Laut einer Hochrechnung fressen Spinnen jährlich mehr Fleisch als die gesamte Menschheit – zum Glück für uns handelt es sich dabei zum weit überwiegenden Teil um Insekten und andere Wirbellose. Doch das ist nicht das einzige Rekordverdächtige an den Achtbeinern, die bis auf die Antarktis und Teile der Arktis alle Lebensräume der Erde erobert haben. Wir stellen Ihnen einige Arten mit besonderen Eigenschaften vor, die durch Größe, Gift, Attraktivität oder Seltenheit besonders auffallen.

Bananenspinnen gelten als sehr aggressiv und sind hochgiftig
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 Bild vergrößernBrasilianische Bananenspinne – lieber Abstand halten

Wenn sich brasilianische Bananen- oder Wanderspinnen (Phoneutria) bedroht fühlen, richten sie ihren Vorderkörper auf und strecken ihre beiden vorderen Beinpaare nach oben – sie sehen dann aus wie Pistoleiros. Die Brasilianer bezeichnen sie deshalb als "bewaffnete Spinne". Dann ist aber auch höchste Vorsicht geboten, denn Bananenspinnen gehören zu den giftigsten Achtbeinern der Erde; ihr Biss kann erwachsene Menschen töten. Sie gelten außerdem als aggressiv und attackieren vermeintliche Bedrohungen rasch, manche Arten sollen sogar springend angreifen. In Laborexperimenten reichten bereits 20 Mikrogramm Gift aus, um eine Maus zu töten, während bei Schwarzen Witwen erst 110 Mikrogramm letal wirken. Die Zahl der Todesfälle ist dennoch überschaubar, obwohl diese Spinnen auch in dicht besiedelten Regionen Brasiliens vorkommen. Glücklicherweise injizieren sie nicht mit jedem Biss Gift, zudem konnte ein Gegenmittel entwickelt werden. Eine sehr unangenehme Wirkung kann das Toxin bei Männern entfalten: Sie bekommen dadurch stundenlange Erektionen, die sehr schmerzhaft sind. Bisweilen werden einzelne Tiere mit Obstexporten nach Europa verschleppt und tauchen dann in Supermärkten auf.

Blaue Ornament-Vogelspinne aus Indien – hübsch und extrem selten
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Manche Arten werden eher durch Zufall entdeckt, obwohl sie doch recht groß und auffällig sind – so wie die Blaue Ornament-Vogelspinne (Poecilotheria metallica) aus Indien. Das erste Exemplar tauchte angeblich im Bungalow eines Ingenieurs der Nordwestlinie der Madras Railway nahe der Stadt Gooty auf. Ob die Region zu ihrem natürlichen Lebensraum zählt, ist mittlerweile aber fraglich, denn in den letzten Jahren konnte sie dort nicht mehr nachgewiesen werden. Die Art galt daher sogar als ausgestorben, bis sie mehr als 100 Jahre später in einem anderen Gebiet aufgespürt wurde. Dort lebt sie in einem nur rund 100 Quadratkilometer großen Areal in Wäldern, die jedoch intensiv für Feuerholz genutzt und gerodet werden. Die hübsche blaue Vogelspinne gilt daher als eine der am stärksten bedrohten Spinnenspezies weltweit.

Seidenspinnen weben riesige Netze
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 Bild vergrößernSeidenspinnen – Meister des Netzbaus

Die rund 46 000 wissenschaftlich beschriebenen Spinnenarten teilen sich auf drei Unterordnungen auf: die urtümlichen Gliederspinnen, Vogelspinnenartige und Echte Webspinnen, die aber nicht alle die typischen Radnetze bauen, die man mit ihrem Namen vielleicht verbindet. Zu ihnen zählen zum Beispiel unsere einheimischen Kreuz- oder Wespenspinnen – und die tropischen Seidenspinnen der Gattung Nephila, deren Spinnfaden als sehr reißfest gilt und deshalb im Mittelpunkt der Forschung steht. Wie stabil die Netze von Nephila-Spinnen sein können, zeigen Beispiele aus Australien, wo sich auch Vögel in den Gespinsten verheddert haben und von den Achtbeinern verzehrt wurden. Die größte Nephila-Art wurde 2009 in Afrika entdeckt: Nephila komaci erreicht eine Körperlänge von bis zu 3,8 Zentimetern und eine Beinspanne von bis zu 12 Zentimetern; ihre Netze können einen Durchmesser von mehr als einem Meter aufweisen.

Flick-Flack-Spinne – der Achtbeiner mit der sportlichsten Fortbewegung
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Manche Spinnen haben ein zumindest für unsere Augen so drolliges Verhalten, dass vielleicht sogar Arachnophobiker aus sicherer Distanz lächeln können. Das gilt etwa für die so genannte Flick-Flack-Spinne Cebrennus rechenbergi, die der Berliner Spinnenforscher Ingo Rechenberg von der Technischen Universität in den Sanddünen von Südmarokko entdeckt und beobachtet hat. Bei Gefahr reagiert sie auf ganz besondere Weise: Rennend und radschlagend flieht sie vor vermeintlichen Angreifern, was ihr den Namen Flick-Flack-Spinne eingetragen hat. Dabei erreicht sie Geschwindigkeiten von bis zu zwei Metern pro Sekunde (Video hinter dem Link) – in den offenen Sandflächen ohne Versteckmöglichkeit wahrscheinlich die optimale Methode. Diese Bewegung animierte Rechenberg sogar zur Entwicklung eines Roboters, der sich ähnlich fortbewegt.

Schwarze Witwen haben einen schlechten Ruf
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Die Schwarzen Witwen (Gattung Latrodectus) gehören ebenfalls zu den Spinnen, deren Biss für Menschen tödliche Folgen haben kann – obwohl die Tiere allesamt nicht besonders groß werden. Ihr Biss mutet denn auch eher wie ein Nadelstich an. Doch nach einer halben Stunde beginnt das Nervengift zu wirken, und nach drei Stunden steigern sich die ausgelösten Krämpfe zu heftigen Muskelschmerzen, die unbehandelt tagelang andauern können. Rund fünf Prozent aller Bisse endeten früher tödlich. Bisweilen treten Schwarze Witwen in den südlichen USA massenhaft auf, wodurch das Bissrisiko enorm steigt. Das hat letztlich zur makabren Berühmtheit dieser Arten geführt. Ihren Namen tragen sie, weil die Weibchen – wie bei vielen anderen Spinnen auch – nach dem Geschlechtsakt die kleineren (und ungiftigen!) Männchen auffressen. Der Giftstoff der Schwarzen Witwe führte übrigens auf die Spur einer neuen Klasse von rund 100 Membranproteinen, die nur im Gehirn vorkommen und an der Übertragung von Signalen zwischen Nervenzellen mitzuwirken scheinen.

Laotische Riesenkrabbenspinne – die Spinne mit dem größten Durchmesser
© Peter Jäger, Senckenberg
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Wer neue Arten beschreiben will, hat bei Spinnentieren gute Karten – zumal immer wieder auch rekordverdächtige Funde gemeldet werden. Der Frankfurter Arachnologe Peter Jäger vom Senckenberg Forschungsinstitut konnte beispielsweise schon mindestens zwei Weltrekordhalter aus Laos melden: einen Weberknecht (der nicht zu Webspinnen zählt) mit einem Beindurchmesser von 33 Zentimetern und die Laotische Riesenkrabbenspinne (Heteropoda maxima), die es immerhin auf eine Beinspannweite von 25 bis 30 Zentimetern bringt, was sie zur bisherigen Nummer 1 unter den Webspinnen macht. Jäger konnte in den Regenwäldern und Höhlen des weitgehend unerforschten südostasiatischen Landes zahlreiche neue Spezies sammeln, darunter eine kleine, augenlose Riesenkrabbenspinne. Auch Heteropoda maxima lebt in Höhlen, verfügt jedoch noch über Augen.

Goliath-Vogelspinne – der gewaltigste Achtbeiner
© Getty Images / Oxford Scientific / John Mitchell
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Die Goliath- oder Riesenvogelspinne (Theraphosa blondi) ist der Albtraum jedes Arachnophobikers: Mit einem Gewicht von bis zu 200 Gramm und Beinspannlängen von bis zu 30 Zentimetern ist sie die größte Vogelspinne überhaupt. Biologen fühlen sich bisweilen an Hundewelpen erinnert, wenn die Giganten über den Regenwaldboden Südamerikas laufen. Dass dabei Verhornungen an den Füßen klackernde Geräusche erzeugen, vergrößert das beklemmende Gefühl bei ihrem Anblick nur noch. Ihre Kieferklauen können menschliche Haut mühelos durchdringen, und ihr Biss ist schmerzhaft. Das abgesonderte Gift entspricht aber eher jenem von Wespen. Bei Gefahr wehren sich diese normalerweise sehr defensiven Vogelspinnen zudem eher durch das Abstreifen von Brennhaaren an ihrem Hinterleib, die starke Hautirritationen auslösen können. In ihrer ursprünglichen Heimat gelten sie manchen Indianervölkern sogar als Delikatesse, wenn sie über dem Feuer geröstet werden – ihr Fleisch soll dem von Krabben ähneln.

Pfauenspinnen – die hübschesten Achtbeiner
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Die artenreichste Gruppe der Webspinnen bilden die Springspinnen, die allerdings keine Netze bauen: Sie erlegen ihre Opfer stattdessen springend, wie es der Name bereits sagt. Ihr Spinnfaden erfüllt dazu einen besonderen Zweck, denn er stabilisiert Flug und Landung – fehlt er, legen sie Bruchlandungen hin, wie Experimente zeigten. Viele Springspinnen verfügen zudem über exzellente Augen und können über vergleichsweise große Distanzen potenzielle Nahrung erkennen. Womöglich entwickelten sich wegen der guten visuellen Wahrnehmung auch einige der attraktivsten Spinnen in dieser großen Familie, etwa die Pfauenspinnen (Gattung (Maratus)), die vorwiegend in Australien verbreitet sind. Die Männchen verfügen über sehr auffällige Hinterkörper, die oft mit zwei flügelartigen Fächern ausgestattet sind und in irisierenden Farben leuchten. Während der Balz klappen die Männchen Fächer aus und recken den Hinterleib in die Höhe, um Weibchen zu umgarnen und Rivalen abzuschrecken. Sie werden nur wenige Millimeter groß und sind für Menschen völlig harmlos.

Wasserspinne – die mit dem ungewöhnlichsten Zuhause
© Norbert Schuller (Baupi) / Argyroteta aquatica Männchen / CC BY-SA 3.0 CC BY-SA
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Fast alle Spinnen sind Landtiere – die Wasserspinne (Argyroneta aquatica) ist die bislang einzige bekannte Ausnahme: Sie jagt, frisst, schläft und vermehrt sich unter Wasser in einer selbst gebauten Taucherglocke, die sie an Wasserpflanzen verankert. Wird ihr die Luftblase, die unter einem Baldachin von Spinnfäden schwebt, zu klein, macht sich die Spinne auf den Weg zur Wasseroberfläche, um neue Luft zu schnappen. Dort streckt das Tier kurzzeitig Hinterleib und -beine aus dem Wasser, taucht ruckartig wieder unter und reißt dabei einige Bläschen mit. Spezielle Haare fixieren sie am Körper der Wasserspinne und erlauben ihr, den Luftnachschub in ihre Taucherglocke zu manövrieren. Für die Jagd setzt sie übrigens ebenfalls auf Spinnfäden: Werden diese von einer potenziellen Beute berührt, eilt die Spinne heran und erlegt Wasserflöhe oder anderes Kleingetier durch einen Biss, der auch für Menschen schmerzhaft ist. Wie viele andere Wasserlebewesen leidet die von Westeuropa bis Japan verbreitete Spinne ebenfalls unter Umweltverschmutzung durch die Landwirtschaft und gilt deshalb hier zu Lande als bedroht.

Sydney-Trichternetzspinne – die giftigste Spinne im Garten
© Getty Images / Fairfax Media / Andrew Taylor
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Hätten die Gründer Sydneys geahnt, was sich hier bisweilen in der Natur tummelt, hätten sie die Stadt vielleicht an anderer Stelle gebaut. Denn das Verbreitungsgebiet der Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus) deckt sich weitgehend mit dem Gebiet der Metropole, und Bewohner finden sie regelmäßig in ihren Gärten. Dort hausen die Tiere in tunnelartigen Erdlöchern, die sie mit trichter- oder röhrenförmigen Netzen auskleiden. Lässt man sie in Ruhe, stellen die Achtbeiner keine Gefahr dar. Doch wehe, es regnet stark: Dann fliehen die Spinnen häufig aus ihren Bauten und suchen sogar in Häusern Schutz – was zum tödlichen Risiko für alle Beteiligten werden kann. Die Art verfügt über ein hochwirksames Gift, das direkt auf unser Nervensystem wirkt und unbehandelt zum Tod führen kann. Bis Anfang der 1980er Jahre existierte kein Gegenmittel, weswegen zwischen 1927 bis 1981 mindestens 13 Todesfälle auf die Spinne zurückgeführt werden konnten. Seit das Gegengift existiert, starb jedoch kein Mensch mehr durch einen Biss. Allerdings muss man pro Dosis die Spinnen rund 70-mal melken. Erstaunlicherweise wirkt das Toxin außer bei uns auch noch bei anderen Primaten und Mäusen, nicht jedoch bei Katzen und Hunden. Zudem ist die Gefahr durch Männchen größer als durch Weibchen, da diese mobiler und größer sind – und nur ihr Gift ein Molekül namens Robustoxin aufweist, das letztlich letale Folgen hat.