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Verhaltensforschung: Nervöses Vollblut, gelassenes Kaltblut

Eine Studie von Jill Sackman von der Tierklinik in Southfield, Michigan, und Katherine Houpt von der Cornell University untersuchte Verhaltensweisen von Pferden. Rund 850 Pferdehalterinnen und -halter hatten online 25 Fragen zu ihrem Huftier beantwortet, darunter, wie gern es mit Artgenossen spiele, wie es auf fremde Menschen zugehe, wie bereitwillig es sich bürsten lasse und wie es neue Gegenstände im Stall erkunde.

Die Antworten ließen sich statistisch auf drei Eigenschaften reduzieren: Neugier, Nervosität und Bedrohlichkeit, schreiben Sackman und Houpt. »Diese drei Komponenten liegen der individuellen Persönlichkeit eines Pferds zu Grunde.« Die Begriffe führen allerdings ein wenig in die Irre. So verbirgt sich hinter dem Label Neugier zudem freundliches und verspieltes Verhalten; Bedrohlichkeit umfasst neben Drohgebaren stures Verhalten, und zu Nervosität gehört neben Ängstlichkeit und Erregbarkeit auch die Schwierigkeit, sich an Neues zu gewöhnen.

»Ponys waren unter den Pferden mit der am wenigsten nervösen Persönlichkeit«, stellten die Tierme­dizinerinnen fest. In den Augen ihrer Halterinnen und Halter zeigten außerdem Araber und Vollblüter im Schnitt am meisten Neugier und Kontaktfreude, die verbreiteten American Quarter Horses und so genannten Kaltblüter hingegen am wenigsten. Am nervösesten waren demnach Vollblüter und Araber, außerdem Saddlebreds und Walking Horses. Die Autorinnen vermuten hinter Neugier und Nervosität gemeinsame Erbanlagen: Bei Vollblütern habe man schon einen Zusammenhang mit dem Dopaminrezeptor-D4-Gen gefunden. Jahrhunderte organisierter Zucht hätten die Erbanlagen für das Temperament moderner Pferde­rassen tief greifend beeinflusst.

4/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 4/2019

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  • Quelle
J. Equine Vet. Sci. 72, S. 47–55, 2019