Bienen sind als Bestäuber von Blütenpflanzen enorm wichtig: Fehlen sie – etwa wegen katastrophaler Seuchen wie dem Bienensterben oder der Varroa-Milbe –, so wird das schnell auch zu einem wirtschaftlichen Problem. Dabei gibt es durchaus Landschaften, in denen Biene selten und von Blütenbesuchern bestäubte Pflanzen häufig sind. Wer übernimmt hier eigentlich den Job der Bienen als Bestäuber?

Französische Forscher haben sich sechs Wochen lang auf einer Hochalm in den Alpen umgeschaut und die Bestäuber aller dortigen Pflanzen minutiös ausgewertet. Dabei kommen sie zu einem überraschenden Ergebnis: Viel häufiger als von einzelnen Bienen oder manchen Schwebfliegen werden Blüten von den unscheinbaren Tanzfliegen bestäubt – genauer gesagt, von der Unterfamilie der Empidinae. Man kennt die mit meist weniger als 15 Millimeter Länge winzigen Zweiflügler am ehesten von den großen, meist rein weiblichen Balzflugschwärmen.

Einige Tanzfliegen können zwar andere Insekten aussaugen, viele und besonders die Empidinae leben aber ausschließlich von Nektar und Blütenbesuchen. Dabei sind die auffällig haarigen Fliegen prädestiniert dafür, Pollen abzustreifen und von Pflanze zu Pflanze zu tragen, stellten die französischen Insektenkundler fest. Zudem scheinen sich viele Arten am Bestäubungsgeschäft zu beteiligen – die Experten zählten insgesamt 22 Spezies – und sich zudem eindeutig auf einzelne Blüten zu spezialisieren. So wurde die eine Art der Gattung Empis zwar besonders häufig, dabei aber ausschließlich auf der Rundblättrigen Glockenblume gefunden. Die Bedeutung der Tanzfliegen ist bisher jedenfalls dramatisch unterschätzt worden, sind sich die Forscher nach ihrer Analyse des ökologischen Bestäubungsnetzes sicher. Spannend, meinen sie, wäre nun, herauszufinden, ab welchen Höhenlagen die Fliegen beginnen, Bienen als Bestäuber auszustechen – und ob man vielleicht von der Artenzahl der Tanzfliegen die der Pflanzen im Ökosystem und umgekehrt ableiten könnte.