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Deutscher Krebspreis: Ausgezeichnet: Farbige Fischerei und erzwungener Selbstmord



Diese "Fish and Chips" gibt es nicht an der Imbissbude, und sie stillen auch nicht den Hunger. Fish (Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung) spürt vielmehr Schäden in Chromosomen auf, indem einzelne Gene in der Zelle mit rotem oder grünem Fluoreszenzfarbstoff markiert werden. Das dabei entstehende Muster der Gendefekte in Krebszellen birgt wichtige Informationen für die Heilungschancen. Die Methode wurde bereits 1988 von dem Team um Peter Lichter, Leiter der Abteilung Molekulare Genetik am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, entwickelt und wird heute weltweit in der Tumorforschung eingesetzt. Aus einer Variante des Verfahrens entstanden die Chips, genauer die DNA-Chips, die eingesetzt werden, um Tumorzellen mit gesunden Zellen zu vergleichen. Für diese Arbeiten erhält Lichter den experimentellen Teil des Deutschen Krebspreises 2002.

Der klinische Teil des Preises geht an Klaus-Michael Debatin, Direktor der Universitätskinderklinik und Poliklinik Ulm. Debatin wird für seine Forschungen zum programmierten Zelltod (Apoptose) ausgezeichnet. Debatin entdeckte einen molekularen Schalter an der Zelle, über den diese zum Selbstmord gebracht werden kann. Auch verschiedene Chemotherapeutika, die in der Krebstherapie eingesetzt werden, benutzen diesen Signalweg, um die Tumorzellen zu zerstören. Wird die Übertragung blockiert, entsteht eine Resistenz. Debatin und seine Mitarbeiter haben nun eine neue Substanzgruppe identifiziert, die Tumoren des Nervengewebes zur Apoptose zwingt. Die Forscher hoffen, damit neue Therapieansätze entwickeln zu können, die therapieresistente Krebszellen wieder behandelbar machen.

Lichter studierte Biologie und promovierte in Heidelberg. Nach einem Forschungsaufenthalt in den USA forscht er seit 1990 am Deutschen Krebsforschungszentrum. Im November 2000 wurde er an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg zum Professor ernannt.

Debatin studierte Medizin in Ulm, Freiburg und Heidelberg, wo er 1979 promovierte. Nach mehreren Auslandsaufenthalten und verschie-denen Positionen in Deutschland wurde er 1995 Leiter der Abteilung Molekulare Onkologie/Pädiatrie am DKFZ. Seit 1997 ist der habilitierte Arzt für Kinderheilkunde ärztlicher Direktor der Universitäts-Kinder-klinik Ulm.

Der Deutsche Krebspreis wird jährlich zu gleichen Teilen für hervorragende Arbeiten im deutschsprachigen Raum verliehen, die aus der experimentellen Krebsforschung und der Tumordiagnostik und -behandlung stammen, und ist mit insgesamt 15000 Euro dotiert.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 2002, Seite 107
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
7 / 2002

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 7 / 2002

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