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News: Imitierter Wolf als Lehrer

In einem naturnahen Reservat im brandenburgischen Liebenthal versuchen Zoologen, zehn Przewalski-Pferde an das Leben in freier Wildbahn zu gewöhnen. Die Pferderasse kommt bereits seit dem vergangenen Jahrhundert nicht mehr in der Natur vor, die letzten Überlebenden leben in Zoos. Die Wissenschaftler haben jetzt getestet, wieviel die Tiere noch von ihrem genetischen Gedächtnis behalten haben.
"Wir haben einen gut abgerichteten Border-Collie auf die Pferde angesetzt", erzählt Klaus Scheibe vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Der Collie verhält sich beim Hüten ähnlich wie ein Wolf. Mit dem fingierten Angriff wollten die Wissenschaftler die Fluchtinstinkte der Pferde testen. "Der Hund kam bis auf zehn Meter an die Tiere heran, die dann in Panik in alle Himmelsrichtungen flüchteten", berichtet Scheibe. Doch nach dieser ersten Schreckreaktion stellten die Zoologen eine Veränderung im Verhalten der Herde fest. "Die Leitstute hat ihre Tiere zusammengeholt und regelrecht mit ihnen geübt", so Scheibe. Die Stute führte die Herde so oft in die Nähe des Hundes, bis die Gruppe geschlossen und prompt reagierte und flüchtete.

Doch auch bei anderen Verhaltensmustern stellte das IZW-Team fest, daß die Pferdegruppe schnell lernte. "Zum Beispiel bei der Anpassung an Jahreszeiten, oder bei der Schutzsuche", zählt Scheibe auf. Vor dem ersten Winter sorgten die Tiere nicht für einen entsprechenden Winterspeck für die kalte Jahreszeit. Entsprechend ausgehungert waren sie im Frühjahr. Im folgenden Herbst zeigte sich jedoch, daß die Tiere aus den Erfahrungen gelernt hatten. "Im frühen Herbst, bevor die Nahrung knapp wurde, begannen sie zu fressen wie siebenköpfige Raupen, damit sie über den Winter kamen", so Scheibe. Die Forscher fühlen sich durch die Erfahrungen in Liebenthal bestätigt, daß eine schrittweise Gewöhnung von Zootieren an die freie Wildbahn erfolgversprechend ist.

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