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Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1947

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin und Physiologie ist zwischen dem Forscherehepaar Professor F. Cory und Gerty Cory von der Washington-Universität in St. Louis und Dr. B. Houssay, Physiologe an der Universität Buenos Aires, aufgeteilt worden. (Göttinger Universitäts-Zeitung, 2. Jg., Nr. 23, Seite 13)

Uranofen in Harwell. Die englische Forschungsstelle für Atomenergie in Harwell, Berkshire, hatte im Sommer 1946 den Bau eines Uranofens mit Graphit in Angriff genommen, der im August 1947 mit Uran beschickt wurde und seitdem unter Versuchsbedingungen arbeitet. Der Uranofen hat keine spezielle Kühlvorrichtung, und er kann deshalb im Dauerbetrieb nur mit einer mittleren Wärmeentwicklung von 50 kW betrieben werden. Er dient zunächst als starke Quelle thermischer Neutronen für wissenschaftliche Untersuchungen, für Messung der Absorptionsquerschnitte und zur Herstellung einer kleineren Zahl radioak-tiver Isotope für England. Einer der Hauptgesichtspunkte beim Bau war die vielseitige experimentelle Anwendung zur Gewinnung der Unterlagen über Kontrolle, Anordnung und Werkstoffeigenschaften für geplante Uranöfen größerer Belastbarkeit. (Physik. Blätter, 3. Jg., Heft 11, Seite 397)

Fabriken ohne Arbeiter. Aus USA ist in den vergangenen Monaten mehrfach über Rechenmaschinen berichtet worden, mit denen Rechnungen ausgeführt werden können, wie sie bisher weder von menschlichen Gehirnen noch von den bisher bekannten Rechenmaschinen bezwungen werden konnten. Diese Rechenanlagen arbeiten mit Elektronenröhren. Eine in Deutschland gebaute Anlage, die ähnliche Leistungen verzeichnet, besitzt als Übertragungsorgane für die wirkenden Kräfte die üblichen mechanischen Maschinenelemente. Man hat nun in USA aus den Erfolgen mit den Rechenanlagen weitere Konsequenzen gezogen. Man will mit Hilfe der Elektronenröhren nicht nur wie bei den Rechenanlagen einzelne Aufträge, sondern Reihen solcher Aufträge in vielfacher Wiederholung ausführen lassen. Es würden dann vollständige Fabriken ihr Arbeitsprogramm erledigen können, ohne daß ein Mensch in den Arbeitsgang einzugreifen brauchte, nachdem einmal die Einstellung dieser "Fabrik ohne Arbeiter" vorgenommen worden wäre. (Orion, 2. Jg., Doppelheft 11/12)

Eine neuer Schwangerschaftstest. Bei der Methode des "Hogben-Testes" genügen etwa 100 ccm Morgenharn. Entweder wird eine bestimmte Menge des vorher entgifteten Harnes direkt in den dorsalen Lymphsack eines Krallenfrosch-Weibchens eingespritzt, oder es wird ein Aceton-Extrakt des Harnes hergestellt, von welchem je Frosch eine bestimmte Menge, die etwa 15-20 ccm Harn entspricht, injiziert wird. Liegt eine Schwangerschaft vor, so beginnen als Folge der Prolan-Wirkung schon nach kurzer Zeit die drei Afterläppchen anzuschwellen und sich zu röten, und nach 6-10 Stunden kommt es zur Ei-Ablage. Dieser neue Schwangerschafts-Test – "Hogben-Test" – ist den bisherigen Testmethoden in bezug auf Sicherheit gleichwertig und in bezug auf Schnelligkeit und Deutlichkeit weit überlegen, da ja das Ergebnis bereits innerhalb 6-10 Stunden vorliegt. (Urania, 10. Jg., Heft 5, November 1947, Seite 199)


1897

Der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen ist es gelungen, Indigo künstlich so billig herzustellen, dass er mit dem natürlichen in Konkurrenz treten kann, und ist dieser künstliche Indigo seit ganz kurzer Zeit auf dem Markt. Das Herstellungsverfahren wird strengstens geheim gehalten... Die Badische Anilin- und Sodafabrik hat bisher alle Patente, die sich auf künstliche Darstellung des Indigo oder Hilfsprodukte dazu bezogen, aufgekauft und ungeheure Summen für praktische Ausarbeitung der Methoden für den Fabrikbetrieb und für eigene Versuche ausgegeben. Wie man sieht nicht umsonst! denn die Bedeutung dieser Erfindung ist von unübersehbarer Tragweite; falls sie sich bewährt, wird der Anbau samt der Verarbeitung der Indigopflanze, eine Industrie, die in Indien viele Tausende ernährt, eingehen, die Indigoproduktion von dieser englischen Kolonie nach Deutschland gezogen und für den deutschen Arbeiter und den deutschen Handel nutzbringend. Statt dass wir den Indigo aus Ostasien importieren, werden wir in der Lage sein, ihn dorthin zu exportieren. (Die Umschau, 1. Jg., Nr. 46, 13. November 1897, Seite 829)

Das Aluminium-Luftschiff von C. Schwarz. Am 3. November, Nachmittags 3 Uhr stieg vom Tempelhofer Felde ein von dem verstorbenen Herrn Schwarz aus Aluminium hergestelltes, angeblich lenkbares Luftschiff auf, in dessen Maschinenraum der Schlosser Jagels, ein unlängst entlassener Soldat der Luftschiffer-Abtheilung, sich befand. Dasselbe fiel nach noch nicht 6 Minuten dauernder Fahrt, wobei es vom Winde getrieben 2,5 km zurücklegte, zwischen Schöneberg und Wilmersdorf zur Erde nieder, wobei es vollständig zusammenbrach, während es dem Insassen gelang, sich durch einen Sprung aus dem Schiffe bei der Landung zu retten... Das Aluminium-Luftschiff C. Schwarz war ein nach einem bis in das kleinste Detail durchgerechneten Projecte genial erbautes Meisterstück moderner Metallarbeit, durch dessen Bau zunächst nachgewiesen worden ist, dass derartige grosse und leichte Hohlkörper constructiv möglich sind, eine Thatsache, die mit Recht bisher angezweifelt wurde... In dem mit dem Gerüst des Schiffes starr verbundenen Maschinenraum war der gleichfalls im Wesentlichen aus Aluminium-Legierungen erbaute Daimler'sche Benzinmotor untergebracht. Derselbe hatte bei ca. 400 kg Gewicht eine Kraft von 10-12 Pferdestärken. Durch Uebertragung mittelst Treibriemen wurde vom Motor die ca. 3 m grosse Schiffsschraube am hinteren Theile des Maschinenraumes, sowie 2 kleinere seitlich am Schiffskörper angebrachte Schrauben bewegt. (Zeitschrift für Luftschiffahrt und Physik der Atmosphäre, XVI. Jg., Heft 11, 1897, Seiten 291 bis 293)



Aus: Spektrum der Wissenschaft 11 / 1997, Seite 117
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
11 / 1997

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 11 / 1997

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