Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Fischerlatein

    14.03.2009, Dr. Kurt Schütz, A2325 Himberg, Anton-Stidlgasse 3
    Als Angler mit fünfzig Jahren Fischereipraxis auf dem Buckel frage ich den Autor:
    Glaubt er wirklich allen Ernstes, dass Hochseeangler aus den Gewässern um Florida Haie mit durchschnittlich 35 cm Länge aus dem Wasser holen?
    Ein bisschen Nachdenken über das eigene Schrifttum kann doch wirklich nicht schaden!
    M.f.G.
    Dr. Kurt Schütz
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Schütz,



    ich bin selbst kein Angler, deshalb habe ich auch keine Erfahrung mit Hochseeangeln. Ich muss mich also darauf verlassen, was die Wissenschaftler präsentieren - und das sind in diesem Fall offensichtlich von Anglern zur Schau gestellte Fische, deren Größe statistisch ausgewertet wurde.



    Im Text wird zudem explizit darauf hingewiesen, dass die Durchschnittsgröße aller angelandeten Fische von etwas über zwei Metern auf nur noch 34 Zentimeter sank. Die Durchschnittsgröße der gefangenen Haie schrumpfte dagegen "nur" auf knapp unter einen Meter - sofern sie überhaupt noch gefangen werden: Sie sind vor Ort wegen der Überfischung mittlerweile sehr selten.



    Mit freundlichen Grüßen


    Daniel Lingenhöhl


    Redaktion spektrumdirekt
  • Pekingmensch

    12.03.2009, Ulrich Heemann, Hannover
    Die Schlussfolgerung, dass sich der Pekingmensch sowohl in gemäßigten Wäldern als auch in trocken-kalten Grasländern wohl gefühlt habe müsse, da zu dieser Zeit Eis- und Zwischeneiszeiten miteinander abwechselten, ist ganz sicher etwas voreilig, da für die Existenz der alten Zähne und Knochen auch die alleinige Anwesenheit in den Warmzeiten ausreichen würde. Auch von den Neandertalern weiß man heute, dass sie sich nur in den Warmzeiten im nördlichen Europa halten konnten. Außerdem muss erst einmal geklärt werden, wie die beiden unterschiedlichen Datierungen miteinander verträglich werden können bzw. welche wirklich gilt.
  • Kritische Stimmen

    11.03.2009, Genten, Aachen
    Wem soll man heute noch glauben? Synthetisches Vitamin D hat jedenfalls laut dieser Untersuchung
    http://www.g-o.de/dossier-detail-386-9.html
    deutlich negative Effekte. Ich werde also wegen dieses eher zufällig entdeckten Artikels lieber kein künstliches Vitamin D nehmen.
  • Evolutionsbiologischer Nutzen

    11.03.2009, Dominique Boursillon
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    im Bericht heißt es: "Religion muss einen verborgenen evolutionsbiologischen Nutzen haben". So verborgen scheint es mir nicht, auch sind Vertrauen und Trost (als Erklärungsversuch) etwas zu vage formuliert. Im Laufe der Evolution entwickelte der Mensch nicht nur eine steigende Intelligenz, sondern auch ein Ich-Bewusstsein. Demnach wussten bereits unsere entfernten Vorfahren, dass sie als Individuen sterblich waren, und Religiosität ist der evolutionäre Versuch der Natur, die Todesangst zu sublimieren. Vertrauen und Trost beziehen sich auf eine transzendentale Hoffnung: die Überwindung des irdischen, leiblichen Todes. Dies haben alle Religionen in irgendeiner Form gemeinsam.

    Viele Grüße
  • Warum Poppers Kriterium sich selbst nicht genügt

    08.03.2009, Rechtsreferendar Jochen Koch, Leinfelden
    Interessant hinsichtlich Poppers Theorie der Falsifizierbarkeit erscheint die Tatsache, dass sie selbst ihrem eigenen Kriterium nicht unterworfen zu sein scheint. Denn, als den Geisteswissenschaften zuzuordnende Theorie kann sie keiner Falsifikation im strengen Sinne unterliegen, da ihre objektive Überprüfbarkeit (die Existenz des einen schwarzen Schwanes), mangels eines objektiven Maßstabs von "richtig" und "falsch" unmöglich ist. Insbesondere im Bereich der Geisteswissenschaften drängt sich das von Howson entwickelte Kriterium der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf - zumal es selbst sich dem Wettbewerb der Wahrscheinlichkeiten und damit seinem eigenen Kriterium stellt.
  • Überprüfung an arabischen Tonsystemen

    08.03.2009, Stephan Sandhaeger, Germering
    Die von den Autoren präsentierten Ergebnisse scheinen mir für den Bereich abendländischer Musik recht plausibel. Ebenso kann ich die Theorien für altgriechische, pentatonische Systeme, Kirchentonarten und einige asiatische Systeme nachvollziehen.

    Die Autoren selbst erwähnen jedoch auch komplexere Ton-Systeme wie etwa in der arabischen Musik. Es wäre interessant, anhand dieser tonalen Systeme die Obertontheorien des Wohlklangs zu überprüfen. Immerhin erscheinen Vierteltonabstände (der arabischen Maqamat) oder gar die Neunteltonintervalle der türkischen Tonleiter erst sehr weit oben in der Obertonreihe. Ist die Tatsache, daß arabische Musik stärker melodisch, aber weniger harmonisch ist, Ursache oder Folge des tonalen Systems? Und passt der vermutete Zusammenhang der Dur-/Mollterz mit sozialen Hierarchiesignalen auch zur türkischen Musik?
    Antwort der Redaktion:
    Sammelantwort der Autoren auf alle Zuschriften


    Zunächst möchten wir allen Kommentatoren für ihre sorgfältige Lektüre des Artikels und die anregende Diskussion danken. In der Tat ist die Abbildung, die das Phänomen der Obertöne grundlegende erklären soll, durch den Vergleich zur bekannten Klaviatur etwas unpräzise, beispielsweise müsste F2 näher bei F3 liegen. In der heute üblichen wohltemperierten Stimmung allerdings werden die Unterschiede ein wenig nivelliert. Detlev Rosbach hat natürlich Recht damit, dass beispielsweise der 6. Oberton, vom Grundton aus gesehen, zwischen dem 33. und 34. Halbton liegen würde, mit C als Grundton also wäre das ein Ton zwischen A und Bb. Musikalisch bedeutet das übrigens, dass höhere Ordnung der Obertöne immer etwas Dissonanz erzeugen, was heute allgemein akzeptiert wird, in den Stimmungen des Mittelalters Bedeutung hatte.


    Wie Theo Hartogh richtig moniert, wird das Deutschlandlied nicht immer in D-Dur gespielt, Haydn komponierte die Melodie ursprünglich in G-Dur. In der wohltemperierten Stimmung bedeutet die Wahl einer anderen Dur-Tonart lediglich ein Verschieben der Tonhöhe, der grundlegende Charakter – kraftvoll, hell, optimistisch – ändert sich dadurch nicht. Hartogh irrt, was den Beatles-Song »Yesterday« angeht: Die Tonfolge von »Why she had to go« ergibt einen Moll-Akkord in 2. Umkehrung auf (D, G, Bb), so erzielte Paul McCartney den beabsichtigen Eindruck von Verlorenheit und Trauer.


    Dieser Moll-Charakter bleibt übrigens auch dann erhalten, wenn man die Passage mit Dur-Akkorden begleitet. Dennoch steht die Bedeutung des musikalischen Kontextes von Mehrklängen und Tonfolgen für deren Funktion innerhalb eines Stücks außer Frage. Der Clou unserer Arbeit ist aber gerade, dass wir einen biologischen „Mechanismis“ entdeckt haben, der einen Dur- oder Moll-Charakter auch dann zu erklären vermag, wenn Akkorde und Sequenzen für sich allein, also ohne Kontext erklingen. Und dieser Charakter entspricht der musikalischen Erfahrung.


    Die Tonalität von Dreiklängen wird unseres Erachtens also primär von ihrer akustischen Struktur, nicht von der jeweiligen Kultur mit ihren Wahrnehmungsgewohnheiten bestimmt. Auch wenn seit der Renaissance meist mit Bezug zur Dur-Tonalität komponiert wurde, symmetrische, spannungsvolle Akkorde hingegen seltener Verwendung fanden, eignen sie sich unseres Erachtens besser als Referenz, um die emotionale Qualität von Mehrklängen modellhaft zu untersuchen.


    Ein Blick auf nichtwestlichen Musikkulturen ändert daran übrigens nichts, mögen diesen 5-, 7- oder gar 22-tönige Skalen zugrunde liegen. Auch dort gibt es Tonfolgen mit implizit Dur- oder Moll-Charakter. Das gilt für traditionelle chinesische und japanische Stücke ebenso wie für nordindische Ragas. Die Wahrnehmung der Tongeschlechter ist also ein Kulturen übergreifende Phänomen und das spricht wohl ebenfalls für eine biologische Grundlage.
  • Evolution

    08.03.2009, Dieter Krogmann
    Die rezensierte DVD beschreibt verständlich die Erkenntnisse einer jahrzehntelangen Forschungsarbeit von Wissenschaftlern aus aller Welt. Sie sind wohl kaum anzuzweifeln, weil diesen Forschern aus vielen Nationen keine machtpolitische Indoktrinierung zu unterstellen ist.

    Die von der Bush-Administration und deren Anhängern eingeleitete neue Weltanschauung, die die Evolutionstheorie bestreitet, soll die Menschheit dagegen in das geistige Mittelalter zurückführen.

    Noch werden diese Bestrebungen von jedem aufgeklärten Menschen belächelt. Erschreckend ist aber, dass diese Bewegung bereits unsere Schulen erreicht hat. In unserer Gesellschaft eigentlich unvorstellbar, soweit wir uns noch als weltoffene Menschen betrachten.

    Aber die Gilde der an der Globalisierung gewachsenen Vorstreiter dieser Verblödungstheorie sind auf dem Vormarsch. Eine Bestätigung dafür, dass sich leider die Masse der Menschen immer manipulieren lässt, man muss nur Lügen und Täuschungen oft genug wiederholen.

    Aber eventuell wird der Weltbürger mit der Zeit ja kritischer.
  • Vorsicht bei der Biologisierung musikalischer Phänomene!

    06.03.2009, Prof. Dr. Theo Hartogh, Vechta
    Die Biologie des Wohlklangs wird von den Autoren dieses Beitrags nicht überzeugend begründet, da in der Argumentation von musiktheoretisch ungenauen bzw. falschen Sachverhalten ausgegangen wird, die gar nicht in Gänze hier aufgezeigt werden können.
    Das Deutschlandlied wird nicht nur in D-Dur, sondern auch in anderen Dur-Tonarten musiziert. Ein Blick in Liederbücher kann schnell davon überzeugen, dass die Nationalhymne auch in Es-Dur oder C-Dur erklingt; bei großen Sportveranstaltungen wird sie auf unterschiedlichen Tonhöhen angestimmt.
    Der Song „Yesterday“ von den Beatles hat eine traurige Wirkung, steht jedoch nicht in Moll, sondern in Dur. Die im Beitrag angesprochene Passage „Why she had to go, I don´t know“ baut nicht auf einem Molldreiklang auf, denn in der Begleitung tauchen sowohl Dur- als auch Mollakkorde auf; die „Klage“ wird musikalisch vor allem durch das langsame Tempo und die Melodieführung (z.B. Seufzermelodik zu Beginn des Songs) ausgedrückt. Da sowohl Dur- als auch Mollakkorde vorkommen, können gerade am Beispiel dieses Songs die Harmonie-Thesen der Autoren widerlegt werden.
    Zur Mehrstimmigkeit: Schon vor der Renaissancezeit wurden mehr als drei verschieden geführte Stimmen kunstvoll kombiniert. Die Analyse mehrstimmiger Werke spätgotischer Meister (z. B. G. de Machaut) zeigt, dass deren Musik noch fernab des kadenzierenden Dur-Moll-Systems komponiert wurde.
    Man muss nicht bis nach Südindien reisen, um auf Tonsysteme zu stoßen, die in keiner Weise unserer Dur-Moll-Tonalität entsprechen – sie können als Gegenbeweis für universale biologisch begründete Harmoniegesetze angeführt werden. Zudem ist es müßig, einzelnen Akkorden eine bestimmte Wirkung zuzuschreiben, denn Musikwahrnehmung ist Gestaltwahrnehmung. Wir hören nicht eine Folge isoliert wirkender Einzeltöne und -harmonien, sondern Melodiegestalten und Akkordfolgen, die eine bestimmte Spannung auf- und abbauen, z. B. in der besagten Passage des Beatles-Songs. Das komplexe Zusammenwirken musikalischer Parameter wie Melodie, Rhythmus, Harmonie, Dynamik und Klangfarbe kann nicht aus einer Einzelbetrachtung erschlossen oder gar berechnet werden; es müssen immer alle Parameter in den Blick genommen werden, beim Song „Yesterday“ kommen z. B. der Sound und die Stimme Paul McCartneys hinzu, die maßgeblich zur spezifischen Wirkung des Songs beitragen.
    Es bleibt in diesem Beitrag auch die Frage offen, mit welchen Probanden die Versuchsergebnisse zum Dur-, Mollerleben ermittelt wurden; waren es etwa Teilnehmer, die in abendländischer Musiktradition groß geworden sind? Dann können die Ergebnisse nicht als Beleg für eine kulturübergreifende Phylogenese der Dur-Moll-Harmonik angeführt werden.
    Die am Schluss des Beitrags konstruierte Homologie zwischen Symmetriebrechungen der Akkorde, die genauen Frequenzunterschieden zugeordnet werden, und den Stimmäußerungen von Tieren und Menschen, die meistens gar nicht bestimmten musikalischen Tonhöhen entsprechen, ist überhaupt nicht nachvollziehbar und entbehrt jeder empirischen Basis.
    Antwort der Redaktion:
    Sammelantwort der Autoren auf alle Zuschriften


    Zunächst möchten wir allen Kommentatoren für ihre sorgfältige Lektüre des Artikels und die anregende Diskussion danken. In der Tat ist die Abbildung, die das Phänomen der Obertöne grundlegende erklären soll, durch den Vergleich zur bekannten Klaviatur etwas unpräzise, beispielsweise müsste F2 näher bei F3 liegen. In der heute üblichen wohltemperierten Stimmung allerdings werden die Unterschiede ein wenig nivelliert. Detlev Rosbach hat natürlich Recht damit, dass beispielsweise der 6. Oberton, vom Grundton aus gesehen, zwischen dem 33. und 34. Halbton liegen würde, mit C als Grundton also wäre das ein Ton zwischen A und Bb. Musikalisch bedeutet das übrigens, dass höhere Ordnung der Obertöne immer etwas Dissonanz erzeugen, was heute allgemein akzeptiert wird, in den Stimmungen des Mittelalters Bedeutung hatte.


    Wie Theo Hartogh richtig moniert, wird das Deutschlandlied nicht immer in D-Dur gespielt, Haydn komponierte die Melodie ursprünglich in G-Dur. In der wohltemperierten Stimmung bedeutet die Wahl einer anderen Dur-Tonart lediglich ein Verschieben der Tonhöhe, der grundlegende Charakter – kraftvoll, hell, optimistisch – ändert sich dadurch nicht. Hartogh irrt, was den Beatles-Song »Yesterday« angeht: Die Tonfolge von »Why she had to go« ergibt einen Moll-Akkord in 2. Umkehrung auf (D, G, Bb), so erzielte Paul McCartney den beabsichtigen Eindruck von Verlorenheit und Trauer.


    Dieser Moll-Charakter bleibt übrigens auch dann erhalten, wenn man die Passage mit Dur-Akkorden begleitet. Dennoch steht die Bedeutung des musikalischen Kontextes von Mehrklängen und Tonfolgen für deren Funktion innerhalb eines Stücks außer Frage. Der Clou unserer Arbeit ist aber gerade, dass wir einen biologischen „Mechanismis“ entdeckt haben, der einen Dur- oder Moll-Charakter auch dann zu erklären vermag, wenn Akkorde und Sequenzen für sich allein, also ohne Kontext erklingen. Und dieser Charakter entspricht der musikalischen Erfahrung.


    Die Tonalität von Dreiklängen wird unseres Erachtens also primär von ihrer akustischen Struktur, nicht von der jeweiligen Kultur mit ihren Wahrnehmungsgewohnheiten bestimmt. Auch wenn seit der Renaissance meist mit Bezug zur Dur-Tonalität komponiert wurde, symmetrische, spannungsvolle Akkorde hingegen seltener Verwendung fanden, eignen sie sich unseres Erachtens besser als Referenz, um die emotionale Qualität von Mehrklängen modellhaft zu untersuchen.


    Ein Blick auf nichtwestlichen Musikkulturen ändert daran übrigens nichts, mögen diesen 5-, 7- oder gar 22-tönige Skalen zugrunde liegen. Auch dort gibt es Tonfolgen mit implizit Dur- oder Moll-Charakter. Das gilt für traditionelle chinesische und japanische Stücke ebenso wie für nordindische Ragas. Die Wahrnehmung der Tongeschlechter ist also ein Kulturen übergreifende Phänomen und das spricht wohl ebenfalls für eine biologische Grundlage.
  • Glaube an Determinismus - Brief Dr. Grob

    06.03.2009, Stephan Froede, Wiesbaden
    Würde man dem beschriebenen Ansatz folgen, so müsste man in finaler Konsequenz das gesamte Universum simulieren,um den Regelkreis vollständig verstehen zu können.

    Die von Herrn Dr. Grob beobachteten "hektischen Bemühungen" sind das Zeichen unserer Ohnmacht, unseres Nicht-Verstehens und auch unserer Ignoranz gegenüber dem Unbekannten.

    Der unbeirrte Glaube in die Unfehlbarkeit unserer deterministisch getriebenen Planungsfähigkeit, hat uns erst in die Misere gebracht.

    Und diese Erkenntnis ist nicht originär von mir, sondern leitet sich direkt aus der objektiven Erkenntnis und Logik der Forschung Teil 2, von Sir Karl Popper und aus Benoit Mandelbrots "misbehaviour of markets" bzw. seinem Multifraktalen Modell-Ansatz ab.

    Der Glaube an den Determinismus ist ein Fluch, eine Sichtweise, die uns das Erkennen und Verstehen des Universums erschwert. Und letztlich nur aus dem fast irrationalen Bestreben nach totaler Sicherheit und
    Kontrolle resultierend.

    Es hat auch etwas mit Physik zu tun, denn letztlich hindert uns hier auch das Fehlen der Vereinheitlichung der Quantengravitation und der Relativitätstheorie, denn so wissen wir noch nicht mal ob das Chaos der Quantenwelt sich in unserer Makrowelt wiederfindet oder nicht. So benutzen wir Krücken wie die Emergenz oder Selbstorganisation, im
    Sinne "und hier geschieht" ein Wunder.

    Das was wir aber haben, ist unser Hirn und unsere kritische
    Sichtweise, und die hat uns bisher geholfen von der Savanne bis zum Mond zu bringen.

  • Messbare Größen und Wahrscheinlichkeit entscheidend

    06.03.2009, Prof. Otto Schult, Jülich
    Im praktischen Leben interessiert, ob etwas wahr oder falsch ist. Und da haben wir allen Grund, Karl Popper für seine Klarstellung zu danken, wobei die Falsifizierung eine, die Validierung die andere, allerdings nur qualitative Beurteilungen gestattet.

    Bei "harten" Wissenschaften benötigt man quantitative, messbare Größen. Da gebührt Bayes das Verdienst, die Wahrscheinlichkeit in den Blick gerückt zu haben. Für Kern- und Teilchenphysik ist das besonders wichtig. Die Wahrscheinlichkeit, dass es unsere Erde wirklich gibt, ist so extrem nahe bei 1,0, dass wir ihre Existenz als "wahr" betrachten dürfen, denn wir können ihren Durchmesser, ihre Masse etc. physikalisch messen.

    Multiversen sind aber für uns unmessbar! Wir können weder ihre Existenz noch ihre Nicht-Existenz beweisen, ebenso wie wir naturwissenschaftlich weder die Existenz noch die Nicht-Existenz Gottes beweisen können. An Gott können wir nur glauben, müssen es aber nicht. Ebenso halte ich es mit den Multiversen. Warum sind wir nicht bescheiden und demütig? Lassen wir den Multiversen-Freaks ihr "Spielzeug". Wir wissen einfach nicht, ob es sie wirklich gibt! Da helfen auch keine Wahrscheinlichkeitsüberlegungen.
  • Elektroautos sind ein Nischenprodukt?

    05.03.2009, Friedrich Braun, Bonn
    Im Leserbrief von Thomas Wietoska wird das Problem der Infrastruktur für die Ladestationen angesprochen, welches auch mich beschäftigt. Ich habe erhebliche Zweifel daran, dass in nennenswertem Umfang ausreichende Kapazitäten dafür bereitgestellt werden könnten.

    Für den E-Mini-Versuch in Berlin werden z.B. Kandidaten gesucht, die entweder privat über eine Garage oder einen Carport oder beruflich über einen Stellplatz verfügen.
    Wenn diese Bedingung auf 10 Prozent aller Autofahrer zuträfe, wäre das sicherlich schon hochgegriffen.

    Wie soll das zweifelsfrei vorhandene Risiko bei frei zugänglichen Plätzen, wie z.B. bei einem Carport, eigentlich gelöst werden? Ganz zu schweigen von einem unbewachten Fahrzeug vor der Haustür.

    Da bin ich mal gespannt, wie diese Fragen gelöst werden.
    Ich fahre zur Zeit ein Dieselfahrzeug mit einem Tankvolumen von 50 Litern. Damit komme ich 1000 km weit. Das Tanken dauert 10 Minuten. Tankstellen gibt es genug. Auch das Tanken im Ausland ist kein Problem.

    Die Industrie, die sich mit Elektrofahrzeugen befasst, steht mithin vor großen Herausforderungen.
  • Lösungsvorschläge vs Eliminationsversuche

    05.03.2009, Paul-Gerhard Schank, Berlin
    Ich denke auch: "Niemand wird doch ernsthaft festlegen wollen, wie der wissenschaftliche Fortschritt erfolgen soll", wie Karsten Löhr schreibt.

    Dennoch oder gerade deswegen sollten wir überlegen, ob wir nicht ernsthaft unterscheiden wollen und müssen zwischen dem Zustandekommen von Lösungsvorschlägen und der Methode der Elimination von unzutreffenden Vorschlägen.

    Für Lösungsvorschläge gilt zweifellos, dass Kreativität gefragt ist und kein Gedanke an Falsifizierbarkeit die kreative Energie lähmen sollte.

    Sobald der Lösungsvorschlag aber im Raum steht und mit anderen Vorschlägen zu konkurrieren hat, sind die Eliminationsversuche mittels Falsifikation unausweichlich.
  • Tolle Hilfe

    05.03.2009, Petulia Freymann
    Danke für den schönen Artikel. Ich finde auch, dass man als Betroffener sehr viel selbst gegen die Angst und Panik tun kann. Ich habe gerade Ihre Buchempfehlung "Angstfrei glücklich leben" gelesen und muss sagen, es hat mir sehr geholfen. Das Buch ist toll.
  • Wissenschaft als Kenntnis und Fortschritt

    05.03.2009, Prof. Dr. Karsten Löhr, Ulm
    Etwas verwirrend an dem Essay zum Wesen der Wissenschaft ist, dass der Autor nicht trennt zwischen dem wissenschaftlichen Kenntnisstand und der wissenschaftlichen Vorgehensweise. Es scheint zwar durchaus sinnvoll, den derzeitigen Stand der Wissenschaft an den falsifizierbaren Behauptungen festzumachen. (Demnach tragen auch die falsifizierten Behauptungen zur Wissenschaft bei, ganz wie Konfuzius lehrt: Wenn du weißt, was du weißt, und du weißt, was du nicht weißt: das ist Wissen!)

    Aber niemand wird doch ernsthaft festlegen wollen, wie der wissenschaftliche Fortschritt erfolgen soll. Auf welche Weise eine wissenschaftliche Hypothese erlangt wird, muss und wird frei bleiben, ob durch Übertragung (Archimedes in der Badewanne), im Traum (Benzolring von Kekulé) oder durch eine Verallgemeinerung (Apfelfall bei Newton). Wenn man sich darauf beschränken wollte, jeglichen wissenschaftlichen Gedanken an die Suche nach einer falsifizierbaren Behauptung zu knüpfen, würde man wohl auf andere Erkenntnisfähigkeiten – z.B. Vorstellungsvermögen, Erkundungswillen oder Zweifel – verzichten müssen.

    Dass man diese Metaphysik des Erkenntnisvermögens gleich als "Pseudowissenschaft" abtun muss, sei dahingestellt. Ich halte es da lieber mit Kant, der in seiner Kritik der reinen Vernunft zumindest eine gegenseitige Abhängigkeit festgestellt hat: Ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben, und ohne Verstand keiner gedacht werden. [Metaphysische] Gedanken ohne [physischen] Inhalt sind leer, [physische] Anschauungen ohne [metaphysische] Begriffe sind blind.
  • Spieleinsätze

    04.03.2009, Franz Pichler, Wien
    Zit.#1: "Jeder Teilnehmer erhielt Marken im Wert von 5 Dollar - umgerechnet in lokale Kaufkraft."

    Zit.#2: "Ist ein wohlhabender Amerikaner, der auf die 5 Dollar Einsatz wahrscheinlich gut verzichten kann,... eher zum Zocken bereit als ein armer iranischer Landbewohner?"

    Wenn die Summe nicht wie in Zitat 1 angegeben sozusagen "ausgeglichen" wurde, ist das Experiment ziemlich sinnlos.

    Falls ja, dann ist jedenfalls Zitat 2 sinnlos.

    Oder einfach nur ein bissl unlogisch ...

    MfG
    Franz Pichler
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Pichler,



    vielen Dank für Ihren Leserbrief!



    Die Autoren der Studie haben den Spieleinsatz nach dem "Bic Mac Index" des Economist in lokale Kaufkraft umgerechnet. Für das Beispiel Argentinien (Iran taucht leider in der online verfügbaren Liste nicht auf) bedeutet dies, dass aus den 5 Dollar 16,25 Arg. Pesos werden.



    Nicht berücksichtigt bleiben dabei Einkommensunterschiede: In der Region um Columbus (Ohio), in der das Experiment durchgeführt wurde, liegt das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen laut Wikipedia bei ca. 1700 Dollar, also dem 340-fachen des Einsatzes, in Argentinien laut Wikipedia bei 625 Arg. Pesos, also in etwa dem 38-fachen. Auf die USA rückgerechnet entspräche dies einem Einsatz von etwas über 44 Dollar – mit denen, so mein Eindruck, Spieler wahrscheinlich wesentlich behutsamer umgegangen wären.



    Mit besten Grüßen



    Jan Dönges