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Legasthenie: Schwache Verbindung

Eine aktuelle Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) mit der Stärke bestimmter Verbindungen im Gehirn zusammenhängt. Wie die Arbeitsgruppe um Katharina von Kriegstein von der Technischen Universität Dresden entdeckte, haben männliche Betroffene weniger Verbindungen zwischen dem auditorischen Thalamus, der Hörsignale ans Großhirn weiterleitet, und dem Planum temporale, jenem Areal in der Großhirnrinde, das für das Hören von Sprachlauten zuständig ist. Das Resultat passt zu der seit Längerem in Fachkreisen verbreiteten Hypothese, dass LRS mit einer gestörten Sprachverarbeitung zusammenhängt.

Das Team um die Forscherin untersuchte das Gehirn von Betroffenen mit Hilfe der so genannten Diffusions-Tensor-Bildgebung, die Rückschlüsse auf die Orientierung und Länge von Nervenfasern erlaubt. Die Menge der Verbindungen zwischen Thalamus und Planum temporale korrelierte dabei mit den Ergebnissen, welche die Teilnehmer in einem Test erzielten, bei dem sie Buchstaben und Zahlen möglichst schnell benennen mussten. Kontrollprobanden ohne Legas­thenie schnitten im Lesetest ebenfalls umso besser ab, je stärker die Nervenverbindung in den entsprechenden Bereichen bei ihnen ausgeprägt war.

Die Ergebnisse böten einen neuen Einblick in die neuronalen Korrelate der Schreib- und Lesefertigkeiten, schreiben die Autoren in ihrer Veröffentlichung – und deuten zudem auf potenzielle Behandlungsmöglichkeiten für diese Störungen hin. »Ein Verständnis über die neuronalen Grundlagen der LRS wird entscheidend dafür sein, frühe Diagnostik und auch gezielte Therapien zu entwickeln«, erklärt Katharina von Kriegstein.

5/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 5/2019

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  • Quelle
Journal of Neuroscience 10.1523/JNEUROSCI.1435-18.2018, 2019