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News: Ein Vetter von El Niño

Im Indischen Ozean gibt es einen Klimazyklus, der dem El Niño des Pazifiks vergleichbar ist. Die Umkehrung des Temperaturgradienten führt hier zu heftigen Niederschlägen in Ostafrika, während die Monsunregen in Indien ausbleiben oder zumindest deutlich schwächer sind als gewöhnlich. Bisher sind Wissenschaftler davon ausgegangen, daß die beiden Klimaereignisse aneinander gekoppelt sind. Eine umfangreiche Untersuchung von Wasser- und Lufttemperaturen sowie Windgeschwindigkeiten zeigt jedoch, daß der 'indische El Niño' eine eigene Dynamik hat.
Das El Niño/Southern Oscillation System, kurz ENSO, sorgt dafür, daß alle zwei bis zehn Jahre warmes Wasser aus dem westlichen Pazifik nach Osten strömt. Das warme Oberflächenwasser bringt das gesamte Klimageschehen durcheinander, da sich nun aufsteigende und absteigende Luftbewegungen umkehren. Die Folge sind starke Niederschläge und Flutkatastrophen in sonst zu der Jahreszeit trockenen Gebieten, während in Gegenden, in denen sonst zu dieser Zeit Regen fällt, Dürre herrscht.

Die Ereignisse beeinflussen ebenfalls die Passatwinde entlang des gesamten Äquators, zu denen auch der Indische Monsun gehört. In den Jahren von 1960 bis 1988 schien der Indische Monsun auch tatsächlich sehr eng mit dem ENSO verknüpft zu sein. Seither läßt sich jedoch kein eindeutiger Zusammenhang mehr erkennen.

Schon seit längerem ist bekannt, daß auch der Indische Ozean ein dem ENSO vergleichbares System besitzt, in dem das Klima eng mit den Wassertemperaturen und Meeresströmungen verknüpft ist. In einem Forschungsprojekt unter der Leitung von Peter Webster, Direktor des Program in Atmospheric and Oceanic Sciences der University of Colorado, Boulder, fanden Wissenschaftler nun heraus, daß dieses System jedoch seine eigene Dynamik hat und nicht an das ENSO gebunden ist (Nature vom 23. September 1999).

So kehrte sich in 16 Jahren zwischen 1950 und 1998 auch im Indischen Ozean – wie bei El Niño im Pazifik – der Gradient der Oberflächentemperaturen um. Wie Webster und seine Kollegen feststellten, waren jedoch nur drei davon auch Jahre mit einem El Niño. 1997 und 1998 verursachte der Indische Monsun in Afrika die bisher niederschlagsreichsten Jahre. Verheerende Folgen waren der Ausbruch einer Rift-Valley-Fever-Epidemie sowie Cholera- und Malariaerkrankungen. "Dieses Ereignis war völlig unabhängig von El Niño", erläutert Webster.

Im Rahmen des Projektes legten die Wissenschaftler im Golf von Bengalen mehrere Nord-Süd-Transekte über eine Entferung von insgesamt über 15 000 Kilometern hinweg. Sie maßen die Veränderungen im Gradienten der Wassertemperaturen und des Salzgehaltes bis in mehr als vierhundert Meter Tiefe. Mit verschiedenen Radarmessungen, sechs bis acht Wetterballons täglich und Satellitendaten ermittelten sie die Lufttemperaturen und die Windgeschwindigkeiten von der Meeresoberfläche bis in etwa zwanzig Kilometer Höhe. Während einer Messung im Jahre 1998 stellten die Wissenschaftler fest, daß in einer Tiefe von etwa 45 Metern die Wassertemperatur je Meter um fünf Grad Celsius abnahm.

"Ich glaube, die Menschen sind ein wenig 'El Niño-zentrisch' geworden", meint Webster. "Sicher spielt El Niño eine entscheidende Rolle in den klimatischen Veränderungen auf unserer Erde, aber es gibt auch einige unabhängige Klimavariabilität. Wenn wir den Motor des Monsuns im Indischen Ozean besser verstehen, werden wir auch in der Lage sein, bessere Vorhersagen über seinen Verlauf und seinen Einfluß zu machen."

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