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Klimawandel: Südlicher Ozean nimmt weniger Kohlendioxid auf als erwartet

Der Südliche Ozean hat in den vergangenen Jahrzehnten weniger Kohlendioxid gespeichert, als Modellrechnungen bislang vermuten ließen. Diesen Sättigungseffekt führen Forscher um Corinne Le Quéré vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena und der Universität von East Anglia in Norwich auf veränderte Windverhältnisse durch den Klimawandel und das Ozonloch über der Antarktis zurück [1].

Die Wissenschaftler hatten Daten von über fünfzig Messstationen aus den Jahren 1981 bis 2004 ausgewertet. Dabei stellten sie fest, dass die jährliche Kohlenstoffspeicherung pro Dekade um 0,08 Gigatonnen niedriger lag, als Simulationen vorausgesagt hatten. Mit den steigenden Kohlendioxid-Konzentrationen der vergangenen Jahrzehnte hatten Forscher auch eine Zunahme des im Ozean festgelegten Kohlenstoffs vermutet. Diese Zunahme konnten Le Quéré und ihre Kollegen jedoch nicht bestätigen.

In ihren Simulationen konnten die Forscher diese geringere Speicherkapazität nur erklären, wenn sie stärkere Winde über dem Gebiet annahmen. Diese würden den Ozean tiefer umwälzen und so die Freisetzung von Kohlendioxid fördern. Aus Beobachtungen lässt sich schließen, dass die Zunahme der Windstärke mit der Ausdünnung der Ozonschicht zusammenhängt. Andererseits zeigen verschiedene Modelle, dass auch durch den Klimawandel veränderte Temperaturgradienten in den oberen Wasserschichten dazu beitragen können. Mit steigenden Treibhausgas-Konzentrationen könnte sich also das Speichervermögen des Südlichen Ozeans weiter verschlechtern. Schätzungen besagen, dass der Südliche Ozean jährlich etwa 0,1 bis 0,6 Gigatonnen Kohlenstoff aufnimmt. Er stellt damit ungefähr 15 Prozent der globalen Kohlenstoffsenken.

Vielleicht wird dafür aber an anderer Stelle mehr gespeichert als bislang erwartet. So genannte Eddies transportieren selbst abseits von Regionen mit aufsteigendem Tiefenwasser Nährstoffe aus der Tiefe in die sonst nährstoffarmen oberflächennahen Schichten und fördern so Kohlendioxid zehrende Planktonblüten, berichten Forscher um Dennis McGillicuddy von der Woods Hole Oceanographic Institution [2]. Diese bis zu 5000 Kubikkilometer Wasser umfassenden Wirbel entstehen durch Salinitäts- und Temperaturunterschiede und können sich über Monate halten.

McGillicuddy und seine Kollegen hatten mit Forschungsschiffen verschiedene von Satelliten aufgespürte Eddies in der Sargasso-See genauer untersucht und dabei in den Wirbeln teilweise die zehn- bis hundertausendfache Konzentration von Kieselalgen gefunden. Dies erklärt, warum selbst in den sonst als "biologische Wüsten" betrachteten Freiwasserregionen der Ozeane eine höhere biologische Aktivität gemessen wird, als Modelle vorhersagen. Da zumindest ein Teil der abgestorbenen Organismen zu Boden sinkt, wird dem System damit das zuvor gebundene Kohlendioxid entzogen. (af)
19.05.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 19.05.2007

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