Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Tagträumen: Flucht aus der Wirklichkeit

Mentale Fantasiereisen entspannen, machen kreativ, bringen frischen Wind in den Kopf – oder doch nicht? Für manche werden sie zum Problem.
TagträumenLaden...

Wenn Hadas tagträumt, taucht sie ab in eine andere Welt. Eine, in der sie beliebt ist und mutig, einen Haufen Freunde hat und von ihrem Professor als großes Talent angesehen wird. Die überaus rosigen Tagträume der Studentin begannen, als sie eine gewisse soziale Ängstlichkeit entwickelte. In ihrer Fantasie konnte sie die Furcht, vor anderen sprechen zu müssen oder in peinliche Situationen zu geraten, ­wenigstens für eine Weile vergessen. Doch mit der Zeit wurde genau das zum Problem: »Ich träumte andauernd von Dingen, die nie geschehen sind«, sagt Hadas heute. »Unrealistische Sachen, die beinahe meinen gesamten Alltag ausfüllten. Ich vernachlässigte die Uni, meine Freunde und Hobbys und verkroch mich in eine Traumwelt.«

Dann erfuhr Hadas, dass ihr Problem einen Namen hat: »maladaptive daydreaming« (kurz: MD). Geprägt hat diesen Ausdruck Eli Somer, Professor für klinische Psychologie an der Universität Haifa in Israel. Er definierte das Phänomen erstmals 2002 als »reges Fantasieren, das menschliche Interaktionen ersetzt und/oder die Funktionstüchtigkeit beeinträchtigt«. Im Deutschen spricht man inzwischen meist von »zwanghaftem Tagträumen« …

11/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 11/2019

Kennen Sie schon …

36/2019

Spektrum - Die Woche – 36/2019

In dieser Ausgabe widmen wir uns der Toxoplasmose, dem Altern und der Utopie.

35/2019

Spektrum - Die Woche – 35/2019

In dieser Ausgabe widmen wir uns den Amazonasbränden, dem Baumsterben und Wachkoma.

Sport - Warum Bewegung gesund ist

Spektrum Kompakt – Sport - Warum Bewegung gesund ist

Bewegung ist gesund, daran herrscht wohl kein Zweifel. Und die gesundheitsfördernden Effekte reichen weiter, als manche vielleicht denken - von positiven Effekten aufs Immunsystem bis hin zu erfolgreichen Präventionsprogrammen bei Jugendlichen.

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen

Bigelsen, J., Schupak, C.: Compulsive fantasy: Proposed evidence of an under-reported syndrome through a systematic study of 90 self-identified non-normative fantasizers. Consciousness and Cognition 20, 2011 

Bigelsen, J. et al.: Maladaptive daydreaming: Evidence for an under-researched mental health disorder. Consciousness and Cognition 42, 2016

Meyer, T. D. et al.: Is risk for mania associated with increased daydreaming as a form of mental imagery?. Journal of Affective Disorders 135, 2011

Schupak, C., Rosenthal, J.: Excessive daydreaming: A case history and discussion of mind wandering and high fantasy proneness. Consciousness and Cognition 18, 2009

Somer, E.: Maladaptive daydreaming: A qualitative inquiry. Journal of Contemporary Psychotherapy 32, 2002

Somer, E. et al.: The comorbidity of daydreaming disorder (maladaptive daydreaming). Journal of Nervous and Mental Disease 205, 2017