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Paläozoologie: Dokumentiert Felsmalerei ausgestorbenen Flughund?

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Eine Felszeichnung im Norden Australiens zeigt eine Flughundart, die dort vor fast 20 000 Jahren gelebt hat, aber heute aus der Region verschwunden ist, berichten Forscher der University of Queensland. Das Team um Jack Pettigrew verglich die abgebildeten Säuger mit heute lebenden Arten, fand aber keine australischen Fledertiere, auf die die steinerne Galerie passen könnte.

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Wie Hühner unter der Stange | Felszeichnung der Flughunde in Schlafposition: Die Tiere hängen von einem dünnen Ast oder einer Art Schlingpflanze herab. Besonders der Flughund ganz links lässt gut den hellen Bauch und den Streifen am Kopf erkennen.
Die Zeichnung ist Teil der so genannten Bradshaw-Felskunst, die nahe der Küste in der Kimberley-Region liegt. Die Flughunde wurden auf eine Sandsteinwand gemalt, die bis heute durch Überhänge geschützt ist. Ein prähistorischer Künstler zeichnete insgesamt acht Tiere, die Seite an Seite in typischer Schlafposition von einem dünnen Ast oder einer Kletterpflanze herabhängen. Ihre länglichen Köpfe, kleinen Ohren sowie die leicht abgeknickte Kopfhaltung zeigen Jack Pettigrew unmissverständlich an, dass es sich um Flughunde (Megachiroptera) und nicht um die deutlich kleineren Fledermäuse (Microchiroptera) handelt.

Auffällig ist zudem, dass jedes Individuum mit hellem Bauch und einem weißen Kopfstreifen dargestellt wurde. Keine der heute in Australien heimischen acht Flughundarten zeige jedoch eine vergleichbare Fellzeichnung. Diese Merkmale fänden sich weltweit nur bei der Gattung Styloctenium, welche lediglich zwei Spezies umfasst: Styloctenium wallacei, die auf der indonesischen Insel Sulawesi lebt, und Styloctenium mindoro, die erst im Jahr 2007 auf den Philippinen entdeckt wurde.

Das Alter der Felszeichnung wurde durch die Untersuchung eines direkt über der Darstellung liegenden fossilen Wespennestes auf mindestens 17 500 Jahre datiert. Die Flughunde könnten während der letzen Eiszeit über eine Landbrücke eingewandert sein, die wegen des damals weit niedrigeren Meeresspiegels Australien mit den südostasiatischen Inseln verband, so die Forscher weiter. Da gegen Ende der Kälteperiode vor 12 000 Jahren die ausgedehnten Tieflandwälder verschwanden, seien die Tiere auf dem fünften Kontinent ihres natürlichen Lebensraums beraubt worden und dort schließlich ausgestorben. (ne)
50. Woche 2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 50. Woche 2008

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