Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Könnte Bedarf decken, trotzdem...

    20.09.2009, Dr. Ralf Metzner, Shanghai
    Wind weht im Chinesischen Windgürtel vom "Tal des Windes" nahe Urumqi und der Kasachischen Steppen im Westen des Landes über die Provinz Gansu bis in die Innere Mongolei relativ stetig. Dies würde zusammen mit den tausenden Kilometern Küstenlinie und dem dortigen Windvorkommen durchaus genügen, um China mit Windkraft zu versorgen. In der tibetischen Hochebene wären eher Solarkraftwerke angesagt.

    Nur leider würde auch in China die Windenergie in großem Maß da gewonnen, wo sie nicht gebraucht wird - und dort, wo die Energie gebraucht würde, gibt es nur unzureichend Wind. Trotzdem sind deutlich über 50 Prozent Anteil der Windenergie möglich.

    Jedoch muss es eben auch andere - etwa Grundlast bereitstellende - Kraftwerke geben. Will man auf besonders belastende Kohle verzichten, bleibt eigentlich neben Wasserkraftwerken wie dem Dreischluchtendamm nur der Weg, auch Kernkraftwerke zu bauen.

    Schließlich beziehen die Industrienationen Europas und Amerikas einen immer stärker wachsenden Großteil ihrer Konsumartikel aus dem Reich der Mitte, und diese Staaten haben mit der Fertigungsverlagerung nach Fernost parallel auch die Umweltbelastung exportiert. Nun sollten sie helfen, dass die ostasiatischen Staaten diese Belastungen reduzieren können.
  • Desertec: Ja, aber in Südeuropa!

    17.09.2009, Andreas Nöhrig, Würzburg
    In Südeuropa kann der gleiche Stromertrag zum halben Preis erzeugt werden. In der Türkei, in Griechenland, Süditalien, Südfrankreich und Spanien sind ausreichend Flächen mit 2200 kw/m²a an Direktnormalstrahlung nutzbar, um 100 Prozent der Stromversorgung Europas zu konkurrenzfähigen Preisen aus solarthermischen Kraftwerken anzubieten. Wesentlich dabei wäre auch, die Kraftwerke in Ost-/Westrichtung zu verteilen, um so teure Speicherkapazitäten zu sparen.
  • Grundgedanke der Relativitätstheorie

    15.09.2009, Dr. Ralf Poschmann
    Der Artikel ist sehr gut geschrieben (kreatives Schreiben halt), aber er vernachlässigt einen wichtigen Aspekt: Der philosophisch-metaphysische Grundgedanke der Relativitätstheorie besteht darin, dass es keine Bühne in Raum und Zeit gibt, vor der sich das materielle Geschehen abspielt. Raum, Zeit und Materie sind nur verschiedene Aspekte derselben Naturphänomene. Das ist der eigentlich neue Gedanke von Einstein in Bezug zu Newton. In dieser Beziehung ist eher die Quantenmechanik noch eine 'klassische' Theorie. John von Neumanns Beweis, dass Informationsübertragung nicht mit Überlichtgeschwindigkeit erfolgen kann, validiert somit beide Theorien.

    Es ist nicht klar, ob es in der nächsten Zeit gelingen wird beide zu vereinigen, aber das eingangs erwähnte Grundprinzip, nämlich dass es keine Bühne gibt, vor der sich etwas abspielt, muss auch diese Vereinheitlichung garantieren. Natürlich würde sie en passant unsere Vorstellungen, was Raum und Zeit sind, verändern.
  • könnte den Bedarf decken - aber......

    15.09.2009, Dr. Götz, Dresden
    Den Ausführungen von Herrn Wetzel stimme ich zu und möchte dies technisch untersetzen.

    Es ist mir nicht bekannt, ob der Wind auf der tibetischen Hochebene stetig weht. Im Januar 2009 gab es in Europa eine Hochdruckwetterlage mit geringen Luftdruckgegensätzen. Die in Deutschland in Windkraftwerken installierten rund 24 Gigawatt lieferten 3 bis 4 Tage nur einen Bruchteil ihrer Leistung: 900 bis 7000 Megawatt. Zum Vergleich: die Jahreshöchstlast in Deutschland beträgt rund 75 Gigawatt.

    Würde man also auf Windstrom in der Grundlast setzen, müssten Speicher für Elektroenergie von etwa 100 Gigawatttagen zur Verfügung stehen. Solche Speicher gibt es nicht. Also müssen Ersatzkraftwerke in Reserve bereit gehalten werden und einspringen. Pumpspeicherkraftwerke gibt es nicht mit dieser Kapazität, der Bau weiterer ist an topografische Voraussetzungen geknüpft, von den Genehmigungen - insbesondere der Umweltverträglichkeitsprüfung gar nicht erst zu sprechen.

    Überwiegend würde man Gaskraftwerke als Ersatz einsetzen - zu entsprechenden Preisen bei hoher Importabhängigkeit. China ist also gut beraten, wenn es den Ausbau seiner Kernkraftwerke forciert: Etwa 40 Gigawatt sollen dort bis etwa 2030 installiert werden. Die Standorte liegen wegen der Übertragungsverluste in der Nähe der industriellen Ballungsgebiete, weil bei Entfernungen von über 500 Kilometer stark zunehmende Probleme bei Verteilung und Regulierung entstehen.
  • Falscher Schwerpunkt - Ergänzung zu Prof. Gehlhaar

    14.09.2009, Dr. Mark Beinker, Frankfurt am Main
    In Ergänzung zu dem Leserbrief von Herrn Prof. Gehlhaar wäre noch anzumerken, das die Quantenfeldtheorie sogar eine explizit lokal-kausale Theorie ist.

    In ihrer Pfadintegraldarstellung wird das besonders deutlich, da hier die Wechselwirkung zwischen zwei Teilchen explizit durch den Austausch eines Teilchens stattfindet. Von einer Inkonsistenz der Quantenmechanik mit der Relativitätstheorie oder der Annahme lokal-kausaler Wechselwirkungen kann also gar keine Rede sein.

    Anders als im Artikel behauptet muss eben doch die Annahme des Realismus aufgegeben werden, die Annahme also, bei dem verschränkten Teilchenpaar des EPR Experiments handele es sich um zwei wohl unterschiedene Teilchen in einem definierten Zustand.

    Interessant ist allerdings die Frage, was diese Wellengleichung denn nun tatsächlich ist und wie sie sich durch den Raum ausbreitet. Vielleicht hat dazu eine Quantentheorie der Allgemeinen Relativitätstheorie etwas zu sagen.
  • Den Sinn des Lebens bei den Griechen suchen

    13.09.2009, Dr. Benedikt Rothöhler, Heidelberg
    Laut dem Titel der Rezension scheint es in Kanitscheiders Buch in erster Linie um einen praktischen Lebensentwurf zu gehen. Ein Leben ohne einen letztlich im Nichtmateriellen verankerten Sinn wird als 1.) möglich und 2.) erstrebenswert dargestellt. Inhaltlich scheint aber doch die Frage nach der theoretischen Grundlage dieses Lebensentwurfes im Vordergrund zu stehen, die Frage nach der tatsächlichen Existenz einer nichtmateriellen Instanz, die einen solchen Sinn zu stiften vermöchte.

    Zunächst einmal ist die Beantwortung dieser Frage für den persönlichen Lebensentwurf (mit oder ohne Sinnsuche) nicht zwingend notwendig - ein echter Agnostiker etwa lässt sie bewusst unbeantwortet und sieht darin kein Hindernis, seine persönliche Erfüllung auf Erden zu suchen. Für Kanitscheider, der so sehr am christlichen Abendland leidet, ist dies natürlich die Frage nach der Existenz Gottes (die er verneint).

    Laut Pöppe führt Kanitscheider „alle Vorstellungen von einer externen Quelle des Lebenssinns ad absurdum“, „zerpflückt systematisch ... alle diese Vorstellungen“. Damit wäre ihm (in einem populärwissenschaftlichen Werk!) etwas gelungen, worum sich die Vertreter des Materialismus/Naturalismus seit vierhundert Jahren vergeblich bemühen, darunter Geistesgrößen wie Diderot, Kant (kein eigentlicher Naturalist, hat aber Grundlegendes zum Naturalismus beigetragen), Laplace, Feuerbach, Engels, Carnap. Ich nehme auch an, daß Kanitscheider einen solchen sensationellen Beweis in seinem Buch doch nicht liefert, sonst hätte ihn Pöppe uns Lesern gewiß nicht vorenthalten.

    Dass „man die abendländische Tradition nur ein Stück weiter zurückverfolgen muss, bis zu den Griechen der Antike, und Lebensphilosophien findet, die nicht nur ohne externe Sinngebung auskommen, sondern auch von der sauertöpfischen Pflichtethik Immanuel Kants und der Drohung mit Strafen im Jenseits völlig frei sind“, ist so nicht ganz richtig.
    Die griechische Kultur kannte sehr wohl ein Leben nach dem Tod. Während „durchschnittliche“ Menschen im Jenseits (dem Hades) ein eher tristes Dasein als „Schatten“ führten, wurden durchaus besonders heroische Taten nach Tode belohnt (durch ewige Freuden auf den „Inseln der Seligen“ oder mit Unsterblichkeit am Sternenhimmel) und besonders verwerfliche Taten bestraft („Tantalosqualen“).

    Auch wenn für die meisten „Normalsterblichen“ das „Leben vor dem Tod“ das eigentliche war, bedeutet dies nicht, dass dieses Leben seinen „Sinn“ in sich selbst gefunden hätte. Das postmortale Jenseits ist nicht die einzige außerweltliche Instanz, die zur religiösen Sinnstiftung herangezogen werden kann.
    Die typisch griechische Ausformung der Religion ist die Mythologie, d. h. die überlieferte „Geschichte“ (die durchaus als „wahr“ angesehen wurde). Dies hatten die Griechen übrigens mit den klassischen Juden gemeinsam, die ebenfalls kein Leben nach dem Tode kannten, es unterscheidet sie dagegen von Christen und Muslimen ebenso wie von den klassischen Ägyptern. Jede griechische Stadt, jede Familie leitete sich von Göttern und Heroen her und verknüpfte ihren Ursprung mit bedeutsamen mythischen Ereignissen. Namen, Orte und Bräuche wurden ätiologisch gedeutet. Die Menschen konnten das Leben aus der mythischen Vergangenheit heraus als sinnvoll empfinden. Eine solche mythische Vergangenheit ist zwar nicht im strengen Sinn „außerweltlich“, aber deutlich getrennt vom alltäglichen Leben. Sie galt als „heilig“ - im Gegensatz zum Lebensalltag, der per definitionem „profan“ ist. Man war sich auch durchaus der Grenze zwischen der „menschlichen“, historischen Geschichte mit ihren genauen und nachprüfbaren Daten (dem „eisernen Zeitalter“) und der mythischen Geschichte, die sich „in illo tempore“ abspielte, bewusst, ohne letztere deshalb für weniger „wahr“ zu halten.

    Kanitscheiders „Griechen“ (in Wirklichkeit freilich nur bestimmte Griechen - die Spartaner ganz gewiß nicht!) hatten, verglichen mit der Askese „der Christen“ (eigentlich auch nur kleiner christlicher Gruppen zu bestimmten Zeiten), eine stärker lustbetonte Lebenseinstellung und erscheinen dem modernen Hedonisten deshalb als sympathischer, aber die Lustbefriedigung wurde nie als sinnstiftend betrachtet. Sinn stiftete auch damals die Religion, die Lust war ein positiver (weil angenehmer) Faktor, den man zusätzlich anstreben durfte und sogar sollte – aber immer nur im Rahmen der areté („Tugend“). Hedonismus als Lebensprinzip und als Ersatz für die Religion hätten die meisten Griechen als absurd angesehen. Echte Hedonisten waren Randfiguren. Aristipp hat kaum bleibende Spuren hinterlassen, Epikur hatte mehr Einfluss, wurde aber auch von den etablierten Philosophenschulen verachtet. Atheismus (genauer: Asebie - „Unfrömmigkeit“) war ein Straftatbestand - Sokrates wurde unter anderem wegen Missachtung der Götter hingerichtet.

    Aber es geht ja nicht so sehr um die Frage, ob „Gott“ tatsächlich existiert oder nicht, sondern vor allem darum, ob ein „sinnvolles“ Leben ohne zumindest die Annahme der Existenz Gottes möglich ist.
    Dabei geht es nicht um die „unmetaphysische“ Sinnfindung Einzelner. Dafür hätte Kanitscheider nicht weiter als bis ins 20. Jahrhundert zurückgehen müssen, im Prinzip hätte sogar sein Selbstzeugnis ausgereicht.
    Vielmehr geht es um ein hedonistisches Lebensmodell, das eben nicht nur für einzelne Individuen (mit möglicherweise außergewöhnlicher psychologischer Disposition), sondern auch für die Allgemeinheit zugänglich und für jeden akzeptabel ist. Und hier sind griechische Hedonisten wie Aristipp eben kein valides Beispiel, da sie, wie in fast allen anderen Gesellschaften auch, mit ihren Ideen weit gehend allein blieben.

    Weltbild und Lebensentwurf sind nicht nur persönliche, sondern vor allem auch kulturelle Phänomene. Und die Tatsache, dass es in der Geschichte kein reales Beispiel einer Kultur gibt, die auf einen im transzendenten verankerten „Sinn“ hätte verzichten können, ist ein starkes Argument für die Notwendigkeit.
    Antwort der Redaktion:
    Gleich am Anfang dieses Briefes taucht wie so oft das Problem der Begründungslast bezüglich der Position des Naturalismus auf. Wer muss wem in dieser Sache etwas nachweisen? Theisten und allgemein Fürsprecher einer spirituellen Metaphysik wehren sich immer wieder dagegen, dass ihnen die Argumentationsaufgabe zugewiesen wird, gute Gründe für ein Reich der Transzendenz vorzubringen, weil sie wissen, dass die Verteidigung auf große Schwierigkeiten stößt. Deshalb möchten sie lieber dem Naturalisten die Last des Nichtexistenzbeweises in die Schuhe schieben, in der Hoffnung, dass dieser in die Falle des "argumentum ad ignorantiam" tappt und behauptet, dass das Fehlen guter Gründe für eine These T ("es gibt einen Gott") ein Argument für die Wahrheit von ¬T ("es gibt keinen Gott") sei.

    Im Allgemeinen sind aber empiristische Philosophen logisch geschult und kontern nur damit, dass das Fehlen von Gründen für T ein epistemisch induktives Argument ist, T für falsch zu halten. Das bedeutet für die Gotteshypothese nur so viel, dass alle bisher vorgebrachten Gründe nicht als stichhaltig befunden werden konnten, es aber niemand ausschließen kann, dass dereinst ein scharfsinniger Theologe noch eine neue völlig unbekannte Denkfigur entdecken wird.

    Jedem Physiker ist diese Situation geläufig: Solange es keine Hinweise etwa auf Tachyonen (eine vermutete Klasse überlichtschneller Elementarteilchen) gibt, wird das Fehlen von Spuren als erstweilige Stütze betrachtet, die Tachyonenhypothese für falsch zu halten, auch wenn die Möglichkeit eines späteren Aufweisens bestehen bleibt.

    Einen definitiven Beweis der Nichtexistenz bestimmter (abstrakter) Objekte gibt es nur in der Mathematik. Es gibt keine größte Primzahl, es gibt keine Zahl, die größer ist als sie selbst, und es gibt keine Menge aller Ordinalzahlen. Denn in jedem dieser Fälle führt die Annahme, es gäbe dieses Objekt doch, nachweisbar auf einen Widerspruch.

    Wenn man rein begrifflich zeigen kann, dass auch ein Gottesbegriff eine inkonsistente Semantik aufweist, wird auch die Klasse der Götter leer sein. Im Allgemeinen sind aber die Begriffsbestimmungen der transzendenten Metaphysik und die Gottesbegriffe so semantisch amorph und dehnbar, dass der Theologe sich auf irgendeine Weise aus der Inkonsistenz herauswinden kann.



    Zur Frage nach dem Hedonismus als "kulturellem Standard":

    In der Tat halte ich dafür, dass ein hedonistisches Lebensmodell "für die Allgemeinheit zugänglich und für jeden akzeptabel ist." Eine Minimalforderung an jede philosophische Ethik und jeden philosophischen Lebensstil ist die Universalisierbarkeit. Letztere ist auf zentrale Weise mit der Vernunft verbunden. Auch das aristippisch-epikureische Lebensmodell setzt ein normales Maß an Rationalität voraus; jemand muss in der Lage sein, die Konsequenzen seiner Handlungen über einige Stationen zu verfolgen, um abwägen zu können, was er tun soll. Dies gilt aber für alle philosophischen (nicht theonomen) Ethiken, wie etwa auch die kantische und die utilitaristische Ethik. Ohne eine rationale Reflexion über Handlungsalternativen, deren
    Vor- und Nachteile sowie deren Sozialverträglichkeit ist kein philosophischer Lebensentwurf funktionsfähig. Ein hedonistischer Lebensstil unterscheidet sich von einem kantischen deontischen Entwurf nur in der Zielsetzung, nicht in der Rationalität. Der Hedonist gibt dem Glück als oberstem Ziel den Vorzug, der Kantianer der Pflicht. Für letzteren ist das Glück höchstens ein bedeutungsloser Nebeneffekt seines Handelns. Die Vernunft muss bei beiden Zielvorstellungen walten. Nur wenn man dem Menschen völlig den Status eines "animal rationale" abspricht, kommt eine philosophische Ethik nicht mehr in Frage. Dann macht man ihn am besten zum Befehlsempfänger göttlicher Gebote.





    Bernulf Kanitscheider
  • Zweite Reihe ja, aber anders

    13.09.2009, A. Vetere, Münster
    Werte Redaktion, Sie begehen hier eine deutlich zu starke Vereinfachung der Beschreibung, die die Ergebnisse des Experiments mehr verzerrt denn zusammenfasst. Mitnichten ist im Originalartikel von der zweitäußersten Elektronenschale die Rede, noch ist diese gemeint. Sämtliche Ergebnisse beziehen sich auf die äußerste - die Valenzschale.

    Vielmehr geht es um die energetisch unterschiedlich gelegenen Orbitale innerhalb ebendieser. Ging man bislang davon aus, dass ein Tunneln stets aus dem energetisch höchsten besetzen Orbital (HOMO) erfolgt, wurde im Experiment nun erwiesen, dass auch ein darunter befindliches Orbital - bzw. die darin befindlichen Elektronen - dazu befähigt ist.

    Die Aussage, die zweitäußerste Elektronenschale sei im HCl für die Bindung verantwortlich, ist nicht nur grob verwirrend, sondern ebenso schlicht Humbug.
    Antwort der Redaktion:
    Danke für Ihre zutreffenden Hinweise. Wir haben den Text durch eine korrigierte Version ersetzt und bitten um Entschuldigung.
  • Strom und Ideologie

    12.09.2009, Horst Wetzel
    Das ist ein sehr interessanter Artikel. Er sollte eigentlich eine Anregung zur technischen Umsetzung geben. Das wird aber nicht gelingen, solange man sich ideologisch verbrämten Vorurteilen hingibt.

    1. Energieproduktion:

    Richtiger Weise wird in der Überschrift und der Einleitung des Artikels dieser Begriff nicht gebraucht. Energie kann konventionell weder produziert noch erzeugt werden, denn es gilt der Energieerhaltungssatz! Man kann nur einzelne Energieformen in andere umformen. Strom (als elektrische Energie) kann man z.B. aus chemisch gebundener Energie der Kohle oder der Strahlungsenergie der Sonne wandeln. In dieser speziellen Form der Umwandlung einer Form in die andere, können auch die Begriffe Erzeugen, Produzieren und Herstellen verwendet werden, denn es vergeht in diesem Umwandlungsprozess die eine Energieform und es entsteht eine neue Form. Die Begriffe können aber nicht verwendet werden, wenn der alles umfassenden Begriff Energie an sich verwendet wird. Energie erzeugen kann man nur, wenn man sich auf die Erkenntnisse der Relativitätstheorie bezieht und die Beziehung E = m x c2 nutzt. Technisch wird danach in Kernkraftwerken aus der Massedifferenz der ablaufenden Kernumwandlungen "Energie aus Masse hergestellt".

    2. Strom als Ware:

    Strom ist keine gewöhnliche Ware, mit der man wie mit anderen Handeln kann. Ihm fehlt eine wichtige Eigenschaft, die man bei einer Ware gewöhnlich unbewusst voraussetzt: Man kann ihn nicht ins Lager legen. Bei der Elektrizitätsversorgung muss jederzeit Stromerzeugung und -verbrauch in Übereinstimmung gebracht werden. Stromspeicher spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle, da sie in ihren Kapazitäten für den Gesamtprozess völlig unzureichend sind. Virtuell wird Strom durch die Reglung seiner Erzeugung nach Bedarf im Netz gespeichert. Dieses Modell ist solange erfolgreich anzuwenden, wie die fluktuierenden Anteile nicht überwiegen und das Netz ausreichend ausgebaut ist - es keine Engpässe hat.
    Auch aus diesem Vorgenannten ist zu erkennen, dass Verteilung und Regulierung nicht zu vernachlässigende Funktionen in einer Elektrizitätsversorgung sind. Diese Funktionen sind auch bei der Preisbildung nicht zu vernachlässigen. Wenn wie im hier vorliegenden Artikel Erzeugerpreise verglichen werden, wird das regelmäßig vergessen und führt zu falschen Lösungsansätzen.

    Also wie im richtigen Leben: Es gilt Vorurteile zu beseitigen, damit man mit ganzer Kraft an der Lösung der wichtigen Probleme arbeiten kann.
  • Grauenhaftes Einstein-Bild

    11.09.2009, Jakob Thomsen, per E-Mail
    Ich lese Spektrum der Wissenschaft mit großem Vergnügen seit über zehn Jahren. Ausnahmsweise muss ich aber etwas kritisieren: Das Titelbild zu Heft 09/09 "Wo Einstein irrte" ist grauenhaft, der arme Einstein sieht aus wie eine Mumie!
    Das wirkt albern und ist einer so guten Zeitschrift wie Spektrum der Wissenschaft einfach nicht angemessen.
  • Einsteins Theorie durch Verschränkung nicht bedroht

    10.09.2009, Dietrich Fliedner, Mandelbachtal
    Fügt man den 3 geometrischen Dimensionen als eine weitere Dimension die Zeit hinzu, so muss man bedenken, dass die 4 Dimensionen zwei verschiedenen Kategorien zuzuordnen sind. Man misst in einem Fall die Ausdehnung kompakter Objekte zu einem bestimmten Zeitpunkt, im anderen beteiligt man sich an der Messung der Struktur von Systemen, die durch Verknüpfungen und Vernetzungen charakterisiert ist, das heißt, von Informations- und Energieflüssen gestaltet wird. Sie lässt sich mittels 4 systemischer Dimensionen definieren: "Menge" Q (von Information oder Energie bestimmter Qualität), "Zeit" T, "Hierarchie H und "Raum" S.

    Geometrischer "Raum" und sytemischer "Raum" sind einander in ihrem Wesen gleich, also kompatibel. "Raum" und "Zeit" sind aber nur dann miteinander verträglich, wenn die Zeit im Zusammenhang mit der Fortbewegungsgeschwindigkeit eingefügt wird (wie bei der Speziellen Relativitätstheorie). Die systemische Dimension der "Hierarchie" ist dagegen geometrisch nicht direkt zu fassen.

    Die Darstellung der Verschränkung ist die Darstellung eines mehrdimensionalen Prozesses in einem (Fließgleichgewichts-)System. Ein Beispiel: Man stelle sich eine Truppenformation beim Exerzieren vor. Wenn ein Soldat seinem Nachbarn leise einen Witz erzählt, und dieser ihn an den nächsten Nachbarn weitergibt etc., so ist dies sein Prozess, dessen lineares Fortschreiten sich mithilfe der Dimension "Zeit" messen lässt. Gibt aber der Kompaniechef den Befehl "stillgestanden", kann er erwarten, dass alle Soldaten - nach Empfang der Information - gleichzeitig die Anordnung ausführen. Die jeweils benachbarten Soldaten üben dabei (idealiter) keinen Einfluss aufeinander aus, sondern sind nur auf den Befehl fixiert. Dieser Vorgang spiegelt eine "Hierarchie" wider, die sich mittels einer nichtlinearen Funktion beschreiben lässt. So muss man zwischen einem Initiator außerhalb und einem innerhalb des Untersuchungsobjekts, also der Truppenformation, unterscheiden. Der die Verschränkung untersuchende Physiker stimuliert das System als Außenstehender, d.h. als hierarchisch Übergeordneter.

    Einsteins Relativitätstheorie wird durch die Quantenverschränkung nicht bedroht. Von einer "spukhaften" Erscheinung kann man nur dann sprechen, wenn man die systemischen Zusammenhänge nicht berücksichtigt; das konnte Einstein noch nicht wissen.
  • Scheinproblem oder begriffliche Unschärfe?

    09.09.2009, Dr. rer. nat. Ulrich Gehlhaar, München
    Auf einige Unvollständigkeiten des Artikels möchte ich kurz hinweisen:

    Bei dem Problem der Verschränkung und der auftretenden Nichtlokalität quantenmechanischer Objekte, die scheinbar die Relativitätstheorie verletzen, wird - auch von den Autoren - immer auf die nichtrelativistische Schrödingergleichung abgestellt, ohne darauf einzugehen, dass diese Phänomene sich auch aus einer relativistisch invarianten Theorie ergeben, wie der Quantenfeldtheorie. Somit ist die Nichtlokalität vereinbar mit einer relativistischen Quantentheorie und steht demzufolge nicht im Widerspruch zur speziellen Relativitätstheorie, wie immer wieder behauptet wird.

    Dies steht auch in Einklang mit dem zitierten Ergebnis von John von Neumann, wonach die Kausalität bei der Übertragung von Energie oder Information bei der quantenmechanischen Nichtlokalität nicht verletzt wird.

    Es bleibt die Unklarheit bei dem Begriff der „Fernwirkung“, wie er historisch von EPR geprägt wurde. Da der Begriff „Wirkung“ immer implizit auf den dualen Begriff „Ursache“ verweist, hier allerdings ein neues nichtlokales Phänomen quantenmechanischer Objekte gemeint ist, verbleibt nur die Konsequenz hierfür einen anderen Begriff zu prägen, der nicht durch den Bezug auf die Kausalität belegt ist. Unverfänglicher könnte in diesem Zusammenhang der Begriff der „Influenz“ sein, also einer „Ferninfluenz“.

    Dass in der Quantenmechanik die übliche klassische Begriffsbildung versagt, ist ja bereits in der Wissenschaftsgeschichte beim Begriff der Wahrscheinlichkeitsamplitude für die Wellenfunktion ausführlich dargelegt worden. Insoweit könnten sich die Probleme hier durch Verwendung weniger verfänglicher bzw. nicht belegter Begriffe entschärfen lassen.
  • Mehr Mut zum Unkonventionellen

    09.09.2009, Ulrich Ziegler, Frankfurt
    Desertec kann für die künftige Energieversorgung ein wichtiger Beitrag sein, aber 15 Prozent sind nur ein "siebtes Bein", den Rest müssen wir anderweitig zusammenkratzen. Also bitte mehr Mut zum Neuen und über alle sieben (oder mehr) Standbeine nachgedacht.

    Bei Desertec freue ich mich schon auf die Diskussionen um die besten Techniken zur Umwandlung der Sonneneinstrahlung und zur Verteilung des Ertrags. Meines Erachtens sollte man aber auch mehr an Windräder denken. Die haben derzeit die ausgereifteste Technik, die niedrigsten Kosten pro Kilowattstunde und relativ geringe Investitionskosten pro Anlage.

    Das durch unregelmäßiges Windangebot schwankende Stromangebot lässt sich mit großräumigen Netzwerken auffangen. Denkbar ist aber auch eine Beeinflussung der Windentstehung durch das großflächige Schaffen von dunkleren und/oder helleren Erdoberflächen. Hierdurch würde der Wind gleichmäßiger und stärker.

    Es wird zukünftig noch mehr darauf ankommen, sorgfältig abzuwägen, wie sich unsere Eingriffe insgesamt auswirken.
    Sollten wir demnächst künstlich erzeugten Wind ernten, würde mich das allerdings sehr freuen.
  • Innovativer therapeutischer Ansatz

    07.09.2009, Prof. Dr. Hans-Ulrich Demuth, Halle (Saale)
    Ich finde Ihre Kurzberichterstattungen ausgesprochen informativ und nahe an der Frontforschung. Das trifft auch auf das Paper von Britschgi, M. et al. PNAS, 10.1073 pnas.0904866106, 2009, zu.

    Dass es auf dem Gebiet in Deutschland Entwicklungen gibt, die die Bildung der Peptide pGluAbeta, pGluADan und pGluABri, welche Britschgi als hauptverantwortlich für die Progression der AD bezeichnet, durch einen innovativen therapeutischen Ansatz blockieren können, scheint der geschätzten Aufmerksamkeit Ihres Scouts aber bisher entgangen zu sein. Hier nur drei diesbezügliche Veröffentlichungen:

    Inhibition of Glutaminyl Cyclase prevents pGlu-Ab Formation after intracortical/hippocampal Microinjection in vivo/in situ
    STEPHAN SCHILLING, TORSTEN HOFFMANN, THOMAS APPL, HOLGER CYNIS, KATRIN SCHULZ, MICHAEL WERMANN, STEPHAN VON HÖRSTEN AND HANS-ULRICH DEMUTH
    J. Neurochemistry 2008, 106, 1225-12336

    Glutaminyl cyclase inhibition attenuates pyroglutamate Ab and Alzheimer’s disease-like pathology in vivo
    STEPHAN SCHILLING, ULRIKE ZEITSCHEL, TORSTEN HOFFMANN, ULRICH HEISER, MIKE FRANCKE, ASTRID KEHLEN, MAX HOLZER, BIRGIT HUTTER-PAIER, MANUELA PROKESCH, MANFRED WINDISCH, WOLFGANG JAGLA, DAGMAR SCHLENZIG, CHRISTIANE LINDNER, THOMAS RUDOLPH, GUNTER REUTER, HOLGER CYNIS, DIRK MONTAG, HANS-ULRICH DEMUTH, STEFFEN ROßNER. Nature Medicine 2008, 14, 1106-1111

    Intraneuronal pyroglutamate-Abeta 3-42 triggers neurodegeneration and lethal neurological deficits in a transgenic mouse model.
    WIRTHS O, BREYHAN H, CYNIS H, SCHILLING S, DEMUTH HU, BAYER TA. Acta Neuropathol. 2009, 118, 487–496
  • Direkte Sonnennutzung statt Biosprit!

    06.09.2009, Rainer Rolffs, Bonn
    Für eine regenerative Energieerzeugung ist es notwendig und sinnvoll, Sonnenenergie dort zu nutzen, wo fast drei mal so viel einfällt wie hier. Im Desertec-Projekt sollte die Politik jedoch die Interessen der lokalen Bevölkerung gegen die der Konzerne vertreten. Zudem sollte man die hiesige Fotovoltaik und Speicherung von Sonnenwärme für Warmwasser und Heizung nicht vernachlässigen, und den Energieverbrauch reduzieren.

    Die Sonnennutzung auf Gebäuden und in Wüsten steht in keiner Flächenkonkurrenz zu Pflanzen. Dagegen geht der Anbau von Energiepflanzen immer zu Lasten der Nahrungserzeugung oder der Natur. Auch Biokraftstoffe der zweiten Generation kommen ohne riesige Plantagen nicht aus, denn Holz- und Erntereste reichen bei weitem nicht.

    Ein Blick auf die Wirkungsgrade macht den enormen Flächenbedarf deutlich: Während Solarzellen 10 bis 20 Prozent der Sonnenergie in Strom umwandeln und solarthermische Kraftwerke sogar noch mehr, wird durch Photosynthese weniger als 1 Prozent der Sonnenenergie als Biomasse gespeichert. Diese wird verlustreich in flüssige Kraftstoffe umgewandelt und schließlich im Motor mit schlechtem Wirkungsgrad verbrannt. Stattdessen sollte das Verkehrswesen mit Solarstrom betrieben und weitgehend auf öffentliche Verkehrsmittel umgestellt werden.
  • Das Versteck der überabzählbaren Zahlen

    06.09.2009, Jakob Thomsen, München
    Philipp Wehrli hat in seinem Leserbrief eine interessante Frage gestellt, auf die ich eingehen möchte:
    Die Anzahl der Algorithmen, mit denen sich eine reelle Zahl beschreiben lässt, ist abzählbar unendlich (vorausgesetzt, die Länge jedes Algorithmus sei endlich).
    Die Anzahl reeller Zahlen ist überabzählbar unendlich.
    Das bedeutet, nicht jede reelle Zahl kann durch einen endlichen Algorithmus definiert werden.
    Wo "verstecken" sich die restlichen, nicht benennbaren Zahlen?
    Es muss Zahlen geben, die sich nur durch unendlich lange Algorithmen definieren lassen.
    Mit einem Trick lässt sich ein Blick auf die nicht-benennbaren Zahlen werfen:
    Algorithmus: Wähle für jede der unendlich vielen Nachkomma-Stellen der Zahl eine zufällige Ziffer.
    Mit jeder Stelle sinkt die Wahrscheinlichkeit, die richtige Ziffer zu würfeln, und da es unendlich viele gibt,
    geht die Wahrscheinlichkeit, dass das Resultat einer beliebigen benennbaren Zahl entspricht, gegen Null.
    Auch bleibt die so erzeugte Zahl unbenennbar:
    Der nächste Durchgang der Algorithmus erzeugt ja eine andere Zahl (die Wahlscheinlichkeit, das zweimal dieselbe rauskommt, geht auch gegen null).
    Durch Verwendung echten (nicht-algorithmischen) Zufalls in einem endlichen Algorithmus zur Erzeugung einer reellen Zahl lassen sich also nicht-benennbare "Einweg"-Zahlen erzeugen.
    Antwort der Redaktion:
    Ihr Verfahren funktioniert und liefert das Gewünschte. Man sollte es jedoch, um Missverständniss zu vermeiden, nicht "Algorithmus" nennen; denn im üblichen Sprachgebrauch versteht man unter Algorithmus ein Verfahren, in dem der (echte) Zufall keinen Platz hat.

    Christoph Pöppe, Redaktion
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