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News: Die Ohren sind zum Hören da - nicht zum Reden

Die Kommunikation zwischen Mensch und Tier beschränkt sich meist darauf, daß der Mensch Signale gibt, die das Tier zu lernen und entsprechend zu befolgen hat. Manchmal interpretieren Herrchen und Frauchen auch ihre eigenen Gedanken recht willkürlich in die Bewegungen und Lautäußerungen ihrer Schützlinge. Ein funktionierender Dialog zwischen den Arten ist dagegen selten. Daß er auch nicht so einfach zu etablieren ist, mußten Wissenschaftler feststellen: Sie hatten versucht, über Ohrenwackeln mit Pferden zu reden - und scheiterten.
In vollem Galopp läuft das Pferd vor Übermut schnaubend Runde um Runde. Scheinbar nur mit sich selbst beschäftigt, achtet es in Wirklichkeit voll Aufmerksamkeit auf sein Leittier in der Mitte des Kreises. Kaum gibt dieses ein entsprechendes Signal, nimmt das Pferd sein Tempo zurück und verfällt in Trab. Die Kommunikation durch Körpersprache funktioniert schnell und zuverlässig. Auch über Artgrenzen hinweg – denn in diesem Fall war das "Leittier" eine Frau. Ohne Dressur gibt sie durch die Haltung und Bewegungen ihres Körpers Kommandos an ihr Pferd, indem sie dessen natürliche Sprache nutzt. Wer einmal Gelegenheit hat, diese von Klaus Ferdinand Hempfling erarbeitete Methode des Umgangs mit Pferden zu beobachten, wird erstaunt sein über die Möglichkeiten einer tiergerechten Erziehung.

Doch bevor der Mensch mit dem Tier in dessen Sprache reden kann, muß er diese studieren. Am Anfang wird beobachtet, welches Körperteil sich wie bewegt und was das zu sagen haben könnte, dann folgt das Experiment. Pferde spielen zum Beispiel gerne mit den Ohren, stellen sie auf, legen sie an – ein geeignetes Mittel zur Verständigung, dachten sich Wissenschaftler des Instituts für Neuro- und Verhaltensbiologie der Universität Münster. Unter der Leitung von Professor Norbert Sachser erprobten sie eine Idee der Düsseldorfer Pferdeexpertin Karola Baumann. Mit Hilfe künstlicher Pferdeohren, so meint sie, könnten Mensch und Pferd ins Gespräch kommen. Also verkleideten die Forscher sich mit Kutten und Attrappen als Pferde mit wackelnden Ohren. Doch so sehr sie sich auch anstrengten und mit dem Gehör um selbiges warben – den Pferden war das Gebaren der seltsamen Kollegen völlig gleichgültig.

So bleibt nur der Trost, daß die Verständigung zwischen Mensch und Pferd durch Körpersprache prinzipiell funktioniert. Die künstlichen Ohren sind allerdings offenbar nur dazu geeignet, Fliegen zu verscheuchen. Aber auch das ist ja eine Art interspezifischer Kommunikation.

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