Der zweijährige Pierre sitzt hinten im Auto in seinem Kindersitz. Plötzlich schreien seine Eltern vorne laut auf, der Wagen kracht gegen eine Platane. Pierre kommt mit leichten Blessuren davon, doch sein Vater verliert bei dem Unfall sein Leben. 15 Jahre später leidet Pierre an ständigen Rückenschmerzen, die niemand behandeln oder auch nur erklären kann.

Vermag ein Ereignis aus der Kindheit, das ohne erkennbare größere körperliche Folgen ablief, einem Erwachsenen chronisches Leid zu bescheren? Tatsächlich: Ein psychisches Trauma wie etwa ein schwerer Verkehrsunfall oder der Verlust eines Elternteils verbindet sich manchmal innig mit physischer Pein. Ein solches Psychotrauma entsteht allein durch die Wechselwirkung eines Individuums mit seiner Umwelt und hängt somit von keinem besonderen Persönlichkeitsprofil ab – es kann jeden treffen. Ein Unfall, eine Verletzung, der Tod eines Angehörigen oder ein Attentat übersteigen mitunter die Fähigkeit eines Menschen, das Erlebte einzuordnen und zu verarbeiten, und bringen ihn aus dem seelischen Gleichgewicht.

Zwei Merkmale kennzeichnen ein psychisches Trauma: Zuerst kommen der körperliche Schock, also die physischen Folgen eines Ereignisses, sowie die unmittelbar darauf einsetzende Angst, die sich in Zittern oder Schwitzen äußert. An zweiter Stelle folgt die psychische Erfahrung von Entsetzen. Das Individuum wird brutal mit der Gefahr körperlicher Gewalt und dem drohenden Tod der eigenen Person oder eines anderen Menschen konfrontiert. Dieser seelische Schock lähmt das Denken nahezu komplett.

Allerdings entscheiden nicht so sehr Charakter und Intensität eines Ereignisses darüber, ob es traumatisch wirkt, sondern mehr die Art und Weise, wie es erlebt wird …