Der Königspinguin ist ein Meister des Fastens. Bis zu fünf Monate im Jahr kommt er ohne einen einzigen Fisch aus, lebt von seinen Fettpolstern und kann so bei bis zu minus 60 Grad Celsius knapp die Hälfte seiner rund 15 Kilogramm Körpergewicht verlieren.

Wir sind da anders, ganz anders. Wir essen eigentlich immer, es sei denn, wir schlafen. Die drei Hauptmahlzeiten am Tag sind seit Generationen so tief in unserem Bewusstsein verankert, dass ein Verzicht darauf für die meisten Menschen überhaupt nicht denkbar ist. Dazu kommen Snacks für zwischendurch, kühle (und süße) Erfrischungsgetränke und zum Ausklang des Tages ein Glas Wein oder Bier mit dem unverzichtbaren Salzgebäck.

Die Lebensmittelindustrie freut sich, unser Körper weniger. "Wir sind eine Gesellschaft des Überflusses. Nahrung ist immer verfügbar, und gleichzeitig bewegen wir uns kaum", mahnt Dieter Melchart, Professor für Komplementärmedizin und Naturheilkunde an der Technischen Universität München. "Das hinterlässt Spuren" – Spuren in Form von Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, Schlaganfall, Herzinfarkt oder Alzheimerdemenz.

Ein Blick auf Tiere wie den Königspinguin, auf die Natur, der wir trotz Handy, Hotdog und Hightech-­Küche angehören, könnte uns zeigen: Das Leben auf der Erde hat sich im Rhythmus von Tag und Nacht, von Wärme und Kälte, von Überfluss und Mangel entwickelt. Und wir täten wahrscheinlich gut daran, zeitweise zu verzichten und "auch einmal gegen die ewige Esserei anzugehen", wie Melchart betont. "Fasten ist das größte Heilmittel", wusste bereits der Arzt und Philosoph Paracelsus (1493-1541) schon ohne Forschungslabor. Wel­che Hinweise liefert uns die moderne Wissenschaft für diese These?

Sicher ist: Ein Überschuss an Nahrung schadet dem Körper, gerade auch dem Gehirn …