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News: Mütterlich umsorgt

Hand in Hand arbeiten Zebrafinken-Eltern bei der Jungenaufzucht zusammen, um den schier unersättlichen Hunger der frisch geschlüpften Kinderschar zu stillen. Sind die Väter bei der Pflege des Nachwuchses auf sich allein gestellt, kapitulieren sie recht schnell. Alleinerziehende Weibchen indes sorgen sich rührender um ihre Küken als mit Partner. Und diese Extraportion an Zuwendung zahlt sich offenbar aus, denn jene verwöhnten Muttersöhnchen sind für die Damenwelt attraktiver als die Abkömmlinge aus normalen Familien.
Frisch aus dem Ei gepellt sind Küken zunächst oftmals hilflos und auf die stetige Nahrungslieferung von außen angewiesen. Da es sich bei der Jungenaufzucht um ein aufwändiges Unternehmen handelt, teilen sich in der Regel die beiden Vogeleltern die anfallende Arbeit. Doch dabei geraten sie in einen evolutionären Konflikt, denn schließlich sind die Tiere bestrebt, ihre Gene so breit wie möglich zu streuen. Aus diesem Grund gilt es abzuwägen, was schwerer wiegt: die Anstrengung, die diesjährige Brut durchzufüttern gegenüber dem Schonen von Ressourcen für das nächste Jahr.

Als Ausweg aus diesem Dilemma versuchen sowohl die Vogelmutter als auch der -vater die hungrige Kinderschar mit einem minimalen Aufwand großzuziehen – in der Hoffnung, dass der Partner das eigene Versäumnis ausgleicht. Aber wie sieht es aus, wenn ein Elternteil ausfällt? Von Männchen ist bekannt, das sie sich die ganze elterliche Last nur selten aufbürden. Sehen sie sich mit der Rolle des Alleinerziehenden konfrontiert, verlassen sie gewöhnlich das Gelege. Dieser Umstand setzt wahrscheinlich den Weibchen Grenzen, den ihnen zufallenden Arbeitsumfang zu reduzieren.

Anhand von zwölf brütenden Zebrafinkenpärchen (Taeniopygia guttata) untersuchten nun Nick Royle und seine Kollegen von der Lancaster University, wie sich einsame Vogelmütter gegenüber ihrem Nachwuchs verhalten. Nachdem die Weibchen durchschnittlich vier Eier gelegt hatten, entfernten die Forscher bei sechs Vogelpärchen das Männchen sowie die Hälfte der Eier, um das Pensum für die verbleibenden Mütter konstant zu halten. Als Kontrollgruppe wuchsen die Küken der übrigen Pärchen in normalen Elternhäusern auf.

Im Gegensatz zu den schnell resignierenden Männchen, gaben die allein auf sich gestellten Zebrafinken-Damen ihre Brut keinesfalls auf. Vielmehr leisteten sie bei der Aufzucht der beiden Jungen mehr Arbeit als die verheirateten Weibchen, die sich um ein Gelege mit vier Eiern kümmerten: So erhielten die Abkömmlinge von alleinerziehenden Müttern 25 Prozent mehr Nahrung als ihre Artgenossen mit zwei Elternteilen. Doch für diese außerplanmäßige Anstrengung zahlten die Weibchen ihren Preis, denn ihre nachfolgend gelegten Eier fielen um 20 Prozent kleiner aus, als die Eier jener Mütter, die bei der Erziehung ihrer Sprösslinge von einem Partner profitierten.

Allerdings war diese Extra-Investition nicht vergebens, wie sich später herausstellte: Obwohl sich die besonders gehegten männlichen Abkömmlinge weder in Größe noch Gewicht von den Küken unterschieden, die aus heilen Familien stammten, war der Nachwuchs der alleinerziehenden Weibchen offenbar wesentlich attraktiver für die Damenwelt. Vor die Wahl gestellt bevorzugten Zebrafinkenweibchen als Partner öfters die verwöhnten Muttersöhnchen – und nicht die Männchen aus einem intakten Elternhaus. So scheint der begehrtere Nachwuchs, der mit höherer Wahrscheinlichkeit die Familiengene weitergeben wird, die alleingelassenen Weibchen für deren Anstrengungen zu entlohnen.

Doch trotz ihres größeren Arbeitsaufwandes vermögen einsame Mütter nicht mit dem Beitrag gleichzuziehen, den zwei etwas nachlässigere Elternteile zu leisten imstande sind. Möglicherweise zeigt der "minderwertige" Nachwuchs von gemeinsam erziehenden Paaren, dass die Vögel Qualität für Quantität opfern, schlussfolgert Ian Hartley aus dem Forscherteam. "Wahrscheinlich ist es besser, vier oder fünf Küken von angemessener Qualität hervorzubringen als drei mit Top-Qualität."

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