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Verhaltensforschung: Die Wissenschaft einer Freundschaft

Seit Jahrtausenden zählen Hunde zu den treuesten Gefährten des Menschen. Der ­ungarische Verhaltensforscher Ádám Miklósi erklärt, wie sich die Tiere in die menschliche Gesellschaft integrieren.
Eine Frau spielt mit ihrem Dalmatiner auf einer Wiese am Waldrand.

An einer ungarischen Forschungseinrichtung unweit des Donauufers entstanden enge Bande zwischen einem alternden Pförtner und einem betagten Wachhund namens Balthasar. Manche Tage verbrachte der Hund bei dem Pförtner zu Hause. "Leider dauerte diese Beziehung nur eine paar Monate, denn der Pförtner wurde krank – und starb", schreibt Vilmos Csányi, Gründer der Abteilung für Verhaltensforschung an der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest, in seinem Buch "Wenn Hunde sprechen könnten". Kurz nach dem Tod des Pförtners beobachteten die Wissenschaftler des Instituts, dass Balthasar hin und wieder ver­schwand, vor allem morgens. "Wir folgten ihm, um herauszufinden, was er tat", berichtet Csányi. "Es stellte sich heraus, dass er die viel befahrene Schnellstraße überquerte, zum alten Haus des Pförtners im Dorf ging und stundenlang vor dessen Haustür saß."

Es gibt unzählige faszinierende Geschichten über die Beziehungen zwischen Menschen und Hunden – nicht zuletzt, weil diese Verbundenheit so unwahrscheinlich erscheint. Hunde sehen ganz anders aus als wir. Sie verhalten sich völlig anders. Sie scheinen kein Gespür für Kultur zu haben. Und sie können kein einziges Wort sprechen. Dennoch betrachten Menschen in westlichen Kulturkreisen ihre Hunde im wahrsten Sinn des Wortes als Familienmitglieder. Nach und nach deckt nun die Verhaltensforschung auf, wie es zu dieser kuriosen Verbindung kam.

Kaum 20 Jahre sind vergangen, seit Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und unsere Arbeitsgruppe in Budapest unabhängig voneinander untersuchten, inwieweit Haushunde Zeigegesten von Menschen folgen konnten, um verstecktes Fressen zu finden. Diese Arbeiten legten den Grundstein eines Forschungsfelds, das Aufschluss über das Fundament der Mensch-Hund-Bindung geben soll.

Etliches ist darüber inzwischen bekannt …

12/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 12/2016

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  • Quellen und Literaturtipps

Literaturtipps

Bradshaw, J.: Hundeverstand. Kynos, Nerdlen 2012
Der britische Biologe John Bradshaw liefert Einblicke in die Wissenschaft des Vierbeiners.

Csányi, V.: Wenn Hunde sprechen könnten. Verstand und Verstandesleistung von Hunden. Kynos, Nerdlen 2007

Hare, B. Woods, V.: The Genius of Dogs: How Dogs Are Smarter Than You Think. Dutton 2013

Horowitz, A.: Was denkt der Hund? Wie er die Welt wahrnimmt - und uns. Springer Spektrum, Heidelberg 2010
US-Psychologin Alexandra Horowitz kombiniert wissenschaftliche Erkenntnisse mit persönlichen Beobachtungen zu ihrer Hündin Pumpernickel.

Miklósi, Á.: Hunde. Evolution, Kognition und Verhalten. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2011

Morell, V.: Animal Wise: How We Know Animals Think and Feel. Penguin Random House 2014


Quellen

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Andics, A. et al.: Voice-Sensitive Regions in the Dog and Human Brain Are Revealed by Comparative fMRI. In: Current Biology 24, S. 574-578, 2014

Custance, D., Mayer, J.: Empathic-Like Responding by Domestic Dogs (Canis familiaris) to Distress in Humans: An Exploratory Study. In: Animal Cognition 15, S. 851-859, 2012

Gácsi, M. et al: Attachment Behavior of Adult Dogs (Canis familiaris) Living at Rescue Centers: Forming New Bonds. In: Journal of Comparative Psychology 115, S. 423-431, 2001

Gácsi, M. et al: Species-Specific Differences and Similarities in the Behavior of Hand-Raised Dog and Wolf Pups in Social Situations with Humans. In: Developemental Psychobiology 47, S. 111-122, 2005

Hare, B. et al.: The Domestication of Social Cognition in Dogs. In Science 298, S. 1634-1636, 2002

Hecht, J. et al: Behavioral Assessment and Owner Perceptions of Behaviors Associated with Guilt in Dogs. In: Applied Animal Behaviour Science 139, S. 134-142, 2012

Horowitz, A.: Disambiguating the "Guilty Look": Salient Prompts to a Familiar Dog Behaviour. In: Behavioural Processes 81, S. 447-452, 2009

Konok, V. et al: The Behavior of the Domestic Dog (Canis familiaris) during Separation from and Reunion with the Owner: A Questionnaire and an Experimental Study. In: Applied Animal Behaviour Science 135, S. 300–308, 2011

Konok, V. et al: Influence of Owners' Attachment Style and Personality on Their Dogs' (Canis familiaris) Separation-Related Disorder. In PLoS One 10, e0118375, 2015

Miklósi, Á. et al.: Use of Experimenter-Given Cues in Dogs. In: Animal Cognition 1, S. 113-121, 1998

Naderi, S. et al.: Co-operative Interactions between Blind Persons and Their Dogs. In: Applied Animal Behaviour Science 74, S. 59-80, 2001

Ostojić, L., Clayton, N.: Behavioural Coordination of Dogs in a Cooperative Problem-Solving Task with a Conspecific and a Human Partner. In: Animal Cognition 17, S. 445-459, 2014

Pongrácz, P et al.: Social Learning in Dogs: The Effect of a Human Demonstrator on the Performance of Dogs in a Detour Task. In: Animal Behaviour 62, S. 1109-1117, 2001

Topál, J. et al.: Attachment Behavior in Dogs (Canis familiaris): A New Application of Ainsworth's (1969) Strange Situation Test. In: Journal of Comparative Psychology 112, S. 219-229, 1998

Topál, J. et al.: Reproducing Human Actions and Action Sequences: "Do as I Do!" in a Dog. In: Animal Cognition 9, S. 355-367, 2006

Yong, M. H., Ruffman, T.: Emotional Contagion: Dogs and Humans Show a Similar Physiological Response to Human Infant Crying. In: Behavioural Processes 108, S. 155-165, 2014