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Schlichting!: Wenn der Wind die Harfe spielt

Von Luft umströmte Drähte erzeugen Wirbel, die sich hinter ihnen abwechselnd nach oben und unten hin ablösen. Aus dieser Schwingung werden unter den richtigen Umständen weithin hörbare Töne.
Windharfe im Alten Schloss Baden-Baden

Heute sieht man sie immer seltener, aber bis vor wenigen Jahrzehnten haben oberirdische Telegrafen- und Stromleitungen zahlreiche Haushalte mit Nachrichten und elektrischer Energie versorgt. Mit den typischen hölzernen Masten verschwindet auch ein eindrucksvolles akustisches Phänomen: Bei kräftigem Wind – oder wenn man sein Ohr an einen der Pfeiler hält – sind heulende, lang gezogene Töne zu hören, die mit der Windstärke auf- und abschwellen. Sie werden von den Drähten hervorgerufen, die darüber hinwegzziehende Luft in Schwingung versetzen. Die Masten fungieren dabei als Resonanzkörper.

In ländlichen Gegenden führen manchmal noch solche Leitungen zu den Häusern, doch meist sind sie verstummt. Denn inzwischen bestehen sie statt aus relativ dünnen Drähten aus dicken, isolierten Kabeln, die dafür weniger geeignet sind. Allenfalls Weidezäune aus einzelnen gespannten, zylindrischen Drähten bieten bei starkem Wind eine Chance auf ähnliche Töne.

Mit der Elektrifizierung hat das allerdings gar nichts zu tun; schon lange vorher haben die Menschen derartige vom Wind hervorgerufenen Klänge in der Natur wahrgenommen und versucht, sie mit Hilfe besonderer Vorrichtungen gewissermaßen einzufangen. Die Windharfen oder Äolsharfen (nach dem Windgott Aiolos) genannten Geräte waren bereits im Altertum bekannt. Das Wissen hat sich bis in die Neuzeit gehalten, wo der Universalgelehrte Athanasius Kircher (1602–1680) ein Exemplar baute. Erst während der Romantik im 19. Jahrhundert erlebte das Musikinstrument eine neue Blütezeit. Auch heute noch kann man Äolsharfen als Kunstwerke im öffentlichen Raum vorfinden oder sogar für den eigenen Garten kaufen …

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  • Quelle

Strouhal, V.: Über eine besondere Art der Tonerregung. Annalen der Physik und Chemie 241, 1878