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News: Geheimnisvolle Gesänge

Als Sangeskünstler der Meere erfüllen die Wale ihren Lebensraum mit "Konzerten". Ihr Repertoire umfasst die gesamte Tonleiter und reicht sogar in den für uns nicht wahrnehmbaren Ultraschallbereich. Merkwürdig nur, dass sich die Zwergwale offenbar nicht in diesen Chor einreihen, wie Forscher lange Zeit annahmen. Doch weit gefehlt, denn die musikalisch unterschätzten Wale sind nicht nur stimmgewaltig, sondern auch überaus begabt.
Die Giganten der Ozeane leben in einem Medium, in dem sich der Schall fünfmal schneller ausbreitet als in der Luft. Aus diesem Grund erstaunt es nicht, dass sich Wale akustischer Signale bedienen: Hohe Frequenzbereiche von 20 000 bis 280 000 Hertz verwenden die Meeressäuger zur Echopeilung, niederfrequente Töne von etwa 20 bis 20 000 Hertz hingegen für die Kommunikation.

Besonders eindrucksvoll sind die etwa 30-minütigen, komplexen Gesänge der männlichen Buckelwale während der Paarungszeit. Ihre öfters am Tag wiederholten Lieder variieren zwar in den verschiedenen Meeren, doch die Angehörigen einer Population singen alle dieselbe Partitur, wobei sie alljährlich eine alte Strophe ihres Liedes gegen eine neue austauschen.

Bislang gab es nur wenige Hinweise, dass auch Zwergwale (Balaenoptera acutorostrata) solche Gesänge erzeugen. Doch nun belehrten Jason Gedamke und Daniel Costa von der University of California ihre Kollegen eines Besseren. Um die Lautäußerungen der Wale am Great Barrier Reef von Australien aufzuzeichnen, installierten die Forscher mehrere Unterwassermikrophone – so genannnte Hydrophone – und nahmen im Zeitraum von 1997 bis 1999 rund 100 Stunden Walgeräusche auf. Weiterhin drehten sie Unterwasservideos der Tiere, um diese später mit den Tonaufzeichnungen zu vergleichen.

Die Zwergwale entpuppten sich als gesprächige Lebewesen: Ihr Geräuschrepertoire enthält unter anderem eine unverwechselbare liedähnliche Sequenz, die sich grundlegend von allen bisher bekannten Walgesängen unterscheidet. "Sie ist überraschend laut und komplex und klingt, als ob sie mechanisch oder synthetisch erzeugt würde", erläutert Gedamke. "Als ich sie zum ersten Mal hörte, konnte ich nicht glauben, dass sie von einem Wal stammt."

Doch bislang ist unklar, warum die Tiere diesen Ton aussenden. Vermutlich – so spekuliert der Forscher – spielt die Sequenz eine Rolle im Paarungsverhalten, ähnlich wie die Gesänge des Buckelwals. So könnte die stimmliche Darbietung der Männchen weibliche Tiere anlocken und gleichzeitig männlichen Mitkonkurrenten signalisieren, fernzubleiben.

Lange Zeit waren die Meeressäuger im offenen Ozean nur schwer zu finden, da ihre Atemfontänen klein und unauffällig sind. Aber nun kann ihre einzigartige Gesangssequenz den Wissenschaftlern helfen, weitere Einzelheiten aus der geheimnisvollen Welt der Zwergwale zu enthüllen.

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