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News: Verschollen hinter dem Roten Planeten

Die NASA hat bei ihrem Mars-Raumfahrt-Programm einen herben Rückschlag erlitten. Der Mars Climate Orbiter, der am 11. Dezember 1998 von Cape Canaveral in Florida gestartet war, sollte in diesem September eigentlich in die Marsumlaufbahn einschwenken. Doch vermutlich aufgrund eines Navigationsfehlers haben die NASA- Wissenschaftler den Satelliten beim Anflug auf den Roten Planeten verloren.
Zunächst verlief alles wie geplant. Pünktlich um 9.00 Uhr morgens Mitteleuropäischer Sommerzeit zündete der Mars Climate Orbiter am 23. September 1999 sein Haupttriebwerk, um in die Umlaufbahn des Roten Planeten einzutreten. Bis zu diesem Zeitpunkt gaben auch die von der Raumsonde übermittelten Daten keinen Anlaß zur Sorge. Wie geplant begann das Triebwerk, fünf Minuten bevor der Orbiter – von der Erde aus gesehen – hinter dem Mars verschwand, zu feuern. Als die Raumsonde allerdings wieder zum Vorschein kommen sollte, konnten die Wissenschaftler auf der Erde keinerlei Signale mehr empfangen – der Kontakt war abgebrochen.

Vieles deutet darauf hin, daß ein Navigationsfehler der Bodenstation Schuld an der Katastrophe ist. Anhand von Signalen, welche die Raumsonde zur Erde zurückschickt, kann das Navigationsteam beim Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena, Kalifornien, die Position des Orbiters bestimmen und ihn, durch kurzes Zünden des Raketenantriebs an Bord, auf genauen Zielkurs bringen. "Wir wollten uns dem Planeten in einer Höhe von etwa 150 Kilometern nähern. Wir dachten auch, daß wir auf dem richtigen Kurs seien, aber die Daten, die sechs bis acht Stunden vor dem Eintritt aufgezeichnet wurden, zeigten uns eine viel niedrigere Anflugshöhe an. Es stellte sich heraus, daß die wirkliche Höhe nur etwa sechzig Kilometer betrug", sagt Richard Cook vom JPL. "Unsere Meinung nach hätte das Raumfahrzeug die minimale Höhe von 85 Kilometern einhalten müssen, um den Anflug zu überstehen."

Obwohl das Forscherteam noch weiterhin versucht irgendwelche Radiosignale von dem 87 Millionen Dollar teueren Orbiter zu empfangen, geht man davon aus, daß beim Eintritt in die Mars-Atmosphäre die Raumsonde überhitzt oder Teile von ihr abgerissen wurden. Eigentlich hätte der Mars Climate Orbiter Wolken, Staub und Wasserdampf auf dem Mars beobachten sollen, doch trotz des Verlustes geben sich die NASA-Wissenschaftler zuversichtlich. "Wir haben ein stabiles Mars-Programm, das im Durchschnitt einen Missionsstart pro Jahr vorsieht und das mindestens für die nächsten zehn Jahre," sagt Carl Pilcher vom NASA Hauptquartier in Washington D.C.. So wird zum Beispiel Mars Global Surveyor – eine Raumsonde, die seit zwei Jahren in der Umlaufbahn ist – weiterhin "Wetterbilder" vom Roten Planeten zur Erde schicken und außerdem als Radio-Relais-Station zwischen dem Mars Polar Lander, der im Dezember 1999 auf der südlichen Halbkugel landen soll, und der Erde einspringen.

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