Direkt zum Inhalt

Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1945

Eine der wichtigsten Grundlagen für die Planung des europäischen Wiederaufbaues sind zuverlässige Karten und Pläne; man braucht sie in den Masstäben 1:500 bis 1:5000; Photopläne in solchen von 1:200 bis 1:10000. Dieses Material muß möglichst bald in ausreichender Zahl und zu mässigen Kosten zur Verfügung stehen. Die klassischen topographischen Aufnahmeverfahren taugen hierfür nicht; ausser Zeit und Geldmitteln würde es namentlich für ihre Anwendung an den nötigen Vermessungsfachleuten fehlen. Dagegen ist die Stereophotogrammetrie das für diese Verhältnisse am besten geeignete Verfahren. Bei solchen Arbeiten ist vieles vorzusehen, denn es gibt Zonen, in denen durch die Kriegsereignisse alles zerstört ist: Katasterarchive, Eigentums- und Steuerregister, Pläne, Karten, Fixpunkte usw. In anderen Zonen werden einzelne Elemente noch erhalten sein. In beiden Fällen gestattet die Photogrammetrie eine rasche Kartierung der interessierenden Gebiete. Für Gebiete, in denen wenig oder gar keine Fixpunkte bestehen, erlaubt die Lufttriangulation eine schnelle Kartierung. (Schweizerische Bauzeitung, Bd. 126, Nr. 4, Seite 42)


1895

Jüngst zeigte Professor Dewar in der Royal Institution einen alten Bekannten der Photographie in neuer Form, nämlich das Brom in festem Zustand. Ein Glaskolben, gefüllt mit Bromdampf, wurde aussen mit flüssigem Sauerstoff umgeben; es kondensierte sich hierbei das Brom an den kalten Stellen, das Gas im Innern wurde nach und nach farblos, bis schliesslich alles Brom in festen Zustand übergegangen war und eine hellrote Masse bildete. Von der braunen Farbe des Broms war keine Spur übrig geblieben. (Photographische Mitteilungen, 32. Jg., Heft 7, Seite 110)

Einfluß des Waldes auf die atmosphärischen Niederschläge. In jüngster Zeit angestellte statistische Erhebungen haben gezeigt, daß eine rationelle Pflege des Waldes in der That die Menge der Niederschläge steigere. Dies ergiebt sich z. B. aus den meteorologischen Berichten Blanfords über Britisch-Ostindien; in dem Theil der Centralprovinzen, der zwischen dem Nerbuddafluß und der Ebene von Nagpur und Raipur liegt und der die Gebirgskette der Satpuras begreift, ist seit einer Reihe von Jahren der Wald gepflegt, und an die Stelle lückiger Bestände und weiter Oedungen sind ausgedehnte Strecken dichten Waldes getreten. Dadurch wurde die mittlere Regenhöhe seit 1875 um 150 Millimeter gesteigert. Aehnliches hat J. Studni`´cka bezüglich Böhmens nachgewiesen. Auf St. Helena fällt jetzt die doppelte Regenmenge wie während der Gefangenschaft Napoleons, und zwar in Folge künstlicher Beforstung. (Der Stein der Weisen, 14. Band, 1895, Seite 21)

Nachtheile physikalischer Institute durch elektrische Bahnen. Der bekannte, am 27. Mai in Charlottenburg angestellte Versuch hat eine beträchtliche Störung der feinen elektrischen Messinstrumente der physikalisch-technischen Reichsanstalt hervorgebracht. Die Abweichungen der Galvanometer betrugen bis 1,2 Bogenminuten, und die Unregelmässigkeiten bestanden in so fatalen, kurzen Stössen von so tückischem Charakter, dass sie jede Sicherheit der Beobachtung ausschliessen. Wenn diese von der Rückleitung des Stromes durch das Erdreich ausgehenden Störungen nicht zu beseitigen sind, so könne die Reichsanstalt nicht umhin, ihren Einspruch gegen den geplanten elektrischen Betrieb der Berlin-Charlottenburger Pferdebahn aufrecht zu erhalten. Die höchste zulässige Abweichung der Galvanometer sei 0,1 Bogenminute. (Central-Zeitung für Optik und Mechanik, XVI. Jg., No. 13, Seite 151)

Die jetzt ausssterbenden Prairiebüffel Amerikas zählten vor weniger als 25 Jahren auf den weiten Ebenen Nordamerikas von Texas bis Canada nach Millionen. Gegenwärtig sind nicht mehr als tausend dieser prachtvollen Thiere übrig geblieben; einige hundert befinden sich in Yellowstonepark und etwa ebenso viele in Canada, wo sie von den Regierungen gepflegt und gehegt werden. Nach einer neuern Nachricht gibt es im Athabasca-District noch wildlebend sogenannte Waldbisons. Ein solcher von ungewöhnlicher Stärke wurde von einem englischen Offizier auf einem Jagdzuge gestreckt, der hauptsächlich zu dem Zwecke unternommen worden war, um das Vorhandensein von Bisons und deren Stand festzustellen. Der Captain berichtete, daß in den nördlicher gelegenen Wäldern des erwähnten Districts Trupps der Waldbisons umherziehen, daß jedoch auch dort ihre Ausrottung zu befürchten ist. (Illustrierte Zeitung, Bd. 105, No. 2716, Seite 86)

Pneumatisches Gummiboot. Der Boden des seltsamen, unregelmäßig ovalen, in der Gestalt einem Pferdekummet ähnlichen Beckens aus dauerhaftem Gummistoff öffnet sich nach der Schmalseite in zwei herabhängende Stiefel oder Beinhüllen, von gleichem Material gefertigt, an deren Schäften flossenartige Schaufelräder befestigt sind, die bei der Vor- und Rückwärtsbewegung sich abwechselnd öffnen und schließen wie die Schwimmhäute an den Füßen der Wasservögel. Die schmale Seite des Ovals bildet den Bug, die breite Seite das Heck des Bootes. Ein unbewegliches Steuerruder, das hinten festgelegt ist, dient dazu, den Bug in Richtung zu halten. Die Schwimmkraft erhält das Boot durch Einblasen von Luft in die aus Gummiröhren zusammengesetzten Wandungen. Eine dieser Röhren läuft oben als Rand um das Fahrzeug, die andern sind in mehrere Querabtheilungen zerlegt, sodaß im ganzen vier tragfähige, voneinander getrennte und unabhängige Luftkammern entstehen und das Boot nicht sinken kann, auch wenn an einer oder mehrern Stellen der Gummistoff zufällig durchlöchert werden sollte. (Illustrirte Zeitung, Bd. 105, No. 2714, Seite 26)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 1995, Seite 87
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

Schreiben Sie uns!

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!