Neue DNA-Analysen aus den Knochen eines in Rumänien gefundenen Altsteinzeitmenschen zeigen, dass er einer Verbindung von Neandertalern und Homo sapiens sapiens entsprang. Die Überreste von "Oase 1" – benannt nach der Fundstelle Pestera cu Oase – sind rund 37 000 bis 42 000 Jahre alt und enthalten im Erbgut derart lange, ununterbrochene Abschnitte des Neandertalers, dass dieser sich wohl gerade einmal vier bis sechs Generationen vor den Lebzeiten des Menschen in dessen Linie eingekreuzt hatte. Die von der Paläogenetikerin Qiaomei Fu auf einer Tagung vorgestellten Ergebnisse belegen, was einige Forscher schon geahnt hatten: Neandertaler und moderner Mensch hatten durchaus noch bis zum Aussterben der älteren Form vor vielleicht knapp 30 000 Jahren ausreichend Gelegenheit zum Techtelmechtel.

Dagegen hatte die Analyse der heute noch im menschlichen Erbgut verbliebenen Neandertaler-Gensegmente – außerhalb Afrikas sind das ein bis zwei Prozent der DNA – vermuten lassen, dass sich beide Unterarten eher vor zuletzt rund 50 000 bis 60 000 Jahren gepaart hatten. Diese Schätzung ist offenbar deutlich zu konservativ und nun wohl überholt.

Der in Rumänien gefundene Mensch dürfte zu den Nachfahren der ersten Pioniergruppen von Homo sapiens gehört haben, die Europa am Ende der Eiszeit allmählich wieder besiedelten. Vielleicht gehört er zu den ältesten Vorreitern der später aufblühenden steinzeitlichen Kultur des Aurignacien. Der Kontakt seiner Verwandtschaftslinie mit Neandertalern könnte gut im Nahen Osten stattgefunden haben, den Menschen auf dem Weg nach Europa durchwanderten – dies bleibt aber noch Spekulation.