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News: Flusskrebs mit Jungfernzeugung

Der Marmorkrebs, ein seit den neunziger Jahren unter Aquarianern wohl bekannter Flusskrebs, dessen Art noch nicht bestimmt ist, pflanzt sich offenbar, wie bereits vermutet, durch Parthenogenese (Jungfernzeugung) fort – also ohne Beteiligung eines Geschlechtspartners. Er ist damit das erste Beispiel eines Zehnfußkrebses (Decapoda), der sich asexuell fortpflanzt. In anderen Gruppen der Krebstiere ist dies durchaus verbreitet.

Wie Gerhard Scholtz von der Humboldt-Universität zu Berlin und seine Kollegen berichten, erhielten sie im Labor zahlreiche Nachkommen von einem Weibchen, das vorher nicht begattet wurde. Bei sorgfältigen Gewebeuntersuchungen konnten die Forscher auch keine Hinweise auf eventuelle männliche Geschlechtsorgane finden, die womöglich eine Selbstbegattung erlaubt hätten. Bei den Jungtieren handelte es sich ebenfalls um lauter Weibchen.

Genetische Untersuchungen zeigten, dass der Krebs sehr eng mit der nordamerikanischen Art Procambarus fallax verwandt ist. Da nordamerikanische Flusskrebse den Erreger der Krebspest, den Schimmelpilz Aphanomyces astaci, übertragen, könnten eingeschleppte oder aus den Aquarien ausgerissene Marmorkrebse eine große Gefahr für die einheimischen Flusskrebse darstellen. Sie wurden dadurch schon einmal an den Rand des Aussterbens gebracht, als im 19. Jahrhundert amerikanische Flusskrebse in den hiesigen Gewässern ausgesetzt wurden, und sind bis heute noch stark gefährdet.

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  • Quellen
Nature 421: 806 (2003)

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