

Wie das Team um Serge Marchand von der kana­dischen Université de Sherbrooke 2007 herausfand, setzt uns selbst ein schwacher Reiz zu, wenn wir mit ihm rechnen …