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Ausserirdisches: Intelligent Life in the Universe

From Common Origins to the Future of Humanity
Springer, Berlin 2003. 261 Seiten, € 74,85


Undenkbar, dass wir die einzigen intelligenten Wesen im All sind! 1022 Sterne ziehen ihre Bahnen durch den Kosmos. Um viele von ihnen kreisen Planeten, gewärmt vom Licht ihrer Sonnen. Gleichen manche davon der Erde, haben sie vielleicht Leben hervorgebracht und beherbergen möglicherweise viel ältere Zivilisationen als die unsere? Damit Gedankenspiele über die Existenz Außerirdischer nicht zum hochspekulativen Zeitvertreib geraten, hat sie Peter Ulmschneider, Professor für Theoretische Astrophysik an der Universität Heidelberg, auf eine solide wissenschaftliche Grundlage gestellt.

Seinen Lesern bietet er eine profunde Einführung in die Entstehung von Planeten, Leben und Intelligenz. Wie bilden sich Planeten, wie gelangt Wasser auf manche von ihnen, und welche äußeren Umstände machen sie dauerhaft bewohnbar?

Anschließend wechselt der Autor abrupt von Astronomie und Physik zu Biologie und Genetik. Die junge Erde als chemisches Labor schildert Ulmschneider ebenso kenntnisreich wie die Frühphasen des Lebens bis hin zur DNA-Hybridisierung und der Entwicklung des Gehirns.

Leichte Kost wird nicht geboten. Das Inhaltsverzeichnis steht dem eines Lehrbuchs kaum nach, der Text ist knapp gehalten, wenn auch durch zahlreiche Grafiken aufgelockert. Erst wer sich vom Urknall bis zur kulturellen Evolution des Menschen durchgearbeitet hat, dringt allmählich zum eigentlichen Thema des Buches vor. Deuten die mikroskopischen Strukturen auf dem Marsmeteoriten ALH84001 tatsächlich auf Leben hin? Sind die bislang gefundenen mehr als einhundert extrasolaren Planeten Kandidaten für bewohnte Welten? Eine kleine Methodenlehre, wie sich weitere Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdecken lassen, führt zudem in die Schwierigkeiten der Suche nach E. T. ein.

Am Ende zeigt sich, wie sehr wir bei der Frage nach den Außerirdischen eben doch auf Vermutungen angewiesen sind. Ein Blick in die mögliche Zukunft unserer eigenen Zivilisation muss ersetzen, was wir über die da draußen nicht wissen können. Systematisch analysiert Ulmschneider daher die Optionen der Menschheit: von der vergleichsweise nahe liegenden Ausbeutung der Rohstoffe auf Asteroiden über die Kolonisierung des Sonnensystems bis hin zur Möglichkeit von Raumreisen.

In nicht allzu ferner Zukunft werden wir Ulmschneider zufolge den Bauplan unseres Gehirns kennen und dann unser eigenes genetisches und biologisches Potenzial ausschöpfen, möglicherweise auch Androiden bauen können. Allerdings nur, wenn wir die allgegenwärtige Bedrohung unserer Welt meistern, ob durch Virusinfektionen, Asteroideneinschläge oder irrationales Handeln mit den Folgen Krieg und Umweltzerstörung.

Lesenswert ist Ulmschneiders Buch allemal: Präzise, systematisch und kompakt referiert der Autor über ein hochinteressantes Themengebiet, in einer beeindruckenden Mischung aus Überblicksvorlesung und detaillierter Analyse. Der Anspruch, aus einem Blick in unsere eigene Vergangenheit und die nähere Zukunft Wesentliches über unsere kosmischen Nachbarn ableiten zu können, wird allerdings nicht erfüllt. Zu unverbunden stehen die einzelnen Teile des Buches nebeneinander, zu wenig dienen sie als Voraussetzung für weiterführende Überlegungen. Zudem geraten zentrale Themen ärgerlich knapp: Intelligenz, kulturelle Evolution oder die Erzeugung von Leben im Labor, auf jeweils ein bis zwei Seiten zusammengestaucht, lassen sich – auf gegebenem Niveau – nicht mehr informativ abhandeln.

Möglicherweise werden wir nie Kontakt zu höher entwickelten extraterrestrischen Wesen herstellen. Die nämlich haben nach der 1973 formulierten "Zoo-Hypothese" von John Ball gute Gründe, die Tatsache ihrer Gegenwart zu verschleiern. Wenn sie tatsächlich seit Jahrmillionen existieren, ohne sich selbst in den Untergang gestürzt zu haben, dann verfügen sie sehr wahrscheinlich über ein hohes Maß an ethischer Disziplin. Daher werden sie den – vermutlich katastrophalen – Zusammenprall ihrer Gesellschaft mit unserer vergleichsweise unterentwickelten Kultur zu vermeiden suchen.

Was uns bleibt, ist also die Entdeckung von Leben auf einer niedrigeren Entwicklungsstufe. Bis wir es aufgespürt haben, können noch Jahrtausende vergehen. Dann allerdings werden wir uns vielleicht ebenfalls dafür entscheiden, es sich ungestört entfalten zu lassen.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 8 / 2003, Seite 89
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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