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News: HIV-Therapie für den Rest des Lebens

Wer mit HIV infiziert ist, kann den Ausbruch von AIDS verhindern: Die Einnahme eines Medikamenten-Cocktails läßt die Virenkonzentration im Blut unter die Nachweisgrenze sinken. Verschwunden ist das Virus danach allerdings nicht. In ruhenden T-Zellen kann es über sechzig Jahre schlummern.
Bereits 1995 fanden Forscher an den Johns Hopkins Medical Institutions, daß HIV (human immunodeficiency virus) antiviralen Medikamenten entkommen kann, indem es sich im Immunsystem versteckt. Es infiziert inaktive T-Zellen und wartet. Wird die Behandlung abgesetzt, breitet es sich erneut aus und kann AIDS (acquired immune deficiency syndrome) verursachen. Untersuchungen derselben Arbeitsgruppe ergaben nun, daß die latente Infektion der T-Zellen über sechzig Jahre andauern kann (Nature Medicine, Mai 1999).

"Dies bedeutet nicht, daß eine Heilung von HIV unmöglich ist", sagt Mitentdecker Robert Siliciano. "Es stellt aber ein großes Hindernis dar und unterstreicht nur, daß Patienten weiterhin ihre Medikamente einnehmen müssen – möglicherweise für den Rest ihres Lebens." Ein Rest, der bei der Suche nach Therapien erheblich verlängert werden konnte. Patienten, die sich an ihre Medikamentierung halten, können das Virus für lange Zeiten im Schach halten – wahrscheinlich wird bei ihnen AIDS sogar niemals ausbrechen. Die derzeit erfolgreichste Therapie besteht aus einer Kombination von anti-HIV Medikamenten wie AZT sowie Inhibitoren der HIV-Protease oder Hemmstoffe der Reversen Transkriptase (NNRTI), die selbst keien Nukleoside sind. Dieser Medikamenten-Cocktail bringt bei den meisten Patienten die Konzentration an freien Viren unter die Nachweisgrenze. Das Immunsystem bleibt dabei relativ gesund und die ganze Gruppe an Erkrankungen, die den Ausbruch von AIDS signalisiert, kann abgewehrt werden.

Die latente Form von HIV kann jedoch in den T-Zellen für Jahrzehnte die Anti-HIV-Therapie überstehen. Dazu baut das Virus zunächst seine Erbinformation in die DNA der schlafenden T-Zelle ein. Wenn die ruhende Zelle dann erneut aktiviert wird – wie beispielsweise bei einer einfachen Grippe – treten die HIV-Gene wieder in Aktion: Die Infrastruktur der Zelle wird mißbraucht, um Millionen von Virenkopien zu erstellen.

Um die Beharrlichkeit von HIV zu testen, untersuchten die Wissenschaftler zwei Jahre lang eine Gruppe von 34 Infizierten. Sie entnahmen den Patienten regelmäßig Blut. Anschließend wurden aus den Proben die T-Zellen mit HIV-Genen aussortiert und gezählt. Das Forscherteam fand heraus, daß die Anzahl der infizierten Zellen in nur sehr geringem Maße abnahm. Statistische Projektionen ergaben, daß wohl auch nach über sechzig Jahren noch verstecktes HIV vorhanden ist.

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