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Paläontologie: Europäischer Affenahn bewegte sich wie Orang-Utan und Pavian

Der im späten Miozän vor 9,5 Millionen Jahre lebende Affe Hispanopithecus laietanus konnte sich auf zwei Arten fortbewegen: Einerseits lief er wie heutige Paviane vierbeinig am Boden, andererseits hangelte er sich wie Orang-Utans aufrecht an Ästen hängend durch die Bäume. Dies deute daraufhin, dass der letzte gemeinsame Vorfahr von Menschenaffen und Menschen primitiver war, als bislang vermutet, schließen spanische Wissenschaftler aus der Analyse der Handknochen des Fossils.

Hispanopithecus laietanus wurde früher zur Gattung Dryopithecus gestellt – ein in Europa im Miozän verbreiteter Primat, der vermutlich bereits zu den Menschenaffen zählte. Die von der nordostspanischen Fundstelle Can Llobateres geborgenen Hispanopithecus-Fossilien zeigten bereits Ähnlichkeiten mit heutigen Orang-Utans. Mit afrikanischen Menschenaffen wie Gorilla und Schimpanse scheinen sie dagegen nur entfernt verwandt zu sein.

Die langen Fingerknochen von Hispanopithecus laietanus bestätigen nach Ansicht der Forscher um Salvador Moyà-Solà von der Autonomen Universität Barcelona eine an Orang-Utans erinnernde Lebensweise. Andererseits deuten kurze Mittelhandknochen daraufhin, dass die Tiere auch wie heutige Paviane auf allen Vieren am Boden auf ihren Fußsohlen liefen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass der vierfüßige Gang ein altes Erbe war; das Hangeln von Ast zu Ast habe Hispanopithecus dagegen neu entwickelt. Demnach wäre diese aufrechte Fortbewegung unabhängig voneinander bei den Dryopithecinen sowie bei den Vorfahren der afrikanischen Menschenaffen – einschließlich des Menschen – entstanden. (aj)
13.07.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 13.07.2007

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