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News: Granitgrab für Atommüll

Für die Endlagerung heißer radioaktiver Abfälle schlagen britische Forscher vor, die Fässer in tiefe Bohrlöcher zu versenken, wo sie sich in das Gestein schmelzen. Und billig wäre dieses Verfahren zudem.
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Die sichere und dauerhafte Endlagerung von radioaktivem Müll ist eine der großen Herausforderungen an Wissenschaft und Politik. Deshalb ist die Suche nach geeigneten Lagerplätzen und die Erforschung neuer Technologien in vollem Gange. Die übliche Lagerung in Bergwerken und Salzstöcken erfordert einen großen technischen Aufwand, denn der Abfall kann starke Hitze entwickeln und muss von teuren Multibarrieresystemen eingeschlossen werden.

Deshalb schlagen Fergus Gibb und seine Kollegen von der University of Sheffield in Großbritannien jetzt die Lagerung einzelner Container mit besonders heißem Abfall in fünf Kilometer tiefen Bohrlöchern vor. Die Hitze, die dort durch den Zerfall radioaktiver Isotope erzeugt wird, würde den Granit im Umfeld des Containers schmelzen und ihn versiegeln. Innerhalb einiger Jahre kühlten Abfall und Schmelze sodann ab, wobei ein kompakter Granitkomplex entstünde, der den Container wie eine geballte Faust umschlösse.

Die Forscher um Gibb hatten in ihren Experimenten Granitpulver und massive Granitbrocken bei Druckverhältnissen, wie sie in etwa vier bis fünf Kilometern Tiefe herrschen, innerhalb weniger Wochen auf bis zu 800 Grad Celsius erhitzt, wobei das Gestein teilweise schmolz. Erstaunliches geschah indes bei der Abkühlung: Anders als erwartet, erstarrte die Schmelze nicht in Gestalt eines brüchigen Glases, sondern vollständig zu kristallinem Granit, mit seinen Bestandteilen Feldspat, Quarz und Glimmer.

Überraschend ist vor allem die kurze Abkühlungsdauer. Bislang war man davon ausgegangen, dass sich Granite nur in einem Zeitraum von tausenden, wenn nicht millionen von Jahren aus einer Schmelze bilden können. Doch war bei den Experimenten selbst bei einer extrem raschen Abkühlung der Schmelze um 0,1 Grad Celsius pro Stunde das Endprodukt Granit, mit sichtbaren Mineralen.

Und billiger wäre das Schmelzgrab zudem. Nach Gibbs Abschätzung wäre die Verfüllung des radioaktiven Abfalls in Bohrlöchern ungleich viel billiger als der Bau und Unterhalt eines herkömmlichen Endlagers wenige hundert Meter unter der Erdoberfläche. Ein weiterer Vorteil wäre die große Entfernung zu oberflächennahem Grundwasser.

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