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Beratungsstellen der Bundesregierung



ie sogenannten nationalen Kontaktstellen (NCPs, National Contact Points) in den europäischen Mitgliedstaaten informieren und beraten über die einzelnen Programme und Förderaktivitäten des europäischen Forschungsrahmenprogramms. Bei diesen rein national betriebenen Büros sind die unterschiedlichsten Organisationsstrukturen verwirklicht: von einzelnen Mitarbeitern zuständiger Ministerien über eher zufällig ausgewählte Einzelpersonen, die sich innerhalb großer nationaler Wissenschaftsorganisationen um bestimmte Förderschwerpunkte kümmern, bis hin zu großen Agenturen, bei denen die gesamte Beratung zur europäischen Forschungsförderung unter einem Dach zusammengefaßt ist.

Allen gemeinsam ist die Erkenntnis der verantwortlichen Regierungsstellen, daß eine noch so gute zentrale Informationspolitik der Europäischen Kommission nicht ausreicht, die europäischen Förderprogramme zum gewünschten Erfolg zu führen. Diese Programme müssen vielmehr in den jeweiligen nationalen Kontext von Forschung und Entwicklung und deren Förderung eingebunden werden.


Projektträger und nationale Kontaktstellen in Deutschland


In Deutschland hat sich seit langem eine sachbezogene Zuordnung bewährt: Die nationalen Kontaktstellen sind jeweils bei Projektträgern der Bundesministerien für Bildung und Forschung (BMBF) und für Wirtschaft und Technologie (BMWi) angesiedelt. Diese Projektträger sind Managementorganisationen, die im Auftrag der Bundesregierung einzelne nationale Forschungsprogramme betreuen, etwa Gesundheitsforschung, Abwassertechnologien oder Neue Materialien und Werkstoffe. Somit haben die Projektträger einen ausgezeichneten Überblick über die deutsche Forschungslandschaft in ihrem jeweiligen Fördergebiet und gute Kontakte zu den entsprechenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowohl in öffentlicher als auch industrieller Forschung.

Diese Fachkenntnisse gewährleisten einerseits optimale Synergien zwischen nationaler und europäischer Förderung, andererseits die effiziente Einbindung deutscher Partner in europäische Projekte. Parallel zur Ausdifferenzierung des europäischen Forschungsrahmenprogramms entstand in den letzten zehn Jahren ein auf den ersten Blick sehr komplexes, letztendlich aber pragmatisch optimiertes Netzwerk nationaler Kontaktstellen in Deutschland (siehe Seite A72).

Es besteht das Prinzip, die einzelnen Fördermaßnahmen so fachnah wie möglich zu betreuen. Darum sind auch die Fachkontaktstellen die Grundlage des Beratungsnetzes. Für jede der Schlüsselaktionen der vier vertikalen, fachspezifischen Programme des Rahmenprogramms besteht eine solche Fachkontaktstelle bei dem jeweils geeignetsten Projektträger der Bundesregierung.

Durch die sachbezogene Zuordnung ist nun aber die Betreuung einzelner Programmbereiche zum Teil geographisch sehr weit gestreut. Abhilfe hat hier eine Programmkoordinierungsstelle geschaffen, die die Fachkontaktstellen in übergreifenden Fragen unterstützt und koordiniert, sie in den entsprechenden Beratungsgremien der Europäischen Kommission vertritt und so den Informationsfluß aus Brüssel zu den einzelnen Fachkontaktstellen – und umgekehrt – sicherstellt. Außerdem dient sie den Bundesministerien als koordinierende Ansprechstelle für das jeweilige Gesamtprogramm.

Für die zwei horizontalen Programme INCO (International Cooperation) und IHP (Improving the Human Potential) wurde eine gemeinsame Querschnittskontaktstelle eingerichtet, für das Programm zu Innovation und KMU (kleine und mittelständische Unternehmen) gibt es verschiedene, spezialisierte Kontaktstellen.

Aufgrund der relativ unübersichtlichen Struktur des fünften Rahmenprogramms wurde in diesem Verbund zusätzlich eine "Allgemeine Informationsstelle zum fünften Rahmenprogramm" bei der Querschnittskontaktstelle eingerichtet, um Interessenten, die mit den Strukturen des Rahmenprogramms bisher nicht vertraut sind, zu beraten und schnellstmöglich an die jeweils kompetenteste Fachkontaktstelle weiterzuleiten.


Das Serviceangebot


Zunächst einmal verbreiten die Kontaktstellen Informationen zu "ihren" Fördermaßnahmen, aufgearbeitet für ihre jeweilige Zielgruppe in Deutschland und direkt angereichert mit jahrelanger Erfahrung in der Interpretation der Brüsseler Programmtexte. Neben Rundschreiben und Informationsveranstaltungen dienen hierzu die stets aktualisierten Seiten im Internet. Die eigentliche Spezialität der Kontaktstellen besteht jedoch in der individuellen, programm-spezifischen Beratung von Antragstellern. Diese umfaßt häufig sogar das Durcharbeiten der Anträge, also auch formale, strukturelle und inhaltliche Anregungen und Verbesserungsvorschläge. Darüber hinaus bieten viele Kontaktstellen spezifische Partnervermittlung als Dienstleistung an.

All dies geschieht natürlich im Zusammenspiel mit anderen Netzwerken lokaler, regionaler oder spezifisch auf bestimmte Interessentengruppen orientierten Beratungseinrichtungen. Im öffentlich geförderten Bereich sind dies auf lokaler Ebene besonders die EU-Referenten, die es in der einen oder anderen Weise an fast allen Universitäten und öffentlichen Forschungseinrichtungen gibt. Mit einer meist sehr umfangreichen Mischtätigkeit betraut, sind sie fast immer Generalisten, die natürlich über exzellente Kenntnisse der Forschungslandschaft ihrer Einrichtung verfügen. Bis zu einer gewissen Beratungstiefe sind sie die ersten Ansprechpartner für den Ratsuchenden – wenn es etwa darum geht, zunächst seine eigenen Forschungsaktivitäten in das Brüsseler Gefüge einordnen zu können, oder wenn er Antragsunterlagen und allgemeine Auskünfte benötigt. Es gehört zu den Aufgaben der nationalen Kontaktstellen, diese wichtigen Multiplikatoren am Ort stets auf dem aktuellsten Informationsstand zu halten und ihnen das nötige Erfahrungswissen zu vermitteln, das für eine erste Antragsberatung notwendig ist.


Regionale Informationsveranstaltungen



Umgekehrt unterstützen die EU-Referenten in Universitäten und Forschungseinrichtungen die Arbeit der Kontaktstellen, indem sie etwa die Erstinformation und Erstberatung übernehmen, ihnen Antragsteller zur konkreten Antragsberatung zuleiten und am Ort Informationsveranstaltungen organisieren, auf denen die Kontaktstellen Interessenten erreichen können.

Im Bereich der industriellen Forschung und Entwicklung ist die Beratungslandschaft sehr komplex. Auch hier stehen die Kontaktstellen allen, auch kommerziellen Beratern, kostenlos mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung zur Verfügung. Darüber hinaus unterhält das Programm "Innovation" des vierten Forschungsrahmenprogramms seit 1995 ein europaweites Netz von 52 sogenannten Innovation Relay Centers (IRC). Dazu kommen in den Staaten Mittel- und Osteuropas, die vermutlich demnächst dem Forschungsrahmenprogramm beitreten, die FEMIRCs (Fellow Members of the IRCs). Eine vollständige Liste kann im Internet unter der Adresse http://www. cordis.lu/irc/src/whoswho/whowho.htm eingesehen werden, ist aber auch bei der zuständigen nationalen Kontaktstelle für das Innovationsprogramm erhältlich (Fax: 07247/82-5523; E-Mail: juergen.wuest@ ttm.fzk.de).

Die Euro Info Centren (EIC) sind Informationsstellen, die bei der Wirtschaft nahestehenden Organisationen mit meist weitergehendem Infomationsangebot angesiedelt sind. Fünf Netzkoordinatoren mit etwa 20 Partnern sind in Deutschland (insgesamt sind es europaweit mehr als 200 solcher Stellen) tätig. Sie werden in beschränktem Umfang von der Generaldirektion 23 der Europäischen Kommission (Unternehmenspolitik, Handel, Tourismus und Sozialwirtschaft) unterstützt und dienen Wirtschaftsunternehmen als Erstberatungsstellen. Die Liste der deutschen EICs ist im Internet unter der Adresse http://www.eic.de erhältlich.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 2 / 1999, Seite 968
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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