Direkt zum Inhalt

News: Wort und Bild

Gesichter spielen eine ganz wesentliche Rolle, wenn wir jemanden erkennen und mit ihm kommunizieren wollen. Der Gebrauch von Worten ist dagegen eine jüngere Errungenschaft in unserer Evolutionsgeschichte. Doch im Gehirn laufen bei beiden Erkennungsprozessen sehr ähnliche Vorgänge ab. Wissenschaftler vermuten daher, daß die Worterkennung ein Ableger des Identifikationssystems für Gesichter ist.
Viele Regionen des Gehirns sind beteiligt, wenn wir Gesichter wiedererkennen. Gregory McCarthy vom Duke University Medical Center glaubt, in seinen Studien einen der ersten Schritte dieses Prozesses gefunden zu haben. Die Vorgänge laufen im Gyrus fusiformis ab, einem Bereich im unteren Teil des Gehirns, der anscheinend nur auf Gesichter als Reiz reagiert. Innerhalb von 0,2 Sekunden nach der Wahrnehmung wird die Region aktiv. Das Gesicht wird vor dem manchmal verwirrenden Hintergrund und innerhalb von anderen Objekten ausgewählt, was zu einer starken Antwort in der rechten Gehirnhälfte führt. Allerdings ist uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, wessen Gesicht wir da sehen. Der Gyrus fusiformis "identifiziert schnell Gesichter zwischen anderen Objekten, aber er ist nicht für deren Zuordnung zuständig", erklärte McCarthy auf dem Treffen der American Association for the Advancement of Science im Februar 1998.

Nach weiteren 0,2 Sekunden wird die Meldung von dem Gesicht anscheinend vom Gyrus fusiformis einige Zentimeter nach vorne in den vorderen Temporallappen weitergeleitet. Vermutlich wird zumindest teilweise dort eine Beziehung zwischen dem Sinneseindruck und der zugehörigen Person hergestellt.

Interessanterweise werden Buchstaben, die Wörter bilden, auf einem sehr ähnlichen Weg erkannt. McCarthys Arbeitsgruppe fand heraus, daß ein Teil des Gyrus fusiformis innerhalb einer Fünftelsekunde Buchstabenketten aus anderen Signalen herausfiltert, ohne das Wort jedoch zu entschlüsseln. Zufällig zusammengefügte Buchstaben riefen die gleiche Aktivität hervor wie richtige Wörter. Das vorbereitete Signal wird an weiter vorne gelegene Hirnregionen weitergegeben, welche die Bedeutung der Zeichen erkennen und in einen Zusammenhang stellen. Wie bei der Identifikation von Gesichtern braucht auch dieser Vorgang rund 0,2 Sekunden.

Die Hirnareale für Gesichter und Wörter liegen zwar eng beieinander, sind aber anatomisch separate Einheiten. Dies deutet darauf hin, daß das Worterkennungssystem aus einem bereits existierenden System für die Identifikation von Gesichtern hervorgegangen ist.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Quellen

Partnerinhalte