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Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1948

Antibiotikaresistenz. Wer biologisch denkt, wer sich vergegenwärtigt, wie schnell die Sulfonamide bei der Gonorrhoe zu einer stumpfen Waffe wurden, und wer die unscheinbare Tatsache, daß primäre Penicillinversager bereits gemeldet wurden, gebührend bewertet, wird die zukünftige Entwicklung mit Sorge verfolgen. Denn im Prinzip handelt es sich bei den hier vorgeführten Erscheinungen nicht um ein paar Sonderfälle, sondern die Entstehung der „Eigenschaft Resistenz“ gegen chemische oder biologische Einwirkungen ist im gesamten Bereich des Organischen möglich. (Orion, 3. Jg., Heft 10, Seite 398)



Ebbe und Flut als Energiequellen. Die Theorie ist sich schon lange darüber im klaren, daß es Mittel und Wege gibt, die ungeheuren Energien, die sich in der Flut äußern, nutzbar zu machen. Dem Problem sind nun neuerdings französische Forscher und Ingenieure näher getreten. Man hat damit begonnen, in der Bucht von Mt. Saint-Michel, wo die Flut besonders hoch liegt, ein Werk aufzubauen. Da das Projekt gewaltige Summen verschlingt, ist als erstes eine Versuchsanlage in Grenoble hergestellt worden. Nachdem diese Station günstige Resultate gezeigt hat, wird nun an der bretonischen Küste bei Dinard zu Versuchszwecken eine weitere Anlage errichtet, die gleichfalls dem Ausbau des Großobjektes Mt. Saint-Michel in zahlreichen Versuchsreihen dient. Für Mt. Saint-Michel wird ein Damm von einer Länge von 25 Kilometern notwendig sein, der im offenen Meer von der Küste aus gebaut werden muß. Er wird dazu dienen, die Flut in einer großen Bucht aufzufangen, um ihren Rücklauf ins Meer zur Energiegewinnung auszuwerten. Das Meeresgezeiten-Stauwerk Mt. Saint-Michel soll in der Lage sein, jährlich fünfzehn Milliarden kWh Energie zu liefern. (Universitas, 3. Jg., Heft 10, Seite 1263)



Langlebiges Blutplasma. Das menschliche Blut entält 56% Blutflüssigkeit (auch Blutplasma) genannt und 44% geformte Bestandteile (rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen)... In USA ist es dank einer besonderen Konservierungstechnik gelungen, normales menschliches Blutplasma über drei Jahre in flüssiger Form aufzubewahren. In 3384 Fällen erhielten Patienten Transfusionen von konserviertem, 1–3 Jahre altem Blutplasma; diese Transfusionen verliefen gefahrlos; sie zeigten günstige Wirkungen. Während der langen Aufbewahrungszeit erleidet das Blutplasma verschiedene chemische Änderungen (z. B. verschwinden nach sechsmonatiger Aufbewahrung die Blutkoagulationsfaktoren und die Komplementbindungsfähigkeit), doch scheinen diese die weitere Verwendbarkeit des Blutplasmas nicht wesentlich zu beeinträchtigen. (Kosmos, 44. Jg., Heft 10/11, Seite 304)



Helgoland Sprengung. Eine ähnliche Verknüpfung der vielartigen geophysikalischen Erscheinungen zeigt die Auswertung der Helgoländer Sprengung vom 18. 4. 1947. Einerseits erwies sie die Bedeutung sprengseismischer Methoden zur Erkundung selbst tiefster Erdschichten. Andererseits ergab sie auf Grund systematischer Schallbeobachtungen und -Registrierungen, über die Professor Schulze (Hamburg) berichtete, ein Bild von der Temperaturschichtung der oberen Erdatmosphäre. Indirekte Schallwellen, in den hohen Luftschichten gebrochen, konnten bis über 400 km weit verfolgt werden. Aus ihrer Laufzeit läßt sich ein Temperaturanstieg bis +50° in 50 km Höhe errechnen, wie er auch durch Registrierungen amerikanischer V-2-Raketenaufstiege ermittelt worden ist. (Naturwissenschaftliche Rundschau, 1. Jg., Heft 4, Seite 177)

1898

Tausendstel-Secundenmessung. Zu den höchsten Leistungen aber auf dem Gebiet der Messung von Bruchtheilen einer Secunde gehört der von dem Altmeister der Uhrmacherzunft F. L. Löbner in Berlin construirte Apparat zur genauen Messung von 1/1000-Secunden. Die eigentliche Uhr ist auf einem fahrbaren Untergestell montirt und mit einem Zifferblatt von 3 Mtr. Durchmesser versehen. Das Zifferblatt zeigt am Rand zwei concentrische Ringe, deren äußerer in 360 Grad und deren innerer in 200 Theile zerlegt ist. Der ungefähr 11/2 Mtr. lange Zeiger wird durch ein Uhrwerk in eine so schnelle Drehung versetzt, daß er bei größter Geschwindigkeit in einer Secunde fünf Umgänge macht. In diesem Fall kommt also jeder durchlaufene Theilstrich des innern Rings dem Zeitraum einer 1/1000 Secunde gleich. Durch eine besondere Vorrichtung ist es auch ermöglicht, den Zeiger in einer Secunde nur eine oder drei Umgänge machen zu lassen. Da nun ein plötzliches Anhalten des in rasender Geschwindigkeit dahineilenden Zeigers, dessen Spitze in einer Secunde ungefähr 45 Mtr. zurücklegt, das Werk völlig zerstören würde, anderseits aber auch das Auge dem Lauf des Zeigers nicht zu folgen vermag, so bedient man sich zur Feststellung der Zeit eines photographischen Hülfsapparats. (Illustrirte Zeitung, Band 111, Nr. 2885, Seite 492)



Ein neuer Kleinplanet. Es mag nicht unerwähnt bleiben, dass die bei vielen grossen Entdeckungen beobachtete Duplizität auch hier eingetreten ist. Neben Witt in Berlin gelang es ganz unabhängig dem fleissigen Planetenentdecker Charlois in Nizza, den Planetoiden zu photographieren, ja sogar einen Tag früher wie Witt, da indessen Charlois seine Platte erst einige Tage nachher auf Planeten untersuchte und Witt sofort seine Entdeckung bekannt machte, so bleibt dem Deutschen unbestritten der Ruhm, und man hört bisweilen provisorisch den neuen Weltkörper auch als Planet „Witt“ bezeichnen. (Die Umschau, II. Jg., No. 40, 1898, Seite 685)



Anwendung der X-Strahlen bei der Armee. Für die englische Armee sollen eine grosse Anzahl Röntgenstrahlen-Apparate angeschafft worden sein. Der Zweck dieser Apparate ist, die genaue Lage von Geschossen im menschlichen Körper festzustellen. (Photographische Mitteilungen, 34. Jg., Heft 13, Seite 207)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 10 / 1998, Seite 8
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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