Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten von Gehirn&Geist frei zugänglich.

Hirnforschung: Heckenrose im Kopf

Englische Wörter haben zuweilen Dutzende möglicher Übersetzungsvarianten. Und so könnte man den Namen »rosehip«, auf den Forscher um Ed Lein vom Allen Institute for Brain Science und Gábor Tamás von der Universität Szeged in Ungarn nun ein neu entdecktes Neuron tauften, profan mit »Hagebutte« übersetzen. Doch die Nebenbedeutung »Heckenrose« beschreibt die fein verzweigte Zelle deutlich besser.

Bei dem neuen Typus von Nervenzellen handle es sich um ein so genanntes Zwischenneuron, das andere Nervenzellen miteinander verschaltet, erklären die Wissenschaftler. Seinen Sitz hat es in der ersten der insgesamt sechs Schichten der Großhirnrinde, wo die »Heckenrose« über den Neurotransmitter GABA hemmende Signale an die Pyramidenzellen schickt und somit deren Aktivität dämpft und kontrolliert. Das Besondere dabei sei, dass sich die Zellen nur an bestimmten Stellen anlagerten, was eine sehr spezifische Funktion nahelege – ähnlich einer Bremse, die an den Stellen funktioniert, wo andere Bremsen nicht greifen, so die Forscher. Die Neurone könnten schätzungsweise ein gutes Zehntel der hemmenden Neurone in der oberen Schicht der Hirnrinde ausmachen.

Die ungarischen Forscher waren auf die Zellen in Proben aus Hirngewebe von mehreren Patienten gestoßen. Die Gewebeproben des US-Teams stammten von zwei verstorbenen Männern mittleren Alters, die ihren Körper der Forschung gespendet hatten. Bei Nagern konnten die Forscher die »rosehip«-Neurone nicht ausmachen. Das bedeute aber noch nicht, dass die neue Hirnzelle einzigartig für den Menschen sei. Als Nächstes wollen die Wissenschaftler die Hecken­rosen-Neurone auch in anderen Hirnregionen sowie bei Menschen mit Hirnerkrankungen aufspüren, um mehr über ihre Funktion zu erfahren.

12/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 12/2018

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quelle
Nat. Neurosci. 21, S. 1185–1195, 2018