Große galaktische Nebel

Wer jetzt mit seinem Teleskop Urlaub unter einem dunklen Land- oder Gebirgshimmel macht, der darf sich vor allem an vielen ausgedehnten Emissions­nebeln der Milchstraße erfreuen, die wegen ihrer geringen Flächenhelligkeit sonst kaum sichtbar sind. Das Sternbild Schwan, inmitten des Bandes der Milchstraße gelegen, enthält zahlreiche solcher Nebel und steht in den Julinächten hoch am Himmel. Am besten zur Beobachtung geeignet sind hierfür Weitfeldokulare langer Brennweite für niedrige Vergrößerungen (25- bis 40-fach). Ein Schmalbandfilter kann den Kontrast verstärken, wenn er die Wasserstofflinie H-beta durchlässt.

So ist der von Fotografien her gut bekannte Nordamerikanebel (NGC 7000) tatsächlich auch visuell erkennbar (siehe Bild unten). Im Feldstecher erscheint er unter einem dunklen Himmel als deutliche, aber matschige Aufhellung, knapp drei Grad östlich des hellen Sterns Deneb (α Cyg). In seinen nördlichen Bereichen tragen jedoch viele Sterne zur Helligkeit mit bei. Ein großer Feldstecher (zum Beispiel 15 x 70) zeigt auch die Zuspitzung des Nebels nach Süden, die hauptsächlich aus leuchtendem Wasserstoffgas besteht und nach rechts durch ein dunkles Staubband gut begrenzt wird. Im Teleskop lässt sich hier vor allem der "Mexiko"-Bereich als blasser, gewundener Schlauch erkennen, bei höheren Vergrößerungen verlieren sich jedoch seine Konturen.

Nordamerikanebel NGC 7000
© Walter Koprolin
(Ausschnitt)
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Der ausgedehnte Nordamerikanebel im Sternbild Schwan lässt sich unter einem dunklen Himmel bereits mit dem Fernglas sichten.

Eine filigrane und scharfe Struktur zeigt hingegen der ebenfalls von Fotografien her bekannte Zirrusnebel (NGC 6960 und 6992) im südlichen Schwanenflügel, weshalb er bei höheren Vergrößerungen und in einem größeren Teleskop besonders eindrucksvoll erscheint. Hier sehen wir die Überreste einer alten Supernova-Hülle. Etwas Ähnlichkeit mit dem Zirrusnebel hat der Mondsichelnebel NGC 6888, nur ist er kleiner und wurde lediglich von einem heißen Wind eines blauen Riesen vom Typ Wolf-Rayet erzeugt (siehe Bild unten). – Für alle diese schwachen, aber großen (1/4 bis 1 Grad) galaktischen Nebel ist es jedoch schwierig, verlässliche Helligkeitsangaben zu machen.

Der Emissionsnebel NGC 6888
© Olaf Filzinger
(Ausschnitt)
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Visuell betrachtet sieht NGC 6888 aus wie eine kleine Version des Hauptbogens vom Zirrusnebel.

Objekte für die Balkonsternwarte

Auch der stadtgebundene Beobachter kommt im Sommer auf seine Kosten: Schon für ein mittleres Teleskop gibt es eine große Anzahl kompakter Objekte ansehnlicher Flächenhelligkeit, die sich auch gegen einen etwas aufgehellten Himmel gut durchsetzen. Dazu gehören viele Planetarische Nebel, deren Kontrast mit einem Schmalbandfilter für die grüne [O III]-Linie noch gesteigert werden kann. Das beste Beispiel ist der als Ringnebel bekannte, nur 1,3 Bogenminuten große, aber mit 9 mag Flächenhelligkeit sehr prägnante M 57. Schon Öffnungen ab 15 Zentimeter zeigen diesen Planetarischen Nebel als leicht ovalen Ring, am besten bei hohen Vergrößerungen von etwa der Millimeterzahl der Teleskopöffnung.

Im Füchschen, etwas nördlich des kleinen Sternbilds Pfeil, finden wir einen weiteren hellen Planetarischen Nebel: M 27, wegen seiner auffälligen Form gut bekannt als der Hantelnebel. Mit einer Ausdehnung von 5 x 8 Bogenminuten und einer visuellen Helligkeit von etwa 7 mag ist M 27 zwar nicht so hell wie M 57, aber zumindest mit einem Schmalbandfilter sind seine hantelförmigen Konturen auch in kleineren Teleskopen und aus der Stadt heraus erkennbar. Eine mittelhohe Vergrößerung ist hier am besten geeignet.

Hinzu kommt eine Reihe kleinerer, weniger bekannter Planetarischer Nebel wie NGC 6818 und NGC 6826, die sich erst bei hoher Vergrößerung von einem Stern unterscheiden lassen, aber kein Problem mit einem aufgehellten Himmel haben. Bei guter Südsicht vervollständigt der "Saturnnebel" NGC 7009 im Wassermann diese Liste. Seine elliptische Form mit zwei Spitzen an den langen Enden erinnert in größeren Teleskopen tatsächlich an den Ringplaneten.

Weitere stadttaugliche Objekte sind der sehr dichte und reiche offene Sternhaufen M 11 im Schild (5,8 mag, 14 Bogenminuten) und der recht helle Kugelsternhaufen M 15 (6,2 mag, 12 Bogenminuten) im Pegasus. Ein Vergleich dieser Objekte zeigt schön den Unterschied dieser beiden Sternhaufentypen.

Herausforderungen

Für den Spezialisten mit einem etwas größeren Teleskop (ab 20 Zentimeter Öffnung) dürften hingegen auch einige weniger bekannte Sternhaufen interessant sein: die offenen Sternhaufen NGC 6811 (6,8 mag, 13 Bogenminuten) und M 73 (8,9 mag, nur drei Bogenminuten groß) im Wassermann sowie die kleinen und lichtschwachen Kugelsternhaufen M 56 (8,3 mag, 5 Bogenminuten), und M 75 (8,5 mag, 4 Bogenminuten) tief südlich im Schützen. Besondere Herausforderungen sind der ferne Kugelsternhaufen NGC 7006 im Delfin (10,6 mag, 2 Bogenminuten) und M 30 (7,2 mag, 8 Bogenminuten) tief südlich im Steinbock. Mittlere bis hohe Vergrößerungen sind bei all diesen Sternhaufen am besten geeignet.

Und die versprochene Galaxie? Im Grenzbereich von Schwan und Kepheus befindet sich ein seltenes (aber rein optisches) Paar: Der offene Sternhaufen NGC 6939 (alpha = 20h 31,4m, delta = +60°38', Helligkeit 7,8 mag, scheinbarer Durchmesser 7 Bogenminuten) und die ferne Spiralgalaxie NGC 6946 (alpha = 20h 34,8m, delta = +60°09', 8,8 mag, 13 Bogenminuten) stehen nur 40 Bogenminuten auseinander und passen gemeinsam in das Gesichtsfeld des Teleskops. Hier haben wir das besagte "Fens­ter", durch das wir aus unserem staubigen Milchstraßensystem heraus und an dem offenen Sternhaufen vorbei tief in den extragalaktischen Raum hinaus blicken.

Spiralgalaxie NGC 6946
© Andreas Rörig
(Ausschnitt)
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Die Spiralgalaxie NGC 6946 lässt sich nur dank eines Fensters in den interstellaren Staubwolken der Sommermilchstraße beobachten.