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Kurzmeldungen


6. 2. 1998
Fremdorgane: Gentherapie statt Immunsuppression


Kim M. Olthoff und sein Team an der Universität von Pennsylvania in Phil-adelphia konnten eine Spenderleber genetisch so verändern, daß sie von dem Empfängertier ohne Immunsuppression dauerhaft toleriert wurde. Mit einem Adenovirus als Vektor übertrugen die Forscher auf die Zellen des Organs ein Gen, dessen Proteinprodukt ein Hilfssignal blockiert, das zur Akti-vierung der T-Lymphocyten des Im-munsystems erforderlich ist.


10. 2. 1998
Krippentod durch Kaffee in der Schwangerschaft?


Eine statistische Untersuchung von R. P. K. Ford und seinen Kollegen an der Community Paediatric Unit in Christchurch (Neuseeland) ergab, daß von den Frauen, deren Säugling an nächtlichem Atemstillstand gestorben war, doppelt so viele wie von anderen Müttern in der Schwangerschaft mindestens vier Tassen Kaffee pro Tag getrunken hatten. Möglicherweise gewöhnt sich das Atmungssystem des Fetus im Mutterleib an das Koffein und versagt nach der Geburt, weil es nicht mehr genügend stimuliert wird.


11. 2. 1998
Fischfang: Verlagerung zur Basis der Nahrungskette


Bei der Analyse der weltweiten Fischfangdaten der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen von 1950 bis 1994 fanden Daniel Pauly und seine Arbeitsgruppe an der Universität von Britisch-Kolumbien in Vancouver, daß sich der Fangschwerpunkt von Fischen wie Kabeljau und Schellfisch, die oben in der Nahrungskette stehen, zu solchen weiter unten – etwa den planktonfressenden Sardellen – verschoben hat. Durch jahrzehntelange Überfischung der Meere wurde demnach deren biologisches Gleichgewicht gravierend gestört. Dies gefährdet langfristig auch die Fischerei, weil sich die Qualität des Fangs kontinuierlich verschlechtert.


12. 2. 1998
Älteste fossile Ameisen


Donat Agosti und seine Kollegen am Amerikanischen Museum für Naturgeschichte in New York fanden in 92 Millionen Jahre altem Bernstein eingeschlossene Insekten, die anhand einer charakteristischen Drüse am Hinterbein als Ameisen identifiziert werden konnten (im Bild die bisher unbekannte Art Baikuris casei). Damit verlängert sich die dokumentierte Evolutionsgeschichte dieser Tiere um 50 Millionen Jahre bis in die Zeit, als noch die Dinosaurier die Erde beherrschten („Nature“, 29. 1. 1998).




22. 2. 1998
Zusammenhang zwischen Größe und Geburtsmonat


Im Frühjahr oder Sommer geborene Österreicher werden im Durchschnitt größer als im Herbst oder Winter auf die Welt gekommene. Auf dieses erstaunliche Faktum stießen Gerhard W. Weber und seine Kollegen an der Universität Wien bei der Auswertung der vom österreichischen Militär erhobenen Daten über die Wehrpflichtigen der Jahrgänge 1966 bis 1975. Offenbar wirkt viel Licht in den ersten Lebensmonaten wachstumsfördernd. Eine Rolle könnte das Zirbeldrüsenhormon Melatonin spielen, dessen Konzentration helligkeitsabhängig ist. Es beeinflußt die innere Uhr und vielleicht auch die Aktivität von Wachstumshormonen („Nature“, 19. 2. 1998).


23. 2. 1998
Chaos als Versteck für geheime Nachrichten


Nachdem Rajarshi Roy und Gregory D. VanWiggeren vom Georgia Institute of Technology in Atlanta Anfang der neunziger Jahre bereits gelernt hatten, die chaotischen Intensitätsschwankungen bestimmter Lasersysteme zu steuern, konnten sie nun nachweisen, daß sich dem chaotischen Signal Nachrichten überlagern und beim Empfänger wieder herausfiltern lassen – eine abhörsichere Methode zur Übermittlung vertraulicher Informationen.


25. 2. 1998
Die Netzhaut als Leinwand


Plastischere virtuelle Welten verspricht ein futuristisches Gerät, das die simulierte Wirklichkeit nicht auf einem Bildschirm vor dem Auge abbildet, sondern mit einem Laser und einem schnelldrehenden spiegelnden Vieleck direkt auf die Netzhaut projiziert. Wie der Elektronenstrahl eines Fernsehers über den Bildschirm wird bei dem Verfahren, das Mitarbeiter der Firma Philips und ein Team um Joseph Braat von der Technischen Universität Delft entwickelt haben, der Laserstrahl mit hoher Geschwindigkeit zeilenweise über die Netzhaut geführt.


5. 3. 1998
Miniatur-Brennstoffzelle


Eine batteriegroße Brennstoffzelle, die eine Forschungsgruppe unter Roland Nolte am Fraunhofer-Institut in Freiburg entwickelt hat, könnte die Stromversorgung tragbarer elektrischer Gerä-te revolutionieren. Mit einer Streifenmembran als Kernstück und einem Metallhydrid als elektrolytisch wiederaufladbarem Wasserstoffspeicher hat sie eine höhere Kapazität und längere Lebensdauer als Akkumulatoren und entlädt sich auch nicht selbst.


9. 3. 1998
Wassereis auf dem Mond


Am Boden polnaher Krater auf dem ansonsten staubtrockenen Erdtrabanten befindet sich offenbar noch gefrorenes Wasser von einst dort niedergegangenen Kometen. Darauf deutet der Nachweis von Wasserstoff durch das Neutronen-Spektrometer der Raumsonde Lunar Prospector. Zwar scheint das Eis weit verstreut und mit Gestein vermischt zu sein. Dennoch begünstigt sein Vorkommen den Bau und Betrieb einer bemannten Mondbasis.



Aus: Spektrum der Wissenschaft 4 / 1998, Seite 16
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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