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News: Pluto und Charon, ein Pärchen wird getrennt

Seit der Entdeckung des Plutomondes Charon im Jahre 1978 beschäftigen sich Astronomen mit der Frage seiner Herkunft. Das war vor allem daher besonders schwierig, weil die beiden Himmelskörper bislang nicht mit erdgebundenen Teleskopen voneinander getrennt werden konnten. Nun aber ist es einem japanischen Team gelungen, von Hawaii aus die Reflexionsspektren von Pluto und Charon einzeln aufzunehmen. Möglicherweise ist Charon einst bei einer Kollision von Pluto abgesplittert worden.
Die Mehrheit der Astronomen ist davon überzeugt, daß auch unser eigener Mond einst auf diese Weise entstand. Ein heranrauschender Asteroid schlug damals einen Brocken aus der Erdoberfläche heraus. Aufgrund der eigenen Schwerkraft rundete sich dieser mit der Zeit ab und umkreist heute als natürlicher Satellit unseren Heimatplaneten. Da Gesteine der Oberfläche oft chemisch etwas anders zusammengesetzt sind als der übrige Planet, erwarten die Forscher daher durchaus eine unterschiedliche chemische Struktur von Erde und Mond – was Geochemiker auch schon bestätigt haben.

Mit dem 8,3-Meter-Subaru-Teleskop auf dem Mauna Kea, Hawaii, konnten japanische Beobachter unter der Leitung von Ryosuke Nakamura Pluto und seinem Trabanten spektroskopisch untersuchen. Im Schein des reflektierten Sonnenlichts zeigte sich anhand der Absorptionslinien, daß die beiden Himmelskörper, wie erwartet, deutlich unterschiedliche chemische Komponenten aufweisen. Während Methan und Eis aus dem bislang vermischten Spektrum beider Körper schon länger bekannt waren, konnten die Astronomen bei den ungewöhnlich guten Wetterbedingungen am 9. Juni 1999 zum ersten Mal beide Spektren getrennt von der Erde aus beobachten. Hierbei zeigte sich, daß normales Wassereis die Oberfläche des Satelliten überzieht, wohingegen der kälteste Planet des Sonnensystems vor allem von Stickstoffeis bedeckt ist. In Plutos Spektrum zeigte sich zudem auch Ethan, das bislang nicht im Sonnensystem gefunden werden konnte.

Die Entdeckung von Ethan sei, so der Astrophysiker Alan Stern vom Southwest Research Institute in Boulder, eine schöne Bestätigung der theoretischen Modelle, die diese Kohlenstoffverbindung für den entferntesten Planeten bereits vorhergesagt hatten. Ethan sei entweder noch übrig aus der Zeit, als sich unser Sonnensystem formte, oder später in chemischen Reaktionen entstanden, die durch das Sonnenlicht angetrieben wurden.

Um wirklich endgültig zu entscheiden, wodurch Charon geformt wurde, ist es vielleicht noch ein bißchen zu früh. Es sind einfach noch weitere Daten nötig, um die Kollisionstheorie zu bestätigen. Dazu will das Team um Nakamura nach Hawaii zurückkehren, sobald das Teleskop technisch noch verbessert worden ist. Bis dahin kreist Charon weiter einmal wöchentlich um seinen Partner Pluto, auch ohne daß wir die genaue Geschichte dieses ungleichen Pärchens kennen.

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