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News: Gefährliche Wellen

Seit Jahrzehnten wird Ultraschall bei Schwangerschaftsuntersuchungen und in der Inneren Medizin eingesetzt. Immer wieder flammt die Diskussion auf, ob die dabei verwendeten Wellen Schäden hervorrufen können. Irische Forscher haben jetzt Hinweise gefunden, daß Ultraschallwellen bei Mäusen die Zellteilung beeinflussen und mitunter sogar den programmierten Zelltod auslösen.
Ultraschalluntersuchungen stoppen die Zellteilung und treiben die Zellen in den Selbstmord. Zu diesen Ergebnissen, die im New Scientist vom 12. Juni 1999 veröffentlicht wurden, kamen Forscher am University College Dublin. Sie hatten Mäuse für 15 Minuten einer Frequenz von acht Megahertz ausgesetzt. Bei ärztlichen Ultraschalluntersuchungen, die bis zu einer Stunde dauern können, wird mit Frequenzen zwischen drei und zehn Megahertz gearbeitet. Die Ultraschallwellen werden dabei von Gewebegrenzen reflektiert und erzeugen so ein Bild auf dem Monitor.

Die Forscher entdeckten zwei signifikante Veränderungen in den Dünndarmzellen der Versuchstiere: Viereinhalb Stunden nach der Ultraschallbestrahlung war die Zellteilungsrate gegenüber den Kontrolltieren um 22 Prozent reduziert, während sich gleichzeitig die Rate des programmierten Zelltods oder der Apoptose ungefähr verdoppelte.

Patrick Brennan, der Leiter der Forschergruppe, glaubt, daß auch beim Menschen ähnliche Effekte auftreten können. "Man hat lange Zeit angenommen, daß Ultraschall keine Auswirkungen auf Zellen hat", sagt er. "Diese Annahme müssen wir jetzt in Frage stellen." Brennan betont jedoch, daß er nicht weiß, ob für die menschliche Gesundheit dadurch Risiken bestehen." Es treten Veränderungen auf, aber wir können nicht sagen, ob sie schädlich oder harmlos sind", erklärt er. Der Dünndarm ist nach seinen Angaben ein sehr anpassungsfähiges Gewebe, das Veränderungen im Zellzyklus gut kompensieren kann.

Möglicherweise schädigen die Schallwellen die DNA in den Zellen, verzögern die Zellteilung und stören die Reparaturmechanismen. Brennan meint, daß der Ultraschall möglicherweise das p53-Gen, das für den Zelltod verantwortlich ist, aktiviert. Dieses Gen, das auch als "Schutzengel des Genoms" bezeichnet wird, codiert für ein Protein, das der Zelle hilft, DNA-Schäden zu erkennen und daraufhin sich entweder selbst zu zerstören oder die Teilung einzustellen.

Untersuchungen in den frühen neunziger Jahren zeigten, daß es bei Ultraschalluntersuchungen zu einer Erwärmung des Gewebes kommt, was bei Mäusen zu Blutungen im Darm führte. Seitdem wird die Intensität besser abgestimmt, um die Gewebeaufheizung abzuschwächen. Die Ergebnisse der irischen Forscher sind jedoch erste Indizien für eine wirkliche Schädigung der Zellen. Brennan gibt aber zu bedenken, daß die Ergebnisse erst vorläufig sind und weiterer Untersuchungen bedürfen.

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