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Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1947

Das Expeditionsziel der "Ersten deutschen Liberia-Expedition 1947", die unter dem Protektorat von Prof. Dr. Mertens, Leiter des Naturmuseums Senckenberg, Frankfurt a. M., steht, ist der Freistaat Liberia in Westafrika... Die Tierwelt dieser tropischen Regenwälder ist wissenschaftlich von großem Interesse, da sich hier eine eigenartige Zwergfauna findet, deren genauere Kenntnis für die verschiedenen Zweige der modernen Zoologie und Geographie von besonderer Bedeutung ist. Es seien hier nur erwähnt das Zwergflußpferd und Zwergmoschustier und die Zwergantilopenarten, unter denen sich die kleinsten Wiederkäuer der Welt mit nur 12 bis 13 cm Höhe befinden. Darüber hinaus werfen Fauna und Flora des Landes zahlreiche Fragen auf, deren Lösung von großem wissenschaftlichen Interesse ist. (Kosmos, 43. Jg., Heft 5, 1947, Seite 168)

Dunkelnebel und Sternenwerden. In Cambridge, USA, fand vor kurzem ein Treffen der bekanntesten Astronomen der USA statt, das den Zweck hatte, die neuesten Erkenntnisse über die Entstehung des Milchstraßensystems auszutauschen. Dr. H. C. van de Hulst berichtete, daß nach den letzten Ergebnissen der Forschung sich nur etwa die Hälfte aller in der Milchstraße befindlichen Materie zu Sonnen und Planeten geformt habe, während der andere Teil im Raum in Form freier Atome oder kleinster Staubkörnchen existiert. Er gab den Durchmesser dieser interstellaren Staubteilchen mit wenigen Hunderttausendstel Zentimetern und ihre Temperatur mit wenigen Graden Celsius über dem absoluten Nullpunkt an. Dr. Lyman Spitzer von der Yale University gab bekannt, daß sich die kosmischen Teilchen infolge des Strahlungsdruckes durch die umliegenden Sterne bewegen, sich hierbei einander nähern und infolge der Gravitationskraft aneinander haften bleiben. Auf diese Weise bilden sich immer größere Ansammlungen von kosmischen Teilchen, die zunächst die Form von kosmischen Dunkelnebeln annehmen, da sie infolge ihrer geringen Eigentemperatur nicht strahlen können. Professor Bart I. Bok an der Harvard University fand allein dreiundzwanzig dieser Dunkelnebelhaufen in einem Sternbild, in dem sie sich als dunkle Elemente gegen den leuchtenden Hintergrund abheben. (Orion, 2. Jg., Heft 5, 1947, Seite 257)

1897

Im Königl. Observatorium von Greenwich ist endlich das von Sir Henry Thompson geschenkte astronomische Teleskop aufgestellt worden. Es ist jedoch eher eine Vereinigung von verschiedenen Teleskopen und vermuthlich das stärkste Instrument seiner Art, das bis jetzt hergestellt wurde zur Vornahme astronomischer Forschungen vermittels Photographie... Unter den Neuerungen und Verbesserungen ist die bemerkenswertheste, dass eine vollständige Cirkumpolarbewegung des Instruments möglich ist, selbst wenn es nach dem Pol gerichtet wird. Es kann ausserdem die Bewegung eines Sternes auf seinem Lauf über den Meridian verfolgen, bis er am Horizont verschwindet, ohne dass es nöthig wäre, das Instrument zu kehren... Das Instrument kann auch zu spektroskopischen Zwecken gebraucht werden. Die Anordnung der verschiedenen Teleskope ermöglicht es, dass das Instrument beinahe sofort entweder für Beobachtungen vermittelst des Auges oder für photographische oder für spektroskopische Beobachtungen gebraucht werden kann. (Central-Zeitung für Optik und Mechanik, XVIII. Jg., No. 9, 1. Mai 1897, Seiten 88 und 89)

Das Atmen verwundeter Pflanzen. Jede lebende Pflanze atmet, gleichwie das Tier, d. h. sie nimmt aus der atmosphärischen Luft Sauerstoff auf und scheidet Kohlensäure aus. Dieser Prozess geht Tag und Nacht vor sich und zeigt sich besonders stark bei lebhaft wachsenden Pflanzenteilen, so bei sich entfaltenden Blüten und ganzen Blättern; sehr energisch ist der Atmungsprozess bei Keimpflanzen. Dass mit diesem Vorgange eine mehr oder weniger bedeutende Erhöhung der Temperatur verbunden ist, wurde bereits früher erwähnt. Es lag der Gedanke nahe, dass bei verwundeten Pflanzen eine Steigerung der Atmung eintrete, ohne dass hierfür bisher ein exakter Beweis vorlag. Nun hat Richards durch zahlreiche Experimente und Untersuchungen im Pfefferschen Institute zu Leipzig den Nachweis geliefert, dass verwundete pflanzliche Organismen thatsächlich stärker atmen als intakte. (Die Umschau, 1. Jg., No. 20, Mai 1897, Seite 361)

Höchste Eisenbahnbrücke. Am 1. Juli wird in der preussischen Rheinprovinz eine Bahnlinie dem Verkehr übergeben werden, welche über die höchste Thalbrücke Deutschlands geführt ist... Sie überspannt bei dem hübschgelegenen und beliebten Vergnügungsorte Müngsten das tiefeingeschnittene Thal der Wupper. Die Länge der Brücke einschliesslich der steinernen Endwiderlager beträgt 488 m, der Eisenconstruction selbst 365 m. Die Höhe der Brücke vom gewöhnlichen Wasserstande der Wupper bis zur Schiene beträgt 107 m. Sie ist die höchste Brücke im Deutschen Reiche, die zweithöchste Europas. Der Bogen hat eine lichte Spannweite von 160 m. Die Bogenpfeiler, von den Fusspunkten bis an die Fahrbahnconstruction, sind 65 1/2 m hoch, ohne jegliche Stütze, und die in Abständen von 30 und 45 m stehenden Landpfeiler haben eine Höhe von 47 bezw. 24 m. Auf diesem Pfeiler- und Bogensystem ruht die Construction der Fahrbahn, welche 6 m hoch und zwischen den Geländern 9 m breit ist. Sie hat zwei Geleise und drei Fusswege für das Bahnpersonal. (Uhland's Verkehrszeitung und Industrielle Rundschau, XI. Jg., Nr. 21, 27. Mai 1897, Seite 1)



Aus: Spektrum der Wissenschaft 5 / 1997, Seite 107
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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