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Der »Goblin«: Extrem weit entfernter Kleinplanet entdeckt

Astronomen vermelden nun offiziell die Entdeckung eines neuen Kleinplaneten: 2015 TG387, Spitzname »Goblin«, ist eine kleine, eisige Welt am Rand des Sonnensystems.
Der hypothetische Planet X in einer künstlerischen Darstellung

Astronomen haben einen weiteren Himmelskörper entdeckt, der am Rand des Sonnensystems seine Bahnen zieht. Das Objekt mit dem wissenschaftlichen Namen 2015 TG387 misst rund 300 Kilometer im Durchmesser, benötigt etwa 40 000 Jahre für einen Umlauf um die Sonne – und ist extrem weit von uns entfernt: An seinem sonnennächsten Punkt hat der Kleinplanet einen Abstand von 65 Astronomischen Einheiten (AE) zur Sonne. Das bedeutet, er ist dann rund 65-mal so weit von Sonne entfernt wie die Erde – und gut doppelt so weit wie Pluto.

Bemerkenswert an dem Objekt, dem die Forscher den Spitznamen »Goblin« (Kobold) gegeben haben, ist sein extrem lang gestreckter Orbit. Der führt ihn extrem weit in die Tiefen des Weltalls. Erst in einer Distanz von 2300 Astronomischen Einheiten kehrt der »Goblin« wieder um und nähert sich seinem Zentralgestirn an.

Sein Orbit führt den »Goblin« weit ins All
Sein Orbit führt den »Goblin« weit ins All | Allerdings ist der neu entdeckte Kleinplanet kein Rekordhalter unter seinesgleichen: 2014 FE72 könnte gar bis in eine Distanz von rund 4000 AE vordringen.

Derzeit befindet sich 2015 TG387 mit rund 80 Astronomischen Einheiten Entfernung vergleichsweise in Erdnähe, was seine Entdeckung überhaupt erst möglich machte. Das kleine, lichtschwache Objekt kam einem Team um Scott Sheppard von der Carnegie Institution for Science in Washington, DC vor die Linse des japanischen Subaru-Teleskops auf dem Mauna Kea in Hawaii. Zunächst im Jahr 2015, dann wurde es in den darauf folgenden Jahren erneut untersucht, um seine Bahneigenschaften zu bestimmen. Nun wurde die Entdeckung von Sheppard und Kollegen durch eine Verlautbarung des Minor Planet Center der Internationalen Astronomischen Union offiziell gemacht.

Die Forscher durchsuchen systematisch die Randbereiche des Sonnensystems, um Hinweise auf den hypothetischen »Planeten X«, auch Planet 9 genannt, zu erhalten. Den Berechnungen einiger Astronomen zufolge könnte sich in weiter Entfernung zu den bekannten acht großen Planeten noch ein anderer, mehr als erdgroßer Gasplanet befinden. Seine Entdeckung wäre eine Sensation. Leider müssen sich Astronomen derzeit mit indirekten Belegen begnügen: Planet X würde mit seiner Masse die Bahnen von Objekten wie 2015 TG387 beeinflussen, umgekehrt lassen sich aus deren Orbits Rückschlüsse auf Existenz und Position des gesuchten Himmelskörpers ziehen. Nach Aussage des Sheppard-Teams ist die Bahn des »Goblin« mit der Existenz von Planet X vereinbar, einen Beweis liefere der Fund allerdings nicht.

2015 TG387 wird auf Grund seiner Ähnlichkeit mit dem Kleinplaneten Sedna zu den Sednoiden gezählt. Schätzungen zufolge könnte es tausende vergleichbare Objekte in den äußeren Bereichen des Sonnensystems geben. Allerdings sind sie auf Grund ihrer extrem lang gestreckten Umlaufbahn schwer zu entdecken – nur in der kurzen Phase ihrer größten Annäherung an die Sonne haben Astronomen derzeit eine Chance, sie ins Visier zu nehmen.

40/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 40/2018

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