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News: Bildungsinvestitionen braucht das Land: „Wissen” als Rohstoff für die Zukunft

Die diesjährigen Kürzungen im Bildungsetat betreffen unter anderem Bafög-Leistungen, Bibliotheksbestände und Bauprojekte. Eine ernsthafte Verbesserung der Studienbedingungen würde mehrere Hundert Millionen Mark kosten; da erscheinen die 40 Millionen Mark Soforthilfe für neue Bücher den Studenten eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Dabei sind Investitionen in die Ressource „Wissen” als Voraussetzung innovativer Entwicklungen gut angelegt, wie eine Studie der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg zeigt.
Wie sieht es jedoch mit den Langzeitwirkungen von Sparmaßnahmen im Bereich Bildung, Forschung und Entwicklung aus? Die vom Menschen produzierte Ressource „Wissen” ist die Grundlage für die Innovationsfähigkeit einer Volkswirtschaft schlechthin. Vor allem technisches Know-how spielt für eine dauerhaft umweltverträgliche Entwicklung eine wesentliche Rolle. Die Ressource „Wissen” kann dabei für die Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen gezielt genutzt und gefördert werden.

Vorschläge, wie Wissen besser genutzt und gefördert werden kann, enthält die Studie „Nachhaltigkeit und Humanressourcen” der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg (Stuttgart). Sinnvoll ist es danach,

  • flexibel verwendbare Schlüsselqualifikationen, wie zum Beispiel Team- und Kommunikationsfähigkeit
  • sowie Forschung und Entwicklung in grundlegenden und anstoßgebenden Technologien (z.B. Informationstechnik und Biotechnologie)

  • einen verbesserten Technologietransfer durch Beratungen und Konferenzen auf internationaler Ebene

  • und den Abbau von Handelshemmnissen und einen international durchsetzbaren Patentschutz zu fördern.

    Dies nennt die Studie als Voraussetzungen für eine Politik, die neue Arbeitsplätze in den Kommunikations- und Informationsindustrien, im Transport- und Handelsgewerbe sowie im Dienstleistungssektor schaffen könnte. Dagegen werden der Land- und Forstwirtschaft sowie dem verarbeitenden Gewerbe künftig eine geringere gesamtwirtschaftliche Bedeutung zukommen.

    Die Ressource „Wissen” ist vor allem für Baden-Württemberg von großer Bedeutung. Der Südwesten war noch nie reich an Rohstoffen. Es erscheint deshalb sinnvoll, den Mangel an natürlichen Ressourcen durch die gezielte Förderung von Wissen auszugleichen. Zukunftsfähige Innovationen wie energiesparende Anlagen, Projekte zur Nutzung von alternativen Energien und verbesserte Recyclinganlagen beruhen in erster Linie auf technischem Know-how – also einer hochentwickelten Form von Wissen. Nur mit seiner Hilfe können etwa fossile Energieträger und mineralische Rohstoffe eingespart oder Schadstoffemissionen reduziert werden. Ähnliche Ergebnisse leistet organisatorisches Know-how: Zu denken ist hier an organisatorische Innovationen wie Nutzungskonzepte für Konsumgüter, die eine Trennung von Eigentum und Nutzung ermöglichen (z.B. beim Car-sharing) oder eine Mehrfachverwendung von Gütern erlauben.

    Fazit der Studie: Technisches und organisatorisches Know-how sind Grundlagen einer dauerhaft umweltverträglichen Volkswirtschaft, die das Wohl zukünftiger Generationen berücksichtigt und so das Konzept einer nachhaltigen undzukunftsfähigen Entwicklung umsetzt.

    Die Studie zeigt ebenfalls, daß für eine zukunftsfähige Wirtschaft bestimmte ordnungspolitische Rahmenbedingungen realisiert werden müssen. So müßten Richtlinien den ökologischen Rahmen der Wirtschaft ebenso sichern wie eine Preisgestaltung, die „die ökologische Wahrheit” sagt.

    Die Autoren, Dr. Gerhard Pfister und Prof. Dr. Ortwin Renn, kommen auch zu dem Ergebnis, daß jeder einzelne etwas tun kann: zukunftsorientiert lebende Menschen sind bereit, mehr Zeit und Geld in ihre Ausbildung zu investieren und damit den Wissensbestand in der Bevölkerung zu erhöhen.

    *Die Studie "Humanressourcen und Nachhaltigkeit" ist als Arbeitsbericht Nr. 88 der Akademie für Technikfolgenabschätzung (ISBN 3- 932013-11-5) erschienen

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