Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Neuronale Hemmung: Weniger ist manchmal mehr!

Lange Zeit dachten Forscher, dass viele neurologische und psychiatrische Erkrankungen auf einer zu geringen Hirnaktivität beruhen. Doch häufig ist genau das Gegenteil der Fall.
Chaos im KopfLaden...

Kennen Sie das: Jemand kommt auf Sie zu, begrüßt Sie freundlich, aber Ihnen fällt partout nicht ein, wer das ist? Oder Sie versuchen sich auf einen Zeitungsartikel zu konzentrieren, aber Ihre Gedanken schweifen immer wieder ab? Solche vorübergehenden Gedächtnislücken und gelegentliche Zerstreutheit erklären wir oft mit Aussagen wie »mein Gehirn schläft noch« oder »meine grauen Zellen sind noch nicht richtig in Schwung«. Wenn unser Denkorgan in irgendeiner Form nicht so gut arbeitet, wie wir es erwarten, neigen wir dazu, ihm zu unterstellen, es laufe auf Sparflamme.

Aber ist das wirklich so? Tatsächlich gingen viele Hirnforscher lange Zeit davon aus, dass kognitive Beeinträchtigungen wie Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen von einer zu geringen Aktivität bestimmter Hirnareale herrührten. Demnach müsse man die betreffenden Regionen anregen, um die Funktionen wiederherzustellen.

Neuere Untersuchungen an Patienten mit neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen zeigen allerdings, dass häufig das Gegenteil der Fall ist: Die neuronalen Hemmmechanismen funktionieren nicht richtig. Insbesondere in Hirnzentren wie dem präfrontalen Kortex und dem Hippocampus feuern die Nervenzellen weniger kontrolliert  …

8/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 8/2019

Kennen Sie schon …

Das Rätsel Bewusstsein

Spektrum Kompakt – Das Rätsel Bewusstsein

Neurowissenschaftler wie Philosophen gehen der Frage nach, was uns dazu befähigt, bewusst zu erleben.

Dossier 4/2019

Gehirn&Geist – Dossier 4/2019: Die Eroberung des Gehirns

Die Eroberung des Gehirns: Wegweisende Methoden – neue Einsichten: Organoide: Minihirne aus dem Baukasten • Hirnscans: Was die bunten Bilder aussagen • Neuronale Netze: Dem Schaltplan auf der Spur

Halluzinogene - Drogen, die die Wahrnehmung verändern

Spektrum Kompakt – Halluzinogene - Drogen, die die Wahrnehmung verändern

Diese psychotropen Substanzen lösen realitätsverzerrende Rauschzustände aus - manchmal sogar mit therapeutischen Effekten.

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen

Bast, T. et al.: Cognitive deficits caused by prefrontal and hippocampal neural disinhibition. Britsh Journal of Pharmacology 174, 2017

Haberman, R. P. et al.: Targeting neural hyperactivity as a treatment to stem progression of late-onset Alzheimer’s disease. Neurotherapeutics, 14, 2017

Heckers, S., Konradi, C.: GABAergic mechanisms of hippocampal hyperactivity in schizophrenia. Schizophrenia research, 167, 2015

Liddle, P. F. et al.: Patterns of cerebral blood flow in schizophrenia. The British Journal of Psychiatry 160, 1992

Maric, T. T. et al.: Prefrontal cortical gamma-aminobutyric acid transmission and cognitive function: drawing links to schizophrenia from preclinical research. Biological psychiatry 77, 2015

McGarrity, S. et al.: Hippocampal neural disinhibition causes attentional and memory deficits. Cerebral Cortex 27, 2017

Pezze, M. et al.: Too little or too much: hypoactivation and disinhibition of prefrontal cortex cause attentional deficits. Journal of Neuroscience 34, 2014

Schobel, S. A. et al.: Imaging patients with psychosis and a mouse model establishes a spreading pattern of hippocampal dysfunction and implicates glutamate as a driver. Neuron 78, 2013

Sperling, R. A. et al.: Functional alterations in memory networks in early Alzheimer’s disease. Neuromolecular Medicine 12, 2010

Tamminga, C. A. et al.: The hippocampal formation in schizophrenia. American Journal of Psychiatry 167, 2010

Tregellas, J. R. et al.: Intrinsic hippocampal activity as a biomarker for cognition and symptoms in schizophrenia. Journal of Psychiatry 171, 2014