Nicht nur das Internet liebt Katzen: Mit fast 13 Millionen Samtpfoten, die laut dem Industrieverband Heimtierbedarf 2015 in deutschen Haushalten lebten, sind sie auch in der analogen Welt das Lieblingstier der Deutschen. Ihnen folgen knapp acht Millionen Hunde, die hier zu Lande aktuell den Platz des zweitbesten Freundes des Menschen belegen.

Im Hinblick auf die Beziehung zu ihrem Besitzer könnten Hunde und Katzen kaum unterschiedlicher sein: Während die Erstgenannten als loyal und vertrauensselig gelten, sind Letztere vor allem für ihre Unabhängigkeit und ihren Dickkopf bekannt. Nicht umsonst heißt es häufig: "Hunde haben Herrchen, Katzen haben Personal."

Das legt natürlich den Schluss nahe, dass auch Hunde- und Katzenliebhaber ganz unterschiedlich ticken könnten. Und sogar zahlreiche Menschen, die selbst gar kein Haustier halten, neigen bisweilen dazu, sich eher als "Hundemensch" oder als "Katzenmensch" zu beschreiben.

Ob sich Tierfans anhand ihres Charakters tatsächlich in zwei solche Gruppen aufteilen lassen – und wie stark die Unterschiede im Zweifelsfall ausgeprägt sind –, diskutieren Wissenschaftlern bereits seit Jahrzehnten. Viele Studien, in denen Forscher die Eigenschaften von selbst ernannten Hunde- beziehungsweise Katzenmenschen unter die Lupe nahmen, liefern bislang allerdings noch kein einheitliches Bild. Während manche Arbeitsgruppen etwa herausfanden, dass Hundefreunde aggressiver sein sollen als Katzennarren, entdeckten andere das genaue Gegenteil davon. Wiederum andere Untersuchungen wollen sogar überhaupt keinen Zusammenhang zwischen unserer Persönlichkeit und unseren Haustiervorlieben gefunden haben.

Ein Team um den Psychologen Samuel Gosling von der University of Texas in Austin vermutet, dass auch zahlreiche methodische Probleme zu der unklaren Studienlage beigetragen haben könnten. So würden sich zum Beispiel gerade viele ältere Untersuchungen nur auf eine kleine, oftmals nicht besonders diverse Stichprobe beziehen. Außerdem habe man bereits auf so viele verschiedene Arten so viele unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale erhoben, dass sich die Ergebnisse am Ende kaum noch vergleichen und zu einem einheitlichen Modell zusammenfügen ließen. Während eine Studie etwa nur auf die Geselligkeit ihrer Probanden blickte, erforschten andere ein breites Spektrum an relativ willkürlich gewählten Eigenschaften wie Dominanz, Unabhängigkeit, Sportlichkeit, Maskulinität und Femininität der Teilnehmer.

Gosling und seine Kollegen untersuchten daher im Jahr 2010 im Rahmen einer Onlineumfrage mehr als 4500 Probanden mit Hilfe des so genannten Fünf-Faktoren-Modells, das heute als Standardmodell in der Persönlichkeitsforschung gilt. Es beschreibt den Charakter eines Menschen anhand der Werte, die er auf den fünf Skalen Offenheit für (neue) Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus erzielt.

Verträgliche Hundefreunde, offene Katzennarren

Personen, die sich selbst als Hundemenschen bezeichneten, erwiesen sich in dem Persönlichkeitstest im Schnitt als extravertierter, verträglicher und gewissenhafter – sie sind also beispielsweise geselliger, verständnisvoller, nachgiebiger, hilfsbereiter, zuverlässiger und planen Dinge eher im Voraus. Selbst ernannte Katzenmenschen erzielten dagegen höhere Werte in puncto Offenheit und Neurotizismus. Sie sind damit im Mittel etwas fantasievoller und experimentierfreudiger und neigen eher dazu, Normen und Werte kritisch zu hinterfragen – gleichzeitig werden sie aber auch stärker von negativen Emotionen wie Angst und Unsicherheit geplagt.

Ein relativ ähnliches Bild liefert eine Untersuchung von Gretchen Reevy von der California State University in Hayward und Mikel Delgado von der University of California in Berkeley. Die Forscherinnen untersuchten 2014 nach einem sehr ähnlichen Schema, wie es um die Charaktereigenschaften von mehr als 1000 Haustierbesitzern bestellt war. Tierfreunde, die sich selbst als Katzenmenschen bezeichneten und in den meisten Fällen auch selbst eine Samtpfote hielten, erwiesen sich tendenziell als etwas offener als Hundeliebhaber. Deutliche Unterschiede fanden die beiden zudem im Hinblick auf Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus: Auch hier waren die Hundemenschen laut Big-Five-Persönlichkeitstest im Schnitt extravertierter und verträglicher, während die Katzenmenschen sich neurotischer verhielten.

Frauen mit exotischen Tieren sind offener für neue Erfahrungen

Andreas Hergovich und sein Team von der Universität Wien versuchten 2011, den Ansatz auf ein breiteres Spektrum von Haustierbesitzern zu übertragen – fanden allerdings nur wenige, mitunter sehr spezielle Unterschiede. So waren unter anderem Frauen, die exotische Tiere wie Spinnen, Reptilien oder Insekten hielten, offener für neue Erfahrungen als die Besitzerinnen von traditionellen Haustieren wie Hund, Katze oder Meerschweinchen. Männliche Hunde- oder Katzenhalter zeigten sich wiederum im Vergleich zu allen anderen Tierfreunden besonders verträglich, während bei männlichen Besitzern von exotischen Haustieren dieses Charaktermerkmal eher wenig ausgeprägt zu sein schien. Da die Forscher aber lediglich 250 Probanden befragten, entfielen auf die einzelnen Tiergruppen am Ende nur recht wenige Teilnehmer. Die Ergebnisse bleiben deshalb eher mit Vorsicht zu genießen.

Insgesamt deuten die neueren Studien dennoch darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen unserer Persönlichkeit und der Vorliebe für ein ganz spezielles Tier zumindest nicht unwahrscheinlich ist. Wie dieser Zusammenhang genau aussehen könnte, ist jedoch nicht abschließend geklärt. Auch darüber, was das über die Beziehung zwischen Mensch und Tier aussagt, sind sich Forscher noch uneins.

Muss unser Tier so ticken wie wir?

Manche Experten vermuten, dass wir uns gerade von solchen Tieren angezogen fühlen, die uns ähneln. Diese Annahme stützen etwa Studien, die versuchten, die Persönlichkeit von individuellen Tieren mit ähnlich standardisierten Tests wie beim Menschen zu vermessen. Sie entdeckten, dass Menschen besonders zufrieden mit ihren tierischen Gefährten zu sein scheinen, wenn diese bestimmte Charaktereigenschaften mit ihnen teilen.

Hund mit Herrchen
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(Ausschnitt)
 Bild vergrößernHund und Herrchen
Mögen Hundefreunde einen Gefährten, der zu ihnen aufschaut?

Beatrice Alba von der australischen Macquarie University und Nick Haslam von der University of Melbourne vertreten dagegen die genau entgegengesetzte These. Sie glauben, dass wir eher solche Haustiere bevorzugen, die mit ihrer Persönlichkeit unsere eigene ergänzen. Um ihre Vermutung zu überprüfen, untersuchten sie 2015 in zwei unterschiedlichen Studien mit jeweils rund 500 Probanden, wie dominant selbst ernannte Hunde- und Katzenmenschen auftreten. Dabei entdeckten sie, dass Hundeliebhaber im Schnitt eine ausgeprägtere soziale Dominanzorientierung besaßen als Katzenfreunde – sie präferierten also eine feste Hierarchie zwischen sozialen Gruppen und glaubten, dass höherrangige Gruppen solche mit einem niedrigen Rang dominieren sollten. Außerdem waren sie wettbewerbsorientierter.

Alba und Haslam sehen das als Hinweis darauf an, dass sich dominantere Menschen bevorzugt Tiere zu suchen, die nicht auch der Platzhirsch im Haus sein wollen, sondern bereit sind, sich unterzuordnen – was auf Hunde sicher eher zutrifft als auf Katzen. Ein paar offene Fragen hinterlässt ihre Untersuchung allerdings auch. So konnten die beiden Wissenschaftler etwa hinsichtlich Durchsetzungsvermögen und Narzissmus – zwei Eigenschaften, die ebenfalls mit Dominanzverhalten zusammenhängen – keine Unterschiede bei ihren Versuchspersonen finden: Hundeliebhaber waren weder durchsetzungsstärker noch selbstbezogener als Katzennarren. Wie das zu ihrer Hypothese passt, wissen Alba und Haslam noch nicht so genau.